Broening und die Sprint-Staffel feilen an den Wechseln
Déja-vu in London: Wie bei der WM 2009 in Berlin brachte der Tübinger Marius Broening mit der deutschen Sprint-Staffel den Stab nicht ins Ziel. „Am Sonntag in Mannheim müssen wir eine gute Zeit raus hauen“, fordert Broening – sonst könnte das WM-Ticket in Gefahr kommen.
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Hansjörg lösel
Marius Broening wartete in London vergeblich auf den Staffelstab.Archivbild: Ulmer
London/Tübingen. An Position zwei der 4x100-Meter-Staffel wartete Marius Broening im Crystal-Palace-Stadion auf Startläufer Christian Blum, doch der Wattenscheider brachte den Stab einfach nicht rechtzeitig in die Wechselzone. Sofort nach dem Ausscheiden begann die Fehler-Analyse, der Verband hatte eigens vier Kameras vor Ort – die entlasteten Broening. „Normalerweise ist immer der Ablaufende schuld, deshalb hatte ich mich prophylaktisch entschuldigt – aber die Video-Bilder zeigten, dass ich alles richtig gemacht habe“, sagte der Tübinger.
Ursache des Wechselfehlers war vielmehr mangelnde Abstimmung: Blum war erst nach dem kurzfristigen Ausfall von Tobias Unger (Muskelprobleme) in die Startposition gerutscht. „In dieser Formation waren wir noch nie gelaufen, hatten auch in der Vorbereitung nie aufeinander gewechselt“, sagte Broening, „die Wechsel sehen so einfach aus, aber es kann halt viel passieren – und bei uns müssen sie eigentlich immer perfekt sein, weil wir so ein bisschen das Läuferische kompensieren.“
Auf der Suche nach Perfektion hat sich die DLV-Staffel mit Broening schon einmal einen folgenschweren Fehlgriff geleistet: Bei der Heim-WM 2009 vor ausverkauftem Berliner Olympiastadion klappte der Wechsel mit Alexander Kosenkow nicht, der große Traum vom Endlauf war zerplatzt. Auch damals hatte sich Broening nichts vorzuwerfen, was an der Enttäuschung freilich nichts änderte. „Für viele deutsche Athleten war Berlin der schönste Moment der Karriere, für mich ist es der bitterste geworden“, sagt der 27-Jährige, „ich versuche, nicht mehr allzu oft daran zu denken, aber das wird mich ewig verfolgen“.
Irgendwie ist diese Sprint-Saison noch nicht richtig aus den Startblöcken gekommen. Sechs Kollegen sind derzeit verletzt, auch Broening selbst hatte immer wieder mit Blessuren zu kämpfen. Eine Sprunggelenks-Operation zu Saisonbeginn, dann eine Zerrung im Trainingslager, kurz vor der deutschen Meisterschaft erneut Muskelprobleme – mehr als 10,34 Sekunden waren dieses Jahr nicht drin, damit verfehlte Broening die erhoffte WM-Norm deutlich. Umso mehr hat er sich für die Staffel vorgenommen: „Jetzt sollten sich alle mal zusammen reißen, am Sonntag in Mannheim müssen wir eine gute Zeit raus hauen“. Einen Nachweis der internationalen Konkurrenzfähigkeit sollte das DLV-Quartett noch erbringen, um die Funktionäre vor den Titelkämpfen in Südkorea gar nicht erst ins Grübeln kommen zu lassen. Zwar ist die Nominierung für Daegu bereits abgeschlossen, doch 2007 mussten die deutschen Sprinterinnen zu Hause bleiben, weil sie über die gesamte Saison meist hinterher gelaufen waren.
Und auf wen tippt Broening als Weltmeister? „Dieses Jahr gibt es keinen Überflieger, selbst Usain Bolt ist vielleicht zu schlagen“, sagt der Tübinger, „ich kann mir aber gut vorstellen, dass Jamaica die ersten drei Plätze holt“. Für die Staffel muss das aber noch nichts heißen – auch Überflieger müssen erst mal die Wechsel meistern.