Sie wohnen mehrere hundert Kilometer auseinander, trainieren in der Ferien trotzdem zusammen – als Mehrkampf-WG wollen die Siebenkämpferinnen der LAV Asics Tübingen 2010 durchstarten.
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Johannes Knuth
Im Gleichsprung: Die vier Siebenkämpferinnen der LAV Asics Tübingen (von links) Corinna Coenning, Eva Baur, Ramona Pitan, Edda Kuhlemann Bild: Franke
Tübingen. Wenn Ramona Pitan den Intercity nach Stuttgart verpasst, dann wird es abenteuerlich. Von Ellwangen fährt sie eine Viertelstunde nach Aalen, steigt in den Regionalexpress nach Bad Cannstatt, nimmt dort den Regioexpress nach Plochingen, wo bereits die S-Bahn Richtung Wendlingen wartet. Dort beginnt die letzte Etappe der fast zweieinhalbstündigen Reise nach Tübingen.
Die 16 Jahre alte Mehrkämpferin nimmt das gerne in Kauf. In ihrer Heimat Ellwangen stand die Deutsche Schülermeisterin von 2008 plötzlich ohne Trainer da. LAV-Trainer Sebastian Marcard sprang in die Bresche und lotste Pitan in seine Trainingsgruppe. „Ich fühl mich echt wohl hier“, sagt Pitan.
Neben Pitan pendelt auch Edda Kuhlemann (B-Jugend) in der schulfreien Zeit nach Tübingen, die Deutsche Schüler-Vizemeisterin im Siebenkampf wohnt seit vergangenem Jahr an der schweizerischen Grenze. Damit seine externen Kräfte wenigstens in den Ferien in Tübingen trainieren können, bat Trainer Marcard seine anderen Mehrkämpferinnen um Hilfe: Die A-Jugendlichen Eva Baur und Corinna nehmen Coenning Pitan und Kuhlemann jetzt bei sich auf. „Unsere Eltern unterstützen uns da super“, sagt Coenning. „So trainieren wir häufiger zusammen“, sagt Marcard.
Die Tübinger Siebenkampf-WG könnte den Bewohnern den entscheidenden Schub für die Saison geben. Baur, Coenning, Pitan und Kuhlemann gehen zusammen schwimmen, kochen bei Eva Baur – „unsere Expertin für Desserts“, verrät Pitan – und vergessen vor dem Computer beim Spielen die Schulaufgaben. „Ich hätte nach dem Umzug im vergangenen Jahr gerne aufgehört“, sagt Kuhlemann, „aber mit der Trainingsgruppe macht es einfach nur noch Spaß.“ Sind sie Freundinnen? Alle vier nicken mit dem Kopf.
Die Freundschaft neben dem Platz fördert die sportliche Leistung. „Je besser man sich kennt, desto besser kann man auf einander eingehen und einschätzen, was die andere geleistet hat“, sagt Kuhlemann. „Der Hochsprung ist viel einfacher, wenn ich weiß, dass meine Teamkameradinnen da sind“, bestätigt Baur. Die Unterstützung fehle ihr manchmal bei Einzelwettkämpfen. „Mehrkämpferinnen sind einfach sozialer“, hat Baur beobachtet.
Kein Wunder, dass die LAV-Mehrkämpferinnen vor allem mit dem Team Medaillen anpeilen. Pitan, Baur und Coenning (A-Jugend) haben den Landestitel im Visier, Kuhlemann, Pitan und Verena Tobis (B-Jugend) wollen bei den Deutschen Meisterschaften aufs Treppchen. Eine Zwischenstation sind die Württembergischen Meisterschaften am Wochenende in Ulm. Die Mehrkampf-WG tritt vollzählig an, obwohl nur Pitan und Coenning die Spikes schnüren: Baur und Kuhlemann fahren trotz Verletzung mit.