Sozialpartner des Stadtlaufs ist eine Initiative der Pestalozzischule
Die Pestalozzischule ist der Sozialpartner des 17. Tübinger Stadtlaufs, der am 19. September gestartet wird. Mit den Spendengeldern will eine Initiative den kahlen Schulhof renovieren.
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bernhard schmidt
Die Stadtlauf-Organisatoren und der Sozialpartner, die Initiatoren für einen „Bewegten Schulhof“ hinter der Pestalozzischule (von links): Anmelde-Chefin Gabriele Ulrich, Stadtlauf-Cheforganisator Frieder Wenk, Olympiasieger Dieter Baumann (am 14. September erstmals mit seinem Kabarett-Programm in seiner Heimatstadt), OB Boris Palmer, Moderator Roland Steck, Theatermacher Heiner Kondschak, Rektor Helmut Treutlein und der Förderkreis-Vorsitzende Martin Jäger. Bild: Franke
Tübingen. Traditionell kurz vor den Sommerferien melden sich die Organisatoren des Tübinger Stadtlaufs, gleichzeitig erfährt die Öffentlichkeit, wer an diesem September-Wochenende mit umbrisch-provenzalischem Markt und der Hatz durch die Altstadt der Sozialpartner sein wird – sprich im Windschatten der Läufer für seinen guten Zweck trommeln und sammeln darf.
Eine lohnende Partnerschaft, denn die Einnahmequellen sprudeln mehrfach: Das meiste Geld bringen die Zeitnahme-Chips. 1300 Euro schöpfte die Schulseelsorge, der letztjährige Sozialpartner, allein aus diesem Topf. Die Initiative der Pestalozzischule organisiert aber auch eine von Sponsoren unterstützte Tombola, verkauft Getränke und Würstchen.
Das Spendengeld soll helfen, aus dem kahlen Pflasterstein-Schulhof der Tübinger Pestalozzischule einen zu Bewegung und Begegnung anregenen Pausenhof zu machen. „Gerade die Schüler, die den Anforderungen der Regelschule nicht gewachsen sind, brauchen den Ausgleich in Form von Bewegung und Spiel“, warb Rektor Helmut Treutlein im Rahmen einer Pressekonferenz im Handarbeitsraum der Schule für sein Projekt.
Für die Schüler der ersten bis neunten Klasse soll eine Landschaft aus Balancierhölzern, Seil-Netzen, großen Steinen und Holzelementen entstehen. Die Neugestaltung des Schulhofs erfüllt gleichzeitig einen pädagogischen Zweck. Denn neben Eltern und Lehrern sind auch die Schüler in die Arbeiten eingebunden – was besonders Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer freut. „Das fördert nicht nur die Kreativität und Eigenbeteiligung, sondern sorgt auch für Identifikation und dafür, dass die Geräte besser erhalten werden.“
Gesamtkosten von 28 000 Euro wird der Umbau verursachen, hat Martin Jäger, der Vorsitzende der Fördergemeinschaft, ausgerechnet. Nur 6000 Euro könne die klamme Stadt in diesem Jahr für den ersten Bauabschnitt beisteuern, bedauert Palmer, 12 000 Euro will die Initiative an Spenden und Eigenleistung bringen. Palmer räumt ein, dass die Schulhof-Renovierung eigentlich eine öffentliche Aufgabe sei: „Doch die Stadt hat gerade noch Mittel, das zu erhalten, was man hat, mehr ist nicht drin. Nur da, wo sich schon jemand engagiert, können wir etwas hinzugeben.“
Übrigens: Nach zehn Starts in Folge wird Palmer in diesem Jahr nicht am Stadtlauf teilnehmen. Der Vater in Elternzeit weilt am 19. September in Brüssel.
Als Schirmherr hat die Schulhof-Initiative den Theatermacher und Musiker Heiner Kondschak gewonnen, den nicht jeder auf Anhieb mit schweißtreibendem Ausdauersport in Verbindung bringt. Die 7,5 Kilometer durch die Altstadt will sich Kondschak denn auch nicht antun.
Doch die Belange der Schulen lägen ihm schon am Herzen, sagte der dreifache Familienvater. „Außerdem habe ich mich immer lieber auf die Seite der Verlierer als auf die Seite der strahlenden Sieger gestellt.“ Das LTT, die Reutlinger Tonne und das Melchinger Theater Lindenhof, vermeldet Kondschak, hätten für die Tombola Freikarten beigesteuert, er selbst hat einige seiner CDs spendiert.
Gut 1000 Läufer hätten sich schon fürs Hauptrennen angemeldet, etwa 500 weitere würden noch einen Startplatz finden, zieht Anmelde-Chefin Gabriele Ulrich Zwischenbilanz. Gut angenommen wird offensichtlich die Firmen-Teamwertung mit bereits 50 Anmeldungen.
Welche Spitzenläufer bei der 17. Auflage des Tübinger Stadtlaufs an den Start gehen werden, sei noch gänzlich ungeklärt. „So kurz nach den Deutschen Meisterschaften und vor den großen internationalen Wettkämpfen sind keine Zusagen zu bekommen“, sagt Olympiasieger Dieter Baumann, der übrigens vor 12 Jahren das Sozialsponsoring ins Leben gerufen hat, und dessen Frau Isabel den Kontakt zu den Top-Läufern hält. Grundsätzlich werde man sich auch diesmal ans bewährte Konzept halten, der nationalen Läufer-Elite und den „Tübinger“ Kenianern eine Bühne zu bieten.
Wesentliche Veränderungen gebe es dieses Jahr nicht, sagt Stadtlauf-Cheforganisator Frieder Wenk. Kleine Ausnahme: Jugendliche werden heuer in den Hauptlauf integriert und laufen drei Runden. Wenks Ausblick nach 17 Jahren Stadtlauf ist eher pessimistisch: „Angesichts schwindender Sponsorenhilfe und finanzieller Probleme müssen wir uns irgendwann mal fragen, ob sich der ehrenamtliche Aufwand überhaupt noch lohnt.“