Zum Ende der vergangenen Saison war Filmon Ghirmai (LAV Asics Tübingen) die Luft ausgegangen, 2011 wollte der Hindernisläufer und mehrfache deutsche Meister kürzertreten, manche beschworen gar sein Karriereende. Doch ein Jahr vor den Spielen in London ist „Fili“ motivierter denn je: Er greift noch einmal an – und sein neuer, alter Trainer Alexander Seeger hilft ihm dabei.
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bernhard schmidt
Zurück zu den Wurzeln: Filmon Ghirmai (links vor der Kulisse von St. Moritz) hat sich für das große Ziel, die Olympischen Spiele 2012 in London, die Unterstützung von Trainer Alexander Seeger (Gomaringen) gesichert.
Tübingen/Gomaringen/St.Moritz. Am Samstag wird er aus dem Trainingslager in St. Moritz zurückkehren und weiter intensiv Kondition bolzen. Der 32-jährige mehrfache deutsche Meister und Europacup-Sieger 2007 will es ein Jahr vor den Spielen in London noch einmal wissen – und hat von seinem Arbeitgeber Alb-Gold Grünes Licht erhalten für ein Sabbath-Jahr.
So früh und so befreit hat sich Ghirmai noch nie auf eine Saison vorbereiten können. Erst beschäftigte ihn das Studium über Maßen, dann die Prüfungen, in den vergangenen zwei Jahren dann der 50-Prozent-Job in der Marketing-Abteilung des Nudel-Herstellers auf der Alb. „Nun ist es perfekt für mich. Weil ich mit der vergangenen Saison so früh abgeschlossen habe, kann ich mich jetzt schon voll aufs Olympiajahr konzentrieren“, funkt Ghirmai aus dem Trainingslager im 1800 Meter hoch gelegenen St. Moritz.
Der Tübinger ist im Zeitplan: „Wenn es weiter so gut läuft, dann bin ich in London dabei.“ Auf dem Weg zur Olympia-Norm (8:23 Minuten) wird Ghirmai noch im Oktober in der Höhe seines eritreischen Geburtslandes und Ende Januar in Kenia an den Grundlagen feilen.
Nach der Trennung von Dieter Baumann vor zweieinhalb Jahren hat sich Ghirmai ohne Trainer auf die Saison vorbereitet, seit diesem Sommer steht ihm nun mit Alexander Seeger, 44, wieder ein äußerst erfahrener und zudem alt bekannter Coach zur Seite. Der Gomaringer, im Hauptberuf tätig im betrieblichen Gesundheitsmanagement der Berufsgenossenschaft, hat die große Nachwuchshoffnung schon von 1991 bis 2002 betreut. „Zu ihm hatte ich immer ein gutes Verhältnis“, sagt Ghirmai. Für den neuen, alten Trainer, weiterhin verantwortlich auch für die Bork-Zwillinge Anja und Nadja vom TSV Gomaringen und für die U 20-Juniorinnen des DLV, ist das Ziel klar umrissen: „Fili ist nicht mehr der Jüngste, hat aber ein Riesenpotenzial. Mit professioneller Einstellung und bei den guten Bedingungen wird er die Norm für London schon schaffen.“
Fürs Grundlagentraining wird Ghirmai seinen alten Lehrmeister nicht brauchen. Seeger wird ihn vor allem in Sachen Athletik, Hürdentechnik und Grundschnelligkeit ein gutes Stück voran bringen und ihn dann auf die Wettkämpfe einstellen. Die alten Trainingspläne haben sich bewährt, sie stammen noch von der einstigen Bundestrainerin Isabel Baumann. Die Frau des Olympiasiegers wäre übrigens die Alternative als Trainerin gewesen – hätte Seeger vor drei Wochen nicht spontan zugesagt.