[X]
 per eMail empfehlen


   

Vom Schreibtisch in die Sandgrube

Im Tübinger Regierungspräsidium gehört das Sportabzeichen fest zum Alltag

Wenn am 24. März die Gewinner des regionalen Sportabzeichen-Wettbewerbs gekürt werden, wird auch das Regierungspräsidium einen Pokal einheimsen. Die Mitarbeiter der Behörde motivieren sich seit Jahren selbst.

Anzeige


Johannes Knuth
Ob Senioren oder Jugend (wie hier die Teilnehmer an Jugend trainiert für Olympia) – das ... Ob Senioren oder Jugend (wie hier die Teilnehmer an Jugend trainiert für Olympia) – das Sportabzeichen hat Angebote für alle Altersklassen. Archivbild: Metz

Tübingen. Wer Mittwochnachmittags im Regierungspräsidium anruft, wird nicht immer einen Mitarbeiter an die Strippe bekommen. Das ist allerdings nicht den angeblich so faulen Beamten geschuldet. Nein, jeder zweite Mittwochnachmittag ist im Regierungspräsidium für das Sportabzeichen reserviert. Für anderthalb Stunden verlassen die Beamten dann ihre Schreibtische. Stattdessen stürzen sich in die Sandgrube und flitzen über die Aschenbahn des Lustnauer Sportplatzes – der TSV lässt die Mitarbeiter mittwochs umsonst laufen, springen und werfen.

Auf Anhieb erfolgreich

Lothar Monns Schreibtisch ist dann meistens auch verwaist, er koordiniert die Sportabzeichen-Aktivitäten im Regierungspräsidium. Zehn Termine bietet Monn seinen Kollegen an, nicht alle meistern die teils anspruchsvollen Anforderungen im ersten Anlauf. Monn selbst legte 1994 sein erstes Abzeichen für das Präsidium ab, im selben Jahr stellte der damalige Präsident Max Gögler erstmals einen Sportabzeichen-Koordinator für seine Mitarbeiter ab. Gögler wollte, dass seine Beamten auch außerhalb des Büros miteinander Zeit verbringen, das gelang auf Anhieb. „Das Sportabzeichen war einfach günstig, um in die Gemeinschaft reinzukommen“, erinnert sich Monn.

Bis heute hat sich an diesem Konzept nichts geändert. Das Sportabzeichen ist fester Bestandteil im Gesundheitsangebot der Regierungsbehörde. Mittlerweile kommt es jedes Jahr zu einem beinharten Wettstreit darum, welche Abteilung die meisten Absolventen stellt. Das Präsidium profitiert dabei auch von seinen Mitarbeitern aus der Polizei- und Schulabteilung, von denen viele eine Sportabzeichen-Prüferlizenz in der Tasche haben. So verdienten sich 2009 immerhin 83 Mitarbeiter die Sportabzeichen-Plakette – nur ein Bruchteil der mehr als 2000 Präsidiumsmitarbeiter, aber drei Mal so viel wie die im Behörden-Wettbewerb zweitplatzierte Sparkasse, seit 25 Jahren der Sportabzeichen-Sponsor.

Den hausinternen Wettbewerb 2009 haben übrigens die Straßenbauer für sich entschieden. Lothar Monns Abteilung, das Umweltressort, war chancenlos. „Ich hoffe aber, dass sich das dieses Jahr ändert“, sagt Monn.

Sportabzeichen gegen den Arbeitslosen-Frust

3696 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben im vergangenen Jahr im Sportkreis Tübingen das Deutsche Sportabzeichen erlangt. 2010 könnte die Fitness-Familie außergewöhnlichen Zuwachs bekommen: Seit Februar treffen sich zehn Tübinger Langzeitarbeitslose regelmäßig im SV 03-Stadion – sie wollen das Sportabzeichen machen. Die Idee reifte in den Räumen des Tübinger Arbeitslosentreffs (TAT). Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ilka Neuenhaus gewann Sponsoren, ein Sportgeschäft gewährte den Arbeitslosen Rabatt beim Turnschuhkauf – sehr zur Freude der Arbeitslosen: „Viele Menschen verlieren ihre Ziele, wenn sie arbeitslos sind“, sagt Heinrich M., einer der Sportabzeichen-Kandidaten. „Alle Menschen brauchen Erfolgserlebnisse, auch Arbeitslose“, sagt ein anderer.

20.03.2010 - 08:30 Uhr
Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion