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In 40 Stunden durchs Gebirge

Der Tübinger Uwe Herrmann meisterte 100 Meilen

Wie lange kann man am Stück laufen, bis der Körper schlapp macht. Ultraläufer Uwe Herrmann kennt sich aus. Er startet bei Läufen mit einer Distanz von über 160 Kilometern.

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Diana Nägele
Ultraläufer Uwe Herrmann (47) kurz vor dem Start beim 100-Meilenlauf in Kalifornien. Privatbild Ultraläufer Uwe Herrmann (47) kurz vor dem Start beim 100-Meilenlauf in Kalifornien. Privatbild

Tübingen. Man trifft ihn früh morgens im Freibad oder beim Joggen im Wald, egal bei welchem Wetter. „Ich bin ein Morgenmensch“, sagt Uwe Herrmann und lacht. Dafür trifft er sich abends, sobald er seinen Sportladen in der Tübinger Neue Straße zugeschlossen hat mit seinen Freunden oder ist einfach nur daheim vor dem Fernseher.

Uwe Herrmann Uwe Herrmann

Vor vier Wochen nahm der Tübinger an einem Ultralauf in Kalifornien teil. In 40 Stunden liefen die Teilnehmer bei Tag und bei Nacht eine Strecke von 100 Meilen (etwa 160,93 Kilometer). Dazwischen gab es keine Pausen, nur kurze Verschnaufpausen, in denen man eine Kleinigkeit essen konnte.

„Ich möchte wissen, wo meine Grenzen sind“, begründet der 47-Jährige seine außergewöhnliche Leidenschaft. Dabei gehe es ihm weniger um den Nervenkitzel, als um die persönlichen Grenzen. Etwa um die Frage, wie lange der Körper die Nonstop-Belastung mit macht.

In Kalifornien beim „Coyote Two Moon Ultras-Lauf“ in der Nähe des Städtchens Ojai ging es durchs Hinterland bergauf und bergab. Die Strecke verlief meist auf unbefestigten Wegen. „Man kann sie nicht mit unseren Wanderwegen vergleichen“, sagt Herrmann. „Häufig besteht der Untergrund nur aus losem Geröll.“ Sicherlich war diesmal eine weitere Herausforderung das Wetter. Die Vorhersage hatte schlechtes Wetter angekündigt. „Ich habe mich eben entsprechend gekleidet und an den Stationen Wechselkleidung deponiert“, erzählt der Ultraläufer. Wenige Stunden nach dem Start begann es zu regnen, sobald die Läufer einige Höhenmeter überwunden hatten, schneite es. Irgendwann habe sich daraus ein richtiger Sturm entwickelt, weshalb der Lauf nach 87 Meilen abgebrochen wurde. „Manche der 130 Läufer zeigten erste Anzeichen von Unterkühlung. Die Sicherheit geht einfach vor“, sagt der Tübinger.

„Enttäuscht ist man schon ein wenig“, schildert der 47-Jährige seine Reaktion auf die Entscheidung des Veranstalters. „Schließlich nimmt man mit dem Ziel teil, den Lauf zu schaffen“, so der Tübinger. Zu diesem Zeitpunkt lag seine Finisherzeit bei etwa 34 Stunden. Bei der Etappe kurz vor dem letzten Berg überraschte ihn seine Frau Ulrike und die in Kalifornien lebende Verwandtschaft mit Gulasch und Spätzle. „Das hat mich den Berg hinauf getragen“ sagt er und lacht, auch wenn er nicht all zu viel davon habe essen können.

Vor drei Jahren hat der Tübinger mit den Ultraläufen begonnen. Davor ging er bei verschiedenen Ironman-Wettbewerben an den Start und machte bei Ultra-Radrennen mit. In Marokko hörte er vom „Marathon de Sable“, ein Ultramarathon durch die Sahara, und sagte sich: „Da muss man mitgemacht haben.“ Es sei der visuelle Reiz, die fremde Landschaft, was ihn immer wieder aufs Neue ansporne. Bei Läufen in einer kleineren Gruppe wie in Kalifornien herrsche immer eine ganz besondere, fast schon familiäre Atmosphäre. „Der Zusammenhalt ist einfach riesig“, sagt er.

Bleibt die Frage, was denn alles auf solch einer Reise mit in den Koffer darf. „Das hängt ganz vom Lauf ab“, sagt der Ultraläufer. Beim Lauf durch die Sahara mussten die Teilnehmer Essen sowie Kleidung und Schlafsack auf dem Rücken selber tragen. „Da wiegt man sogar eine Unterhose ab, bevor sie in den Rucksack wandert,“ erzählt Herrmann und grinst verschmitzt.

Bei diesem Lauf verbrachten die Teilnehmer die Nacht nicht im Laufschritt, sondern schlafend in Zelten. Für dieses Jahr steht auf Herrmanns Laufzettel der Ultralauf rund um den Mont Blanc mit einer Wegstrecke von 300 Kilometern. Für die Zukunft wünscht er sich mehr Zeit beim Klettern verbringen zu können und „vielleicht lerne ich irgendwann mal noch Skifahren“.

20.04.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 20.04.2011 - 08:37 Uhr

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