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Tauchen bei Minusgraden, Robben im Schlamm

Tübingerin gewinnt das härteste Rennen Deutschlands

Friederike Feil robbte durch den Schlamm, schleppte Autoreifen und tauchte unter Baumstämmen – bei fünf Grad unter Null. In Thüringen hat die 26-Jährige das „Getting-Tough“ Rennen gewonnen, das härteste Rennen in Deutschland.

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hansjörg lösel

Rudolstadt. Von 700 Startern mussten 150 aufgeben, auf der knapp 24 Kilometer langen Strecke mit 890 Höhenmetern warteten fiese Hindernisse, Sprünge durchs Feuer, Wassergräben und allerlei Schikanen. Die Organisatoren in Rudolstadt gaben sich alle Mühe, ein ähnlich hartes Rennen wie den britischen „Tough Guy“ auf die Beine zu stellen. Klingt nach echter Quälerei. Nicht für Friederike Feil: „Im Ziel musste ich einfach lachen, mir hat es Spaß gemacht“ , sagt die 26-Jährige. „Es war viel spannender als normales Laufen. Außerdem gab es ein ganz anderes Gemeinschaftsgefühl, wir haben uns gegenseitig über die Hindernisse geholfen.“

Durch Betonblöcke krabbeln und baden bei minus fünf Grad: Nur zwei der vielen Schikanen beim ... Durch Betonblöcke krabbeln und baden bei minus fünf Grad: Nur zwei der vielen Schikanen beim „Getting Tough“ in Rudolstadt, die die Tübingerin Friederike Feil als beste Frau und Gesamt-Fünfte meisterte.Bilder: Püschel

Die Tübingerin, gelernte Hindernisläuferin, rannte prompt voraus. In 2:14 Stunden war Feil mit deutlichem Abstand schnellste Frau, und nur vier Männer kamen vor ihr ins Ziel. „Bei einigen Hindernissen hatte ich einen Vorteil“, sagt die zierliche, nur 52 Kilogramm schwere Läuferin, „ich war super gut im Robben und kam auch besser durch die Rohre als manche kräftigeren Männer.“

Artikelbild: Tübingerin gewinnt das härteste Rennen Deutschlands

Doch dann kam auch Friederike Feil an ihre Grenzen: Im sogenannten Schwimmbad, natürlich unbeheizt, mussten die Teilnehmer unter Baumstämmen hindurch tauchen, bei Außentemperaturen von minus fünf Grad wohlgemerkt. „Ich musste acht Mal tauchen, und jedes Mal wurde es schlimmer“, sagt Feil, „von draußen haben sie mir zugerufen, dass ich schneller machen muss.“ Routinierte „Tough Guys“ absolvierten den Tauchgang ohne Unterbrechung, was weniger Überwindung kostet.

Pitschnass ging es weiter, es wartete noch das sogenannte „Battlefield“ mit weiteren putzigen Hindernissen. So mussten unter anderem Panzer und Auto-Berge erklettert werden. Das Kraxeln auf den „Thüringer Wall“ fiel nicht mehr ganz leicht: „Ich hatte kein Gefühl mehr in den Händen, konnte kaum noch greifen“, berichtet Feil, „aber wenn man diese harte Strecke hinter sich gebracht hat, möchte man auch diese Hindernisse meistern, das ist dann alles Kopfsache.“ Der Gedanke ans Aufgeben sei ihr nie gekommen, im Gegenteil: Fröhlich winkend lief Friederike Feil über die Ziellinie. „15 Minuten später ging es mir allerdings deutlich schlechter, dann habe ich die Kälte erst richtig gespürt.“ Die Finisher wurden zwar sofort mit wärmenden Decken versorgt und in einen beheizten Bus gebracht, dennoch kroch die Kälte jetzt in die Knochen.

Doch Friederike Feil hat die Strapazen gesund überstanden, arbeitet schon wieder im Büro. Wie bereitet man sich eigentlich auf so ein außergewöhnliches Rennen vor? Neben ihrem „ganz normalen“ Lauftraining machte Feil „mehr Allround-Fitness“, ging Schwimmen und ins Kletter-Training. Und sie hat kalt geduscht, um sich aufs Tauchen im Eiswasser vorzubereiten. „Ich hatte im Training auch überlegt, ob ich in die Steinlach springen soll. Aber da siegte immer der innere Schweinehund“, sagt Feil, „einmal im Wettkampf leiden reicht.“

Nächstes Ziel: Das Original in England
Beim Essen mit Knut Höhler, der ebenfalls fürs Dortmunder Team Brooks startet, hörte Friederike Feil zum ersten Mal von den „Tough Guy“ Rennen. „Ich wollte eigentlich schon letztes Jahr mitmachen, das ist mal was Anderes“, sagt die Leichtathletin mit Spezialstrecke 3000 Meter Hindernis. Höhler siegte als erster Ausländer beim Original Tough Guy in England, schaffte es so zu Stefan Raabs „TV total“. Im Januar fährt auch Friederike Feil nach England. „Jetzt komme ich aus der Geschichte nicht mehr raus“, sagt die Tübingerin. Außerdem ist ein Start beim „Strong Man“ geplant. Im Sommer muss sie sich dann entscheiden, ob sie die Bahnsaison läuft oder auf Strongman-Tour geht.


05.12.2012 - 08:00 Uhr

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