Aufbruchstimmung bei den Walter Tigers Tübingen: Der neue Trainer Igor Perovic will einen attraktiven und schnellen Basketball-Stil etablieren. Trotz Wirtschaftskrise bleibt der Hauptsponsor treu.
Tübingen. Peter Witteczek ist keiner, der lange um die Dinge herum redet. „Im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld ist Sponsoring nicht einfach“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Walter AG gestern bei der Teampräsentation der Tübinger Erstliga-Basketballer auf dem Werksgelände des Hauptsponsors. Witteczek berichtete von einem drastischen Einbruch in der Maschinenbau-Branche: „Wir gehen davon aus, dass es nicht vor Mitte nächsten Jahres besser wird – das Niveau von 2008 werden wir nicht vor 2012 erreichen“.
Die Walter AG rechnet mit einem Minus von rund 30 bis 35 Prozent, also etwa 200 Millionen Euro weniger Umsatz. „Das muss man erst mal verkraften“, sagt Witteczek. Sein Konzern habe sich 2009 zum Ziel gesetzt, rund 100 Millionen Euro Kosten bei allen Tochter-Firmen weltweit einzusparen. „Das geht an den Mitarbeitern nicht vorbei“, sagte Witteczek, auch im Tübinger Stammwerk gibt es bekanntlich Kurzarbeit.
Trotz der Krise aber bleibt die Walter AG Hauptsponsor. „Wir haben uns 2004 entschieden, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen, dazu stehen wir auch und wollen den Weg weiter gehen“, sagte Witteczek. Er stellte aber auch klar: Finanzspritzen während der Saison, wie in den vergangenen Jahren bei personellen Nachbesserungen üblich, sind diesmal ausgeschlossen.
Die Botschaft ist angekommen, signalisiert Robert Wintermantel, der vor einem Jahr vom Walter-Management in die Geschäftsführung der Pro Basket GmbH wechselte. Gemessen an der Größe des Etats sei Tübingen die Nummer 18 der BBL. Zahlen nennt er nicht. „Nach einem Jahr des Krisenmanagements wollen wir uns jetzt konsolidiereren“, sagt der 38-Jährige. Sein zentrales Anliegen: Die Heimspiele sollen wieder zum Event werden. Künftig gibt es eine LCD-Wand in der Halle, die Beschallungs-Anlage wird verbessert, Werbe-Spots in Kinos geschaltet.
Mit 2.500 Fans pro Heimspiel hatten die Tigers vergangenen Saison den schwächsten Zuspruch der Liga. Damit sich das ändert, soll der neue Trainer Igor Perovic seine Vision vom modernen Basketball mit flinken, beweglichen Spielern statt langen Latten umsetzen. „Perovic ist kein Trainer, unter dem eine Mannschaft spielt, sondern für den sie spielt – das ist ein großer Unterschied“, sagt Wintermantel.
Perovics Credo: Größtmögliche kreative Freiheit in der Offensive, dafür aber auch eiserne Disziplin in der Verteidigung. Neuzugang Aleksandar Nadjfeji, mit dem der neue Tigers-Trainer vor 15 Jahren bei Radnicki Belgrad zusammen spielte, hat diese Basketball-Philosophie längst verinnerlicht: „Wir müssen schnell spielen, aber deshalb nicht unkontrolliert und wild.“ Der international erfahrene Nadjfeji, zuletzt bei Alba Berlin, spielt eine zentrale Rolle im Konzept von Perovic. „Nadjfeji macht den Unterschied, von ihm können wir alle lernen, und für uns ist er wie ein Gottes-Geschenk“, sagt der Tigers-Trainer.
Am Samstag beginnt die Phase der Testspiele mit dem Auftritt beim Schweizer Erstligisten Starwings Basel, am Dienstag geht es zum Zweitligisten Kirchheim. Alle fiebern dem 9. Oktober entgegen: Dann startet die Saison gegen den MBC.
Wie bei Quälix: Treppenlauf zum Österberg
Wenn zwei Leichtathleten als Konditions-Trainer amtieren, fließt garantiert Schweiß. Marius Broening und Stefan Wenk bescheren den Tigers-Basketballern derzeit Muskelkater. Am Mittwoch wandelten die beiden auf den Spuren von Felix Magath: Die Tigers mussten von der Gartenstraße zum Österberg hoch rund 300 Treppenstufen bewältigen. Am schnellsten sei Darryl Hudson gewesen, berichtet Wenk. Das Duo macht aber alle Übungen auch selbst mit: „An mir ist noch keiner vorbeigekommen“, sagt Sprinter Broening.