Einer rennt einsam, der andere angenehm hart
Leichtathletik: Daniel Kittel siegt in Oberndorf, Markus Weiß-Latzko in Kusterdingen
Samstag Pfaffenberglauf, Sonntag Hornissenlauf: Die regionale Lauf-Gemeinde machte am Wochenende in Oberndorf und Kusterdingen Station.
Oberndorf/Kusterdingen. Daniel Kittels (LAV Asics Tübingen) einziger Gegner bei seinem Sieg beim 12. Pfaffenberglauf war die Einsamkeit auf der Strecke. Ernsthafte Gegner hatten nicht gemeldet. „Ich hätte mir schon einen Antreiber gewünscht“, meinte er nach dem einsamen Lauf, „dann wäre vielleicht auch eine bessere Zeit als die 23:59 herausgekommen.“ Wie immer war der kleine aber feine Lauf mit Start am Oberndorfer Sportplatz bestens organisiert. Selbst das Wetter hatte ein Einsehen, und pünktlich zum Hauptlauf hörte es auf zu regnen.
Die Frauensiegerin in 27:17 Minuten, Zoe Weigel aus Rottenburg, war zum ersten Mal beim Pfaffenberg dabei, und für die ausgewiesene Bahnläuferin war das stark profilierte Gelände schwer zu bezwingen. „Man hat da nie seine Ruhe, immer geht es rauf und runter, das kostet echt Kraft.“ Sie freue sich, sagte sie ganz ehrlich, schon auf die nächste Woche, denn da stehe wieder ein Wettkampf auf der Tartanbahn an.
Auch der Drittplatzierte, David Bassano vom TV Rottenburg war zum ersten Mal in Oberndorf dabei und hatte nach vier Kilometern auf der 6,7 Kilometer langen Strecke Probleme. „Aber ich hatte zum Glück den Kiebinger Läufer Rainer Grimm dabei“, erzählte Bassano, „mit dem zusammen bin ich dann den Rest gelaufen, das hat mir geholfen.“ Nach 25:46 Minuten kam der Rottenburger ins Ziel, nur sechs Sekunden hinter dem Zweiten, Moritz Stoll. Auch mehr als zehn der Oberndorfer aktiven Fußballer hatten sich – ganz ohne Stollen! – auf den beschwerlichen Weg zum Pfaffenberg hinauf gemacht. Im Ziel wartete dann auch das liebevoll zubereitete Früchte-Büffet auf die Läufer, die zwischen Äpfeln, Bananen oder Melonen auswählen konnten.
Rechts läuft nicht der Fänger im Roggen, sondern Markus Weiß-Latzko auf dem Weg zum Sieg beim Kusterdinger Hornissenlauf. Links Volker Joos, der neue Fußball-Trainer des SV Oberndorf, beim Pfaffenberglauf. Bilder: Rippmann, Ulmer Ulmer
Insgesamt nahmen in diesem Jahr 66 Läufer/innen teil. Rottenburger Stadtmeister wurden Zoe Weigel bei den Frauen und Moritz Stoll bei den Männern. Beim Schülerlauf über 2 Kilometer nahmen 48 Läufer/innen teil, Sieger wurde Niklas Becker (LAV Asics Tübingen). Zum Nordic Walking meldeten acht Teilnehmer/innen, beim Zwergenlauf nahmen 29 Kinder teil.
Und Daniel Kittel? Der hatte noch so viel Kraft, dass er am nächsten Morgen gleich in Kusterdingen beim Hornissenlauf antrat.
Den entschied allerdings wie im Vorjahr Markus Weiß-Latzko für sich. Bei der 21. Auflage kam der 27-Jährige zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg. „Ich bin heute angenehm hart gelaufen“, erzählte Markus Weiß-Latzko nach getaner Arbeit. Angenehm und hart – schließt sich diese Konstellation nicht grundsätzlich aus? „Nein, auf keinen Fall“, erklärte der Tübinger Jurastudent und fügte an: „Ich habe das ganze hier als eine harte Trainingseinheit in Anschluss an eine intensive Trainingswoche gesehen. An meine Grenzen musste ich dabei zum Glück nicht gehen.“
Im Gegenteil: Mit einem Vorsprung von knapp drei Minuten lief der 27-Jährige auf die Zielgerade des Kusterdinger Sportgeländes ein. Schon bei Kilometer eins konnte sich Weiß-Latzko entscheidend absetzten. Sein Fokus liegt in diesem Jahr hauptsächlich auf den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Ohrdruf bei Thüringen, ebenfalls über die 10 Kilometer Strecke.
Lokalmatador Frank Honold (TSV Kusterdingen) belegte in 34:51 Minuten Rang zwei, knapp dahinter trudelte Daniel Kittel ein.
Die schnellste Frau wurde souverän Sabine Oesterle (LAV Asics Tübingen). In einer Zeit von 37:54 Minuten und Gesamtplatz dreizehn distanzierte die Referendarin Mirjam Fassnacht (SV Oberkollbach) auf Rang zwei: „Bei mir lief es heute eigentlich ziemlich gut. Ich konnte mich sehr schnell von meinen Konkurrentinnen absetzen“, sagte Oesterle.
Die Organisatoren des Laufes waren insgesamt sehr zufrieden und vermeldeten keine Zwischenfälle: „Im Hauptlauf hatten wir mit knapp 150 Läufern einen kleinen Zuwachs zu verzeichnen, ansonsten sind die Zahlen weiter konstant. Vom Wetter her war das heute sehr angenehm zu laufen“, sagte TSV-Abteilungsleiter Paul Jung.
Beim Hobbylauf über fünf Kilometer kam es zu einem Pforzheimer Vater-Sohn Duell. Der 13-Jährige Mattias Schell (TV Enzberg) gewann vor Vater Harald Schell, auch wenn er diesem im Nachhinein Wettbewerbsverzerrung vorwarf: „Ich glaube der hat mich absichtlich vorgelassen.“ WM-Nachwirkungen zeigten sich vor allem beim AOK-Kids-Cup Schülerlauf über zwei Kilometer. Auffällig viele kleine Ronaldos, Schweinsteigers und Messis stürmten beim Startschuss los, als gebe es kein Halten mehr. Den Sieg sicherte sich der Elfjährige Eric Widmaier (TV Rottenburg), der anschließend erklärte: „Außer Puste war ich während dem Lauf ein wenig, aber nicht so, dass ich gleich umfalle.“
bkn / hip