Turn-Landesligist TSV Lustnau hat Lokalrivale Spvgg Mössingen beim Vorrundenabschluss durchaus überraschend vor knapp 100 Zuschauern mit 292,90:291,10 besiegt. Ein Unfall an den Ringen sorgte für die Schrecksekunde des Tages.
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Ibrahim Naber
Mössingens Andreas Böhringer erturnte sich am Seitpferd mit einer kraftvollen, schnellen und präzisen Kür 12,05 Punkte. Im Hintergrund beobachten die Konkurrenten vom TSV Lustnau diese Übung. Bild: Franke
Mössingen. Plötzlich kehrt Stille ein, auch das sonst dauerflüsternde Publikum in der Mössinger Jahnhalle ist ganz ruhig und starrt gebannt auf die große Matte unter den Ringen. Ist etwas Ernsthaftes passiert? Wird er wieder aufstehen? Ja, er wird. Lustnaus Dirk Steiner rappelt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf, hebt die Hand als Zeichen seiner Unversehrtheit und quält sich sogar noch zu einem Lächeln. Erleichterung bei allen Beteiligten, Steiner erhält aufmunternden Applaus.
Was war geschehen? Beim Versuch, mit einem Rückwärtssalto einen geschmeidigen Abgang von den Ringen zu schaffen, war Steiner mit dem linken Fuß in einem Ring hängen geblieben und auf den Boden gekracht. „Wir sind erleichtert, dass Dirk nichts passiert ist. Was er nach dem Sturz noch geleistet hat, war bemerkenswert“, lobte Teamkollege Emanuel Kessler. Unbeeindruckt vom Sturz zauberte Steiner beim nächsten Gerät, dem Sprung, eine fast fehlerfreie Darbietung auf die Matten, die mit der besten Wertung aller Turner (13,50) belohnt wurde.
Vor dem Wettkampf war die Ausgangslage klar umrissen: Hier der Tabellenführer aus Mössingen, auf der anderen Seite der Tabellenvorletzte aus Lustnau, der vor dem Derby überhaupt erst einen Wettkampf gewonnen hatte. Davon war in der Jahnhalle aber nichts mehr zu sehen. „Wir sind ein Team!“, hallte es in einer kleinen Pause aus der Lustnauer Ecke – und genau so trat der TSV auch auf: Lustnaus Vorstellung war eine Demonstration von Entschlossenheit und Geschlossenheit.
Erstmals in der Saison war das Team komplett, da einige Turner extra aus Kiel oder Darmstadt angereist waren oder auch ihren Urlaub verschoben hatten, um beim Derby dabei zu sein. Angeführt vom überragenden Sven van Ijsselmuiden setzte sich der TSV am Boden und beim Sprung deutlich durch. Da die Gesamtwertung am Pauschenpferd und am Barren jeweils ausgeglichen war, bedurfte es am letzten Gerät, dem Reck, schon einer kleinen Sensation, wollte Mössingen den Lustnauer Vorsprung noch wettmachen.
Doch diese Sensation blieb aus. Nachdem Mössingens dritter Turner am Reck, Andreas Böhringer, den TSV mit 11,75 Punkten unter Druck gesetzt hatte, konterte wieder einmal van Ijsselmuiden mit der gleichen Wertung für Lustnau. „Schade, dass wir heute nicht das zeigen konnten, was wir eigentlich draufhaben. Die Punkte am Boden und beim Sprung haben letztendlich den Unterschied gemacht“, haderte Mössingens Trainer Walter Maier.
Trotz der Derby-Niederlage bleibt die Spvgg Erster, da auch der Zweite Backnang II verlor. Mössingen reist mit großen Hoffnungen am 7. Mai nach Ludwigsburg, wo die Rückrunde mit allen Teams geturnt wird und die Entscheidung über die Meisterschaft fällt: „Für uns ist alles drin, wir fahren mit viel Selbstbewusstsein nach Ludwigsburg“, erklärte Maier.
Lustnau dagegen bangt noch um den Klassenverbleib. In Mössingen strahlten aber alle TSV-Turner schon nach dem vorletzten Gerät über beide Backen. Mit einem breiten Lächeln verließen sie dann die Halle – selbst Dirk Steiner konnte wieder unbeschwert lachen.
Spvgg Mössingen: Ableitner, Andreas Böhringer, Stefan Böhringer, Frey, Haas, Harant, Kommerell, Meyer, Weiss.
TSV Lustnau: Armbruster, Manuel Cörlin, Hannes Cörlin, Märkle, Kessler, Van Ijsselmuiden, Antkowiak, Steiner, Merkle, Härle.