Stadtlauf: Kosgei und Rutto ganz vorne/Funktionär sorgt für Unruhe
Hitzerekord statt Streckenrekord: Dass beim 7. Mössinger Stadtlauf am Samstag alle gesund ins Ziel gekommen sind, ist der schönste Erfolg. Den Sieg sicherte sich wie erwartet ein Duo aus Kenia.
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Werner bauknecht
Hunderte Athleten trotzen in Mössingen beim Stadtlauf der Bullenhitze
Mössingen. Das vorherrschende Thema beim diesjährigen 7. Mössinger Stadtlauf war weniger die Frage nach dem Sieger, denn der schien klar, nachdem der Titelverteidiger des vergangenen Jahres, der Kenianer Kipchumba Kosgei, wieder gemeldet hatte.
Vielmehr beschäftigte die Hitze die Gemüter. Denn als der Hauptlauf pünktlich um 18 Uhr startete, wurden noch um die 35 Grad gemessen. Einen kurzen Augenblick lang hatte Organisations-Chef Dieter Schneider sogar mit dem Gedanken gespielt, den Lauf abzusagen. Dann aber vertraute er auf die Vernunft der Läufer.
Bereits nach der ersten Wende nach etwa eineinhalb Kilometern, führte Kosgei das Feld an, gefolgt von seinem Landsmann Ben Masai, die beide beim SSV Ulm gemeldet sind. Dicht dahinter Eduard Scherer, der Spitzenläufer der LAV Asics Tübingen. Schnell spaltete das Feld sich in einzelne Grüppchen auf, die mit Gegner/in und Hitze gleichermaßen auf dem zehn Kilometer-Kurs mit vier Schleifen zu je 2,5 Kilometer zu kämpfen hatten.
Von Anfang an vorn war der souveräne Sieger Titus Kipchumba Kosgei. Rechts Beatrice Rutto, die schnellste Frau – und in der Mitte findet ein Läufer willkommende Abkühlung auf der Strecke. Weitere Bilder: www.tagblatt.de Bilder: Franke
Dankbar waren die Läufer und Läuferinnen für die Wassersprenkler auf der Piste. Die Anwohner taten das ihre, um den geplagten Sportlern zu helfen: Sie spritzten die Läufer mit Wasserschläuchen an. Helmut Werz von der TSG Münsingen war dankbar für die Dusche. „Bei jeder Möglichkeit habe ich den Weg durch die Berieselung gesucht“, sagt er später erschöpft im Ziel.
Scheinbar unbeeindruckt jagte einsam an der Spitze Kosgei den von ihm selbst gehaltenen Streckenrekord, den er schließlich, mit einer Zeit von 30:34 Minuten gerade einmal um 25 Sekunden verpasste. Doch der Eindruck täuschte, denn auch Kosgei hatte unter dem Klima zu leiden. „Es war eher die hohe Luftfeuchtigkeit, die mir zu schaffen machte“, erklärte der Kenianer nach dem Lauf.
Die meisten der Wettkämpfer/innen allerdings passten ihr Tempo den hohen Temperaturen an. Spitzenläufer wie Matthias Koch, Christoph Schlipf (beide LAV Tübingen) oder Jürgen Ilg (Weinheim) starteten verhalten in das Rennen. Erst auf der letzten Runde gab es eine wilde Hatz um die besten Platzierungen.
Ben Masai belegte den zweiten Platz in 31:25, Eduard Scherer Platz drei in sehr guten 33:46. „Ich war gerade im Türkei-Urlaub“, erzählt Scherer, „da habe ich in der Hitze trainiert, deshalb hat mir das heute nicht so viel ausgemacht.“
Bei den Frauen gewann die Kenianerin vom SSV Ulm, Beatrice Rutto, in 35:53 Minuten vor Sabine Oesterle (LAV Asics Tübingen/38:58 Minuten).
Da der Mössinger Stadtlauf in diesem Jahr Bestandteil der Württembergischen Volkslauf-Mannschaftsmeisterschaften war, gab es, allen klimatischen Umständen zum Trotz, die hohe Zahl von 383 Finishern.
Und wie empfand Dieter Schneider, Vorsitzender der LG Steinlach „seinen“ Lauf, den er heuer zum ersten Mal mitmachte? Gut gefallen hat es ihm, sagt er. „Es war zwar schwierig zu laufen, aber es hat einen Riesenspaß gemacht, vor den Zuschauern des Heimatortes zu rennen.“
Zwar waren dieses Jahr nicht ganz so viele Zuschauer am Straßenrand wie sonst, was sich besonders am „Ochsenbuckel“ bemerkbar machte. Aber die Anfeuerung war leidenschaftlich wie immer.
Ein besonderes Zuckerl des Veranstalters gab es nach dem Zieleinlauf. An dessen Ende stand nämlich eine Art Wasserkanone, unter die die Läufer/innen sich stellen konnten, um ihre Körpertemperatur wieder zu normalisieren. Überhaupt hatten die mehr als hundert Helfer wieder ganze Arbeit geleistet, denn die gesamte Veranstaltung lief weitgehend reibungslos ab. Nur Gerold Knisel von der LAV Asics Tübingen hatte mit einem WLV-Funktionär, Uwe Mühlbauer, eine Begegnung der besonderen Art. Knisel reichte nämlich den Läufern im Zielbereich Wasserbecher, um den schnellen Hirschen, unabhängig von Vereinszugehörigkeit, das Anstehen am Wasserstand zu ersparen, ehe es in die nächste Runde ging. Mühlbauer drohte dann kurzfristig damit, alle diese Läufer zu disqualifizieren: Die Läufer/innen müssen nämlich ihr Wasser selbst holen, es ihnen zu reichen gilt als Verstoß.
Trotz aller Vorsicht der Volksläufer gab es nach Aussage von Mike Dornberger vom DRK Mössingen, immerhin zwanzig Läufer/innen, die nach einem Kreislaufversagen versorgt werden mussten. Bleibende Schäden trug allerdings keiner davon. Nach knapp 1:14 Stunden kam schließlich die letzte Läuferin ins Ziel.
Den erstmals ausgelobten Preis von 100 Euro für das schnellste Paar gewannen die Kenianer Kosgei und Rutto, zweite wurden Christoph Schlipf und Sabine Oesterle. Den 5-Kilometer-Hobbylauf gewann Alexander König (Friedrich-List-Schule) in 19:37 Mintuen bei den Männern, Christine Wensing (Gomaringen/24:25) bei den Frauen. Hier gab es insgesamt 72 Finisher. Regen Zulauf fand auch der Schülerlauf (2,5 Kilometer), der beachtliche 284 Finisher aufwies. Es gewann Sascha Tyralla in 8:22 Minuten bei den Jungs, Svenja Wüst (SV Böblingen) in 10:02 Minuten bei den Mädchen.
Auf den neuen, 10,5 km langen Kurs ließen sich 30 Nordic Walker/innen ein. Allerdings mussten auch hier vier Teilnehmer wegen Kreislaufproblemen vom DRK behandelt werden.
Auf die Teilnehmer des VR-Cups wartet nun Ende September der Spitzberglauf. „Eines kann ich jetzt schon sagen“, meinte Winnie Laube, Lauftreff-Leiter des veranstaltenden TSV Hirschau, „ganz so heiß wie heute wird es bei uns nicht werden.“ Und bereits nächsten Sonntag trifft sich die Lauf-Gemeinde der Region beim Hornissenlauf in Kusterdingen.