Tiefe Pfützen und spätherbstliche Temperaturen laden in der Regel nicht zum Laufen im Freien ein. Die acht bis 15 Jahre alten Schüler hielt das gestern aber nicht davon ab, den Stadtlauf mit Freude und Elan zu absolvieren.
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Johannes Knuth
Laufen, was das Zeug hält: Auch die jüngsten Stadtlauf-Teilnehmer, wie hier die Schülerstaffeln, ließen sich vom Regenwetter nicht verdrießen. Bild: Metz
Tübingen. Manche Menschen kommen erst richtig in Fahrt, wenn das Wetter mies ist. „I‘m only happy when it rains, I‘m only happy when it‘s complicated“, zu deutsch: Ich bin nur glücklich, wenn es regnet, wenn die Dinge kompliziert werden, grölte die Punk-Band Garbage vor mehr als 15 Jahren launig ins Mikrofon. Die jüngsten Stadtlauf-Teilnehmer waren damals freilich noch nicht auf der Welt. Nur dem einen oder anderen ältere Beobachter mag die Melodie vom Glücklichsein im Regen in den Sinn gekommen sein, wenn er den Schülern gestern zuschaute.
In der Nacht hatte es bereits so stark geregnet, dass manche Tübinger aus dem Schlaf gerissen worden waren. Zu Beginn der Schülerstaffeln ähnelte der Zielbereich daher eher einer Landschaft zur tropischen Regenzeit. Die Läufer, die im Wechselbereich reglos auf ihren Teamkameraden warteten, waren pitschnass, bevor sie überhaupt losgelaufen waren.
Spätestens kurz vor dem Ziel klebten den Schülern die feuchten Haare im Gesicht, und wer bis dorthin einigermaßen verschont geblieben war, trat bestimmt in eine der tiefen Spurrillen auf dem Asphalt, in denen sich das Wasser knöcheltief angesammelt hatte. „Passt auf euch“, mahnte Moderator Roland Steck. „Es ist rutschig!“
Doch obwohl die jüngsten Läufer die wohl schlechtesten Bedingungen vorfanden, liefen sie, als gäbe es das alles gar nicht: Die Pfützen, die Kälte, die nassen Strümpfe, Hosen und Schuhe. „Ich habe den Regen gar nicht gespürt“, sagte Madeleine Wheeler, zehn Jahre, die mit der Schönbuchschule Dettenhausen bei den C-Schülern angetreten war.
Michael Zweigert (TSV Dagersheim), Sieger bei den A-Schülern in flotten 8:37 Minuten, beschwichtigte: „Ich hätte gedacht, dass es schlimmer wird. Die Temperaturen sind eigentlich optimal, dadurch wird es beim Laufen nicht so warm.“ Eine Sekunde hinter Zweigert kam Daniel Rein (TSV Betzingen), Sieger der B-Schüler, ins Ziel. Bei den Schülerinnen gewannen Line Ladner (TSV Lustnau, 9:39, Schülerinnen A) und Svenja Wüst (SV Böblingen, 9:37, Schülerinnen B).
Und dann wurde wieder einmal klar, warum die Schüler den Regen so klaglos ertragen hatten: die Siegerehrung. Die vertrieb Kälte und Nässe wie Medizin Husten und Schnupfen beseitigen. Mit leuchtenden Augen warteten die Kinder am kalten Absperrgitter, ob der Moderator ihre Namen aufrufen würde. Wer auf die Bühne durfte, erhielt eine Urkunde, Medaille und eine Mütze gegen die kalten Ohren.
Wer es nicht unter die ersten Drei geschafft hatte, applaudierte wenigstens so lange, bis die Hände wieder etwas wärmer waren. Madeleine von den Schönbuchflitzern, die den Regen beim Laufen noch überhaupt nicht gespürt hatte, war mit ihrer Staffel auf Platz drei angekommen und dann doch nicht gänzlich trocken davongekommen: „Die Hose und die Strümpfe sind total nass“, gab sie zu. Aber was macht denn nun mehr Spaß, Stadtlauf am Sonntag im Regen oder Mathe am Montag im trockenen Klassenzimmer? „Stadtlauf!“