Es kann wieder losgehen: Hürdensprinter Gregor Traber, Tübingens größte Hoffnung auf einen Platz im Olympia-Team für London, bestreitet am Wochenende in der Karlsruher Europahalle sein erstes Rennen im neuen Jahr. „Ein bisschen nervös bin ich schon“, gesteht der 19-jährige Abiturient.
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Bernhard Schmidt
Gregor Traber geht bestens vorbereitet in die an diesem Wochenende beginnende Hallensaison. Archivbild: Hensel
Tübingen. Keine ernsthafte Verletzung und auch keine längere Krankheit haben Trabers Winter-Training beeinträchtigt. „Es ist wunderbar, wir haben eine super Vorbereitung hinter uns gebracht“, freut sich auch sein Trainer Dorinel Andrescu. Die Weihnachtsfeiertage und das Jahresende 2011 hatte Traber bei den Eltern in Meckenbeuren verbracht und dort sein Programm selbständig durchgezogen. Denn auch sein Trainer war zur gleichen Zeit im Heimaturlaub in Rumänien.
Vergangene Woche waren die beiden noch in einem dreitägigen Trainingslager in Ulm, feilten auf der schnellen Bahn in der Messehalle an Technik und Schnellkraft. „Wir haben außerdem viel an der Dehnbarkeit gearbeitet“, erzählt Traber, „ich habe auf jeden Fall deutlich Fortschritte gemacht.“
Am Wochenende bei den baden-württembergischen Meisterschaften in Karlsruhe ist Traber, der mittlerweile von James Templeton, dem Manager von Bernard Lagat und Weltrekordler David Rudisha betreut wird, über 60-Meter-Hürden mit einer Bestzeit von 7,71 Sekunden klarer Favorit. Was die Zeit betrifft, knüpft Traber an den Auftritt in der Europahalle keine allzu großen Erwartungen. Denn diesen Wettkampf bestreitet der Tübinger aus dem vollen Training heraus. Bis zur Deutschen Meisterschaft am Wochenende 25./26. Februar, für Traber „ein kleiner Höhepunkt“, startet er noch bei mehreren, zum Teil mit internationalen Stars besetzte Rennen (sieht unten). Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr hatte der erst 18-Jährige vor 4000 Zuschauern in Leipzig die gesamte nationale Elite düpiert und war in 7,75 Sekunden überraschend Deutscher Meister geworden. Es war das erste Mal, dass ein Jugendlicher den Titel bei den Männern holte.
Ein weiteres Highlight ist der Ländervergleich mit den USA und Großbritannien am 28. Januar im schottischen Glasgow, für den Traber so gut wie nominiert ist. Doch auch die darauf folgenden internationalen Wettkämpfe sind schon dem großen Ziel Olympische Spiele in London untergeordnet. 13,49 Sekunden ist die DLV-Norm für die Olympia-Qualifikation – eine Zeit, von der Traber nicht mehr allzu weit weg ist.
Im Juni des vergangenen Jahres hatte Traber im Freien in Biberach mit 13,55 Sekunden über 110 Meter (Männer-)Hürden eine neue DLV-Jahresbestzeit aufgestellt und damit auch die B-Norm für die Weltmeisterschaft in Daegu erreicht. Drei deutsche Läufer haben die DLV-Norm für London schon einmal unterboten, alle drei hat Traber schon einmal hinter sich gelassen. „Ich habe natürlich immer London im Auge, das ist Motivation pur“, sagt Traber.
Doch wenn nach der DM die Hallensaison abgeschlossen ist, wird sich der Schüler des Uhland-Gymnasiums aufs schriftliche Abitur konzentrieren. „Ich habe noch nicht viel gemacht, aber es läuft so weit ganz gut“, sagt Traber, der mit viel Disziplin Leistungssport und Schule unter einen Hut bringt und sich um den Notenschnitt keine Sorgen machen muss.
Er werde wohl nach dem Abschluss ein Studium beginnen, sagt Traber. Welche Fächer genau, ob sofort oder später, lässt er noch offen. Sicher ist nur, dass er Tübingen, dem Verein und seinen Gasteltern, der Familie von Olympiasieger Dieter Baumann, auch nach dem Abi treu bleiben will. „Es geht mir gut, ich bin zufrieden, warum sollte ich hier weg?“
Nach der Winterpause geht’s von Wettkampf zu Wettkampf
„Wettkämpfe sind das beste Training“, sagt Tübingens erfolgreichster Nachwuchsleichtathlet. Diesem Motto entsprechend haben Gregor Traber und sein Trainer Dorinel Andrescu zwischen die baden-württembergischen Meisterschaften in Karlsruhe an diesem Wochenende und den Deutschen Meisterschaften am 25./26. Februar an gleicher Stelle noch weitere Wettkämpfe eingeplant: Am 28. Januar wird der Hürdensprinter bei einem Länderkampf in Glasgow starten, am 12. Februar trifft er beim Meeting in Düsseldorf auf internationale Konkurrenz, darunter Dayron Robles, der Olympiasieger von Peking. Zwei Tage später startet er dann wieder in Karlsruhe.