Obwohl Volleyball-Erstligist TV Rottenburg noch nie so gute Spieler hatte, stapeln Trainer und Manager tief. Der Klassenerhalt ist das erklärte Ziel.
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THOMAS DE MARCO
Rottenburg Das runderneuerte Team von Volleyball-Erstligist EnBW TV Rottenburg übt sich nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte in Bescheidenheit: Drin bleiben im Oberhaus heißt die Vorgabe für die neue Saison.
Neuer Kapitän bei den Rottenburger Volleyballern: Matthias Pompe.Hantke
Als Aufsteiger hat der TV Rottenburg gleich die Playoff-Spiele um die Meisterschaft erreicht, da sind die Zuschauer so richtig auf den Geschmack gekommen. Doch Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger ist bei der Teampräsentation in der Großküche eines Sponsors vorsorglich als Appetit-Zügler aufgetreten: "Es wird eine schwere Saison, keine Frage. Die Konkurrenz hat sich kräftig verstärkt, klare Abstiegskandidaten sind im Vorfeld nicht auszumachen."
Nach sieben Jahren als Rottenburger Trainer hatte er sich intensiv überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre, einem anderen die Verantwortung auf der Bank übernehmen zu lassen. "Ich habe mit gutem Grund weitergemacht, wenn ich das neue Team sehe", sagt der Deutsch- und Religionslehrer, "vom Potenzial her hatten wir noch nie so gute Spieler. Jetzt muss daraus auch ein gutes Team geformt werden. Da brauchen wir am Anfang vielleicht Geduld."
Die Rottenburger haben Diagonalspieler Falko Steinke vom Liga-Konkurrenten VC Franken, die beiden Mittelblocker Tibor Filo (zuletzt Gran Canaria) und Hans Cipowicz (VCO Berlin), Zuspieler Waldemar Scherbakoff (VC Offenburg) sowie Simon Quenzer (VCO Berlin) und Marvin Klass (TV Bühl) für Außen und Annahme geholt. Den gravierendsten Einschnitt müssen die Rottenburger auf der Position des Spielmachers verkraften: Der langjährige Steller und Kapitän Thomas Welz hat aufgehört, der bisherige zweite Zuspieler Michael Neumeister muss nun die Verantwortung übernehmen.
Für Manager Jörg Papenheim geht es auch in dieser Saison nur um den Verbleib im Oberhaus. "Die Playoffs waren schön, wir würden gerne wieder einen der ersten acht Plätze belegen", sagt er, "aber der Kampf gegen den Abstieg ist unsere erste Baustelle."
Helfen soll da die zweite Mannschaft des TVR, die nach 14 Siegen in Serie den Aufstieg in die Zweite Bundesliga geschafft hat und mit bisher 4:2 Punkten gleich mal kräftig "hallo" gesagt hat in der neuen Klasse. Eine Konstellation mit zwei Teams in den beiden Bundesligen hat in Deutschland außer Rottenburg nur noch Meister VfB Friedrichshafen. "Dadurch haben wir Spieler, die leichter in der Ersten Liga aushelfen können", sagt Rottenburgs Trainer.
Dann sind da noch die Zuschauer: Erneut hat der TV Rottenburg im Vorfeld über 1000 Dauerkarten verkauft, vergangene Saison hatte der Erstligist einen Schnitt von über 2000 Besuchern pro Spiel. "Dieses Publikum ist ein Riesenvorteil für uns", sagt der neue Kapitän Matthias Pompe, der im Sommer ins deutsche Nationalteam berufen worden war, "so eine Kulisse hat sonst fast keine Mannschaft in der Liga."
Den Volleyball-Freunden in der Tübinger Paul-Horn-Arena soll auch etwas geboten werden. "Wir haben in der vergangenen Saison sehr hohe Maßstäbe gesetzt", sagt Stefan Schneider, mit seinen 28 Jahren der älteste Spieler im jungen Rottenburger Team, das einen Altersdurchschnitt von 23 Jahren hat. "Wir arbeiten hart dafür, die Erwartungen auch diesmal zu erfüllen", sagt er. Wenn das nicht doch kräftig Appetit macht auf die am Samstag mit dem Heimspiel gegen Wuppertal beginnende Saison.