Leichtathletik: Gabius will in Barcelona in den Endlauf
In Kienbaum bei Berlin verbringen die deutschen Top-Leichtathleten die letzten Tage vor der Europameisterschaft in Barcelona. Dabei auch die Tübinger Arne Gabius und Filmon Ghirmai, die sich dort mit einem Film über Olympia 1992 auf ihren Saisonhöhepunkt einstimmten.
Anzeige
bernhard schmidt
Nicht so stark wie im Vorlauf der WM in Berlin 2009 wird die Konkurrenz für Arne Gabius (Bildmitte) bei der EM in Barcelona sein. Archivbild: Ulmer
Tübingen/Kienbaum. Die Szene bleibt unvergessen, das Video ist in Youtube mit über 81 000 Zugriffen immer noch ein Renner. Dieter Baumann, eingekeilt zwischen fünf Afrikanern, kämpft sich im Olympiastadion von Barcelona auf den letzten hundert Metern auf der Innenbahn durch, holt gänzlich überraschend die Goldmedaille und sinkt überglücklich auf die Tartanbahn. Das deutsche Glück vervollständigt fast zeitgleich Heike Henkel mit ihrem Gold-Sprung über zwei Meter. Es sei schon etwas Besonderes, in wenigen Tagen in dem Stadion zu starten, in dem einst sein Trainer seinen größten Erfolg feierte, sagt Arne Gabius, der frisch gekürte Deutsche Meister über 5000 Meter: „Das war eine schöne Einstimmung, da hat man eine Gänsehaut bekommen.“
Gabius will vor allem den Endlauf erreichen, den er vor vier Jahren in Göteborg noch verpasst hatte. Und auch bei der WM in Berlin 2009 war nach dem Vorlauf Schluss. Das Aushängeschild der LAV Asics Tübingen ist in Barcelona immerhin mit der neuntbesten Zeit gemeldet (13:31 Minuten) und sollte am kommenden Donnerstag, 18.45 Uhr, den Vorlauf erfolgreich überstehen.
Medaillenkandidaten sind andere: Vorneweg die Spanier, die sich vor heimischer Kulisse ins Zeug legen werden. Alemayehu Bezabeh hat als Einziger in dieser Saison schon die Drei-Minuten-Mauer durchbrochen (12:57 Minuten), nicht zu unterschätzen aber auch die Doppelstarter über 5000 und 10 000 Meter, die Spanier Sergio Sanchez und Jesus Espana oder die Briten Mo Fara und Chris Thompson. Gestern Abend ist Gabius aus Kienbaum zurück gekehrt und wird auf der Bahn im SV 03-Stadion – übrigens so blau wie jene in Barcelona – noch ein paar schnelle Läufe machen.
Wie Gabius so fährt auch Vereinskollege Filmon Ghirmai nach der DM mit viel Selbstvertrauen in die katalanische Metropole. In Braunschweig hatte der 31-Jährige hinter seinem Kienbaumer Zimmernachbarn den zweiten Platz belegt, seinen Gegner Musa Roba-Kinkal, gegen den er ein Ausscheidungsrennen laufen musste, distanziert und sich damit qualifiziert. Für Ghirmai, eigentlich auf der 3000 Meter-Hindernisstrecke zuhause, sind die 10 000 Meter auf internationaler Ebene Neuland. Er hofft, dass die Doppelstarter viel Kraft lassen. „Dann werden keine 27er-Zeiten gelaufen.“ Ghirmai will seine Bestleistung von 28:41 Minuten unterbieten.
Der für die LG Stadtwerke München startende 100-Meter-Sprinter Marius Broening hat die Enttäuschung darüber, dass er fürs EM-Einzelrennen nicht berücksichtigt wurde, einigermaßen verdaut. Ausgerechnet der im DM-Finale knapp hinter ihm gelandete Trainingskollege Tobias Unger war ihm vorgezogen worden. „Wenn’s der beste Kumpel ist, kann man natürlich nicht so schimpfen“, sagt Broening. Mit der DLV-Staffel könne man jedenfalls was reißen. „Wir sind alle Feuer und Flamme. Es wäre ein Traum mit einer Medaille um den Hals nach Hause zu kommen.“
Für Gregor Traber beginnt heute die U 20-Weltmeisterschaft
Vergangene Woche ist LAV-Hürdensprinter Gregor Traber nach Montreal in Kanada geflogen, bis gestern hat er sich im Trainingslager auf den Prince-Edwards-Islands auf die U 20-Weltmeisterschaft in Moncton vorbereitet. Heute hat der 17-jährige Schüler des Tübinger Uhland-Gymnasiums seinen ersten großen Auftritt. Um 9.35 Uhr Ortszeit, bei uns sechs Stunden später, tritt der Schützling von Trainer Dorinel Andreescu zum Vorlauf über 110 Meter Hürden an. Morgen geht’s um 13.35 Uhr in die Zwischenläufe, und am Sonntag steht Traber, sollte er seine gute Form bestätigen, im Finale (14.35 Uhr).