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Nach dem Sieg zur Spätschicht

Zivi Clemens Bleistein rannte vorneweg

2182 Finisher, so viele wie nie, dazu der jüngste Sieger aller Zeiten: Der 34. Tübinger Nikolauslauf hielt gestern zwei Rekorde parat. Clemens Bleistein konnte seinen Erfolg nicht lange feiern: Um 14.30 Uhr begann bereits die Schicht des Zivis in der BG-Klinik.

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Hansjörg Lösel

Tübingen. „Beim zweiten Mal am Bettelweg lief gar nix mehr“, bekannte Clemens Bleistein hinterher. Für die 2181 anderen Nikolaus-Läufer mag dieses Eingeständnis des Siegers irgendwie beruhigend klingen, denn zuvor schien der gerade mal 19 Jahre alte Cannstatter völlig losgelöst von der Last des Läufer-Daseins unterwegs zu sein.

Mit 19 Jahren jüngster Nikolauslauf-Gewinner aller 34 Auflagen: Clemens Bleistein konnte ... Mit 19 Jahren jüngster Nikolauslauf-Gewinner aller 34 Auflagen: Clemens Bleistein konnte allerdings den Streckenrekord von Dieter Baumann nicht gefährden. Bilder: Franke

Die Leichtigkeit kommt nicht von ungefähr: 100 Kilometer in der Woche trainiere er derzeit, sagte Bleistein. Dabei ist er ein Quereinsteiger, spielte früher Fußball bei der Spvgg Cannstatt. Über den TV Cannstatt kam er vor einem Jahr zur LAV Asics Tübingen, trainiert in der Gruppe von Uli Böckle – entdeckt hat ihn aber Angela Wondratschek.

Nach drei Kilometern schon war Bleistein gestern allein an der Spitze, „da war es nicht einfach, sich für eine gute Zeit zu pushen“. Vermisst hat Bleistein dabei LAV-Kollege Timo Göhler – sein Trainingspartner musste erkrankt absagen.

„Mein Traum ist es, mal für Deutschland zu laufen, und immer mit mir zufrieden zu sein, so wie heute“, sagte Bleistein. Allzu lange genießen konnte er seinen Erfolg allerdings nicht: Der Zivildienstleistende, der seit September in Tübingen wohnt, musste noch gestern zur Spätschicht in die BG-Klinik. Und ahnte: „Da werde ich den Lauf schon noch spüren“.

In 1:13,35 Stunden hatte Bleistein im Ziel mehr als eine Minute Vorsprung vor Christoph Hakenes, der erstmals für die LG Steinlach antrat – und zum dritten Mal in Serie Zweiter wurde. „Ich habe schnell gemerkt, dass nach vorne nichts mehr geht und wenigstens den zweiten Platz gesichert“, sagte der 36-Jährige. Denn von hinten preschte LAV-Neuzugang Mischa Elbeshausen (Lauf-Sport Hirning) heran, der sich von Platz zehn bis auf drei kämpfte.

Für das Gros der Läufer im hinteren Feld war derweil eine Neuerung der Startaufstellung wichtig im Kampf um neue Bestzeiten: Erstmals startete das Feld wellenartig in drei Blöcken. So sollten Staus minimiert werden, die sich angesichts der über 2000 Läufer nie ganz vermeiden lassen. Die Premiere hat geklappt: „Besser organisiert als der Start beim New-York-Marathon“, lobte Walter Koch – der schnellste deutsche Siebzigjährige wechselt übrigens von der LG Filder zur LAV.

Auch Wolfgang Amann vom ausrichtenden Post-Sportverein ließ sich gerne vom neuen Start-System überzeugen: „Ich war ja im Vorfeld ein Skeptiker, aber jetzt muss ich sagen, dass der Blockstart ein Volltreffer ist“. Über 200 Helfer hatte der Post-SV im Einsatz – und die Vorbereitung fürs 35. Rennen hat schon begonnen. Der Termin steht jedenfalls: 5. Dezember 2010.

Knisel: „Wir sind in der Bundesliga“

 

Für den Nikolauslauf-Cheforganisator Gerold Knisel war der Finisher-Rekord eine ganz besondere Genugtuung. „Erstmals sind über 2000 Leute ins Ziel gekommen, das ist für uns eine tolle Bestätigung“. Entscheidend dazu beigetragen habe auch das neue Marketing-Konzept von Johannes Heil. Jetzt zählt der Nikolauslauf auch zum elitären Klub der 50 größten Läufe Deutschlands, den German Road Races. Knisel stolz: „Wir sind in der Bundesliga“.hdl

07.12.2009 - 08:39 Uhr | geändert: 07.12.2009 - 09:53 Uhr

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