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Ein Duo für Spitze und Basis

Dorinel Andreescu und Andreas Gau feilen an der LAV-Pyramide

Sie haben eigene Aufgabenbereiche und müssen doch viel miteinander reden. Und so funktioniert die Arbeitsteilung der beiden Trainer der LAV Asics Tübingen: Andreas Gau fördert die Schüler und bringt die Talente möglichst so weit, dass sie im Kreis der LAV-Topathleten von Dorinel Andreescu landen.

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bernhard schmidt
Die beiden hauptamtlichen Trainer der LAV Tübingen: Dorinel Andreescu (links) und Andreas Gau. ... Die beiden hauptamtlichen Trainer der LAV Tübingen: Dorinel Andreescu (links) und Andreas Gau. Bild: Rippmann

Tübingen. Dorinel Andreescu ist viel beschäftigt und kommt viel rum. Seit März diesen Jahres ist der gebürtige Rumäne zur einen Hälfte Landestrainer für Mehrkampf, zum anderen Teil Trainer der LAV-Spitzenathleten. Seine wie die Stelle des Trainerkollegen Gau wird finanziert von den Spenden der Tübinger Horn AG. Andreescus Doppelfunktion bringt es mit sich, dass er viel planen und koordinieren muss – und unzählige Stunden im Auto verbringt. An drei Tagen betreut er die Tübinger Top-Leichtathleten aus dem Sprung-, Sprint- und Mehrkampfbereich, ansonsten pendelt der Landestrainer im württembergischen Raum zwischen den Stützpunkten Stuttgart, Ulm und Tübingen. Denn bevor er die Athleten an einem zentralen Ort zusammen zieht, besucht er die meist in der Ausbildung steckenden Leistungssportler an ihren Heimatorten. „Die Athleten müssen das Gefühl haben, dieser Trainer ist für uns da.“

Oder die Athleten folgen ihrem Trainer. Zu den hoffnungsvollsten LAV-Neuzugängen zählen Gregor Traber (Hürdensprint, Dreisprung) und Alisa Schuster (Weitsprung), die beide ihrem Trainer vom Bodensee an den Neckar gefolgt waren. „Ich habe sie aber nicht mitgenommen, es war ihre eigene Entscheidung“, betont Andreescu.

Im Winter wird’s eng in Tübingen

So ganz nebenher promoviert der 41-jährige Diplom-Sportlehrer an der Uni Konstanz zum Thema „Modellierung und Simulation des menschlichen Körpers unter besonderer Berücksichtigung des Knochenskeletts“. 2002 war der einstige Speerwerfer (Bestweite mit dem alten Speer 82 Meter), Zweitliga-Handballer und Mehrkampftrainer bei Steaua Bukarest von Rumänien nach Deutschland gekommen, hatte in der Regionalliga Handball gespielt und dann die Leichtathleten des VfB Friedrichshafen übernommen.

Die Infrastruktur sei seit Einweihung des neuen SV 03-Stadions im Sommer nahezu perfekt, sagt Andreescu. Im Winter allerdings sind die Trainingsbedingungen schwierig. Vom 23. Dezember bis zum 11. Januar beispielsweise ist die Paul-Horn-Arena fürs Training geschlossen. „Und am 17. Januar sind die baden-württembergischen Meisterschaften, da haben wir dann vor den Ferien fast umsonst trainiert.“

Für seine jüngeren Schützlinge sei die Weihnachtspause kein Problem, sagt Andreas Gau. „Denen tut es ganz gut, wenn sie mal eine Pause haben.“ Der dreifache Familienvater ist zuständig für die Schüler/innen, quasi für die untere Hälfte der Leistungspyramide. Gau sieht seine Funktion nicht allein darin, dem Trainerkollegen Andreescu Spitzenkräfte zu liefern. „Im Vordergrund steht doch der Bewegungsaspekt. Natürlich nehmen wir auch die mit, die keinen Leistungssport betreiben wollen“, beteuert Gau. „Wenn Eltern sagen, mein Kind soll vor allem Spaß haben, dann ist das akzeptiert. Ich bin ja kein Bolzer.“

An vier Stützpunkten, in der Nordstadt, in Lustnau/Pfrondorf, Derendingen und in der Kernstadt trainieren 18 Übungsleiter mit 120 Schüler/innen. Dahinter steht das Prinzip der LAV, den Kindern möglichst in Wohnnähe ein Angebot zu machen. Gleichzeitig ist es Gau wichtig, dass sich alle Nachwuchsleichtathleten als Teil der LAV fühlen und danach handeln. Gau hält auch sonst den Team-Gedanken in der Individualsport hoch: „Es ist einfach toll, wie sich die Jungen im Team pushen lassen.“ Und: Das Training müsse Spaß machen und abwechslungsreich sein. Die frühzeitige Spezialisierung auf eine Disziplin lehnt Gau deshalb auch ab.

Großes Sportangebot für wenig Talente

Mit zwei Kindersportschulen, einer Ballsportschule und mit einem breiten Angebot an Fußball-Jugendmannschaften konkurrieren viele Anbieter um die beschränkte Anzahl von jungen Sporttreibenden im vergleichsweise kleinen Tübingen, sagt Gau. Einer seiner Tübinger Schützlinge spielt Fußball und treibt Leichtathletik auf höchstem Niveau. Wenn das überlastete Talent einmal nicht ins Fußball-Training geht, so droht der Trainer, dann darf er am Wochenende auch nicht spielen. „Da bräuchten wir ein sinnvolles Geben und Nehmen“, sagt Gau. Wie im Fall von Katharina Dobler. Die 14-Jährige turnt bei der TSG, springt aber auch für ihr Alter mit 5,50 Meter ganz schön weit. „Das ist doch toll, wenn sich zwei Sportarten so optimal ergänzen“, sagt Gau.

Der 53-jährige gebürtige Jenaer, ausgebildeter Baufacharbeiter und Architekt, kennt und schätzt die Vorzüge des Förder- und Sichtungssystem der DDR. Auch nach der Wende hatte er als Trainer in Berlin-Marzahn von den Resten der einst üppigen Infrastruktur profitiert. Davon sei Tübingen weit entfernt. Trotzdem hält er verstärkt Ausschau nach Talenten. Nicht zuletzt deshalb hat die LAV die Kooperation mit den Grundschulen ins Leben gerufen. Dabei werden den Schülern kostenfreie Trainingsstunden angeboten. „Da stehen wir bei Geldgeber Horn in der Pflicht, der immer den sozialen Aspekt betont hat“, sagt Gau.

Andreescu wie Gau sind froh, dass in der Region entgegen dem allgemeinen Trend die Leichtathletik boomt. „Früher war die LAV bei den Kreismeisterschaften meist unter sich, jetzt ist richtig Konkurrenz da“, sagt Gau.

19.12.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 19.12.2009 - 08:45 Uhr
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