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Lagat als Überraschungsgast

Nur Kenianer Elisha Rottich überflügelt den Wahl-Tübinger

Die Überraschung war perfekt: Zwei Stunden vor dem Start sickerte durch, dass auch Bernard Lagat, der Doppelweltmeister von Osaka, für den Tübinger Stadtlauf gemeldet hatte. Der Wahl-Tübinger, in der Nacht gerade erst aus England zurückgekehrt, musste nur Elisha Rottich den Vortritt lassen. Im Endspurt sicherte sich Arne Gabius gegen Isaac Songok den dritten Platz.

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bernhard schmidt

Tübingen. Als so langsam durchsickerte, dass der mit seiner Familie auf dem Herrlesberg wohnende Lagat auch starten würde, hatten ihn die Konkurrenten und Experten auch schon auf den Favoritenthron gehoben. „Der kann gar nicht langsam laufen“, sagte die für die Athletenverpflichtung zuständige Isabelle Baumann. Und auch für Hindernisläufer Filmon Ghirmai, der zum Stadtlauf gehört wie die Stiftskirche zum Holzmarkt, stand der Sieger schon fest: „Bernard ist Weltklasse, er wird sich zurückhalten und dann in der letzten Runde zuschlagen.“

Letztlich hatte der mittlerweile für die USA startende Silbermedaillengewinner der Weltmeisterschaft in Daegu über 5000 Meter dann doch seinen Meister gefunden. In der zweiten Runde zwischen Fußgängertunnel und Neckarbrücke hatte ihn der spätere Sieger Elisha Rottich (Kenia) gefragt, ob sie nicht bis ins Ziel gemeinsame Sache machten wollten. „Doch da war ich schon zu kaputt“, gab Lagat nach dem Zieldurchlauf zu Protokoll, „da habe ich ihm gesagt, er könne los laufen.“ In der dritten Runde schließlich zündete Rottich den Turbo und vergrößerte seinen Vorsprung auf etwa zwanzig Meter, die er letztlich auch ins Ziel rettete.

Lagat musste am Ende dann doch dem Kräfteverschleiß vom Vortag Tribut zollen. Da hatte der 36-Jährige bei den Great North Citygames in Newcastle-Gateshead über die Meile in 4:64,01 Minuten gewonnen. Erst um drei Uhr morgens hatte er den Rückflug nach Deutschland angetreten.

Impressionen vom Tübinger Stadtlauf

So war vor den zahlreichen Zuschauern entlang der Strecke der Weg frei für Rottich, der zuvor auch schon den Ulmer Stadtlauf gewonnen hatte und nun die 7,5 Kilometer durch die Tübinger Altstadt in starken 21:01 Minuten. „Ich bin so glücklich über den Sieg“, sagte der erst 21-jährige Kenianer nach dem Zieldurchlauf. Der Regen und das nasse Geläuf hätten ihm nichts ausgemacht. „Das bin ich vom Training her gewöhnt“, sagt der Läufer, der üblichweise die Sommersaison in Ulm verbringt. Rottich kam zugute, dass er Spezialist für die ganz langen Distanzen ist. Das große Ziel des Kenianers ist die Teilnahme am Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Über 10 000 Meter liegt seine Bestzeit bei 29:03, über 5000 Meter bei 14:03 Minuten.

Ein Tübinger mitten im Pulk der afrikanischen Spitzenläufer (links der spätere Sieger Elisha ... Ein Tübinger mitten im Pulk der afrikanischen Spitzenläufer (links der spätere Sieger Elisha Rottich, im USA-Trikot Bernard Lagat, rechts Edwin Korir): Arne Gabius von der veranstaltenden LAV Asics Tübingen schlug sich beim 18. Stadtlauf im Weltklassefeld glänzend und wurde mit neuer persönlicher Bestzeit Dritter. Bild: Metz

Da hatte man vom Wahl-Tübinger Isaac Songok, Bestzeit über 5000 Meter 12:48,74 Minuten, mehr erwartet. Der Kenianer aus der Läufer-WG in der Derendinger Mallestraße hielt lange das Tempo hoch und kam als Vierter ins Ziel, auf den letzten Metern niedergerungen von Arne Gabius, der mit einem ungeheuren Kraftakt aufs Podest lief.

„Dass ich so einen Weltklassemann wegspurten kann ist super“, freute sich Gabius im Auslauf-Raum. Gabius, zum Saisonende noch einmal richtig in Fahrt gekommen, konnte das Tempo der afrikanischen Spitzenläufer mitgehen, erst in der letzten Runde wurde der 30-jährige Tübinger von Songok überholt. Doch der deutsche Serienmeister von der LAV Asics Tübingen schlug zur Freude der Zuschauer am Zinser-Eck im Endspurt zurück und erzielte mit 21:15 Minuten eine persönliche Bestzeit.

In dem flotten Rennen – die ersten sechs waren allesamt schneller als Titus Kosgei, der Sieger des Vorjahres – kam Patrick Kimeli, der Sieger von 2009 auf den fünften Platz. Hinter der kenianischen Phalanx kamen Christian Glatting (Wattenscheid) als Neunter und Lokalmatador Filmon Ghirmai als Zehnter ins Ziel.

19.09.2011 - 07:00 Uhr | geändert: 19.09.2011 - 08:16 Uhr

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