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Leichtathletik: Das Ende des blauen Wunders

Asics zieht sich als LAV-Hauptsponsor zurück

Die LAV Tübingen hat ihren Namensgeber und Hauptsponsor verloren. Der Vertrag mit dem Sportausrüster Asics wurde nicht verlängert. Betroffen sind auch die LAV-Spitzenathleten, die bis vor zwei Wochen noch über Individualvereinbarungen verfügten. Die LAV verliert einen fünfstelligen Betrag, Top-Läufer wie Verein sind seither auf der Suche nach neuen Geldgebern.

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bernhard schmidt

Tübingen. Die Tübinger Leichtathletik-Vereinigung, ein Zusammenschluss von mittlerweile acht Tübinger Leichtathletik-Sparten, war der letzte Verein in Deutschland, der Asics im Namen trug, den anderen Clubs war längst gekündigt worden. Fürs Namenssponsoring, so der LAV-Vorsitzende Eugen Höschele, kassierte der Verein jährlich „eine deutliche fünfstellige Summe“.

Filmon Ghirmai (hier im Ziel des Tübinger Stadtlaufs) sieht sich auf dem Weg nach Olympia 2012 in ... Filmon Ghirmai (hier im Ziel des Tübinger Stadtlaufs) sieht sich auf dem Weg nach Olympia 2012 in London auf dem richtigen Weg. Archivbild: Ulmer

Dem Rückzug von Asics ist ein unternehmerischer Strategiewandel vorausgegangen. Nach Auskunft von Matthias Kohls, dem Senior Manager Sports-Marketing der deutschen Asics-Tochter in Neuss, will die Europa-Zentrale des japanischen Unternehmens künftig nicht mehr mit Einzelathleten oder mit einzelnen Vereinen kooperieren, sondern mehr mit Nationen und ihren absoluten Spitzensportlern.

Der Rückzug sei letztlich auch der Krise in der deutschen Leichtathletik geschuldet. „Vereine und nationale Spitzenathleten werden doch kaum wahrgenommen, es gibt fast keine Fernseh-Übertragungen mehr“, sagt Kohls. Asics kooperiere bereits mit den Topläufern aus neun Ländern, dieses internationale Engagement werde nun noch weiter ausgebaut. Der Schwerpunkt verschiebe sich außerdem, entsprechend dem Sportartikel-Sortiment, von der Leichtathletik im Stadion zu Cross- und Marathonveranstaltungen.

Topläufern wird die Grundlage entzogen

Seit dem 1. Januar 2004 trägt die LAV die blauen Trikots mit dem Namenszug von Asics. Olympiasieger Dieter Baumann hatte 2003 gerade die aktive Laufbahn beendet und in der Unistadt Quartier bezogen, „da wollten wir in Tübingen gemeinsam eine kleine Läuferburg mit Magnetwirkung aufbauen“, blickt Kohls zurück. Letztlich hätten aber nur wenige Talente den Durchbruch geschafft. Dagegen seien die deutschen Serienmeister und LAV-Aushängeschilder Arne Gabius und Filmon Ghirmai immer gute Werbeträger gewesen, räumt Kohls ein: „Mit ihren vielen nationalen Titeln haben sie uns weiter geholfen.“

Für dieses Lob können sich die gekündigten LAV-Topathleten allerdings nichts kaufen. Vor gerade mal zwei Wochen, nur drei Tage vor Ablauf der Frist, wurden auch ihre Individualverträge gekündigt. „Das ist schon ärgerlich, das hätte man auch ein bisschen früher kommunizieren können“, sagt Arne Gabius. Weil er so spät vom Asics-Rückzug erfuhr, hat der fünffache deutsche Meister über 5000 Meter nun Probleme, neue Geldquellen anzuzapfen. Denn die Unternehmen haben in der Regel ihre Planungen fürs kommende Jahr schon abgeschlossen.

Den 31-Jährige trifft der Verlust des Ausrüsters und Sponsors besonders hart. B-Kader-Athlet Gabius, dem aus dem Topf der Sportförderung gerade mal 300 Euro für ein Trainingslager zur Verfügung stehen, hatte sich nach erfolgreichem Abschluss seines Medizinstudiums mit dem Ziel Olympia 2012 in London ganz auf seinen Sport konzentriert. „Ich bin im besten Läuferalter und wollte nach dem Studium mal schauen, was ich mit voller Konzentration aufs Laufen noch bewegen kann“, sagt Gabius, „die Kündigung war für mich ein richtiger Schock.“

Ans Aufgeben hat Gabius nie gedacht, aber nach Olympia könnte Schluss sein, befürchtet der gebürtige Hamburger. „Wenn das Laufen nur noch brotlose Kunst ist, muss ich aufhören.“

Doch für die bevorstehende olympische Saison hofft Gabius weiter auf Geldgeber, vertraut auch darauf, dass der LAV-Vorstand auf der Suche nach neuen Geldgebern fündig wird. „Wir müssen schauen, wie wir diese Lücke wieder ausfüllen können“, sagt der LAV-Vorsitzende Eugen Höschele. Erste Gespräche mit potenziellen Sponsoren seien schon geführt worden.

Der Rückzug von Asics sei zwar ein Verlust, eröffne aber auch neue Möglichkeiten, sagt Höschele. Die LAV könne nun Spitzensportler aufnehmen, die früher mit dem Exklusivvertrag eines anderen Ausrüsters bei der LAV Asics Tübingen nicht untergekommen wären. Der Wechsel der Sprintergruppe und ihres Trainers Sebastian Marcard von der LAV zum VfL Sindelfingen (wir berichteten) stehe aber in keinem Zusammenhang mit dem Rückzug von Asics, beteuert Höschele.

Dem LAV-Vorsitzenden bleibt nichts anderes übrig, als den Strategiewechsel von Asics zur Kenntnis zu nehmen. Immerhin könnten beide Vertragspartner auf eine erfolgreiche achtjährige Zusammenarbeit zurückblicken. „Nach dem DLV-Ranking gehörten wir 2010 zu den Top Ten in Deutschland“, sagt Höschele, „wir haben Asics auf dem Trikot und auf Banden bestens präsentiert.“

09.11.2011 - 14:30 Uhr | geändert: 09.11.2011 - 15:08 Uhr

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