800-Meter-Läufer Hannes Bäuerle hat nationale Konkurrenz im Blick
Nächstes Ziel Deutsche Jugendmeisterschaften: Hannes Bäuerle vom TV Rottenburg nimmt nach Erfolgen im Land die nationale Konkurrenz ins Visier. Auf 800 Metern ist er in Deutschland derzeit viertschnellster U-18-Athlet. Und damit großer Hoffnungsträger des Nachwuchsläufer-Teams um TVR-Trainer Rainer Grimm.
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Fabian Ziehe
Sie stoppt nicht Eis, nicht Schnee: Hannes Bäuerle (rechts) und Rainer Grimm trainieren im SV 03 Stadion. Bild: Metz
Tübingen. Minus sechs Grad zeigt das Thermometer, das verloren an der Seitenverkleidung der Holztribüne hängt. Dazu Wind – es ist bitterkalt. Die sonst blaue Tartanbahn des Tübinger SV 03-Stadions ist weiß mit Pulverschnee gezuckert. Das Flutlicht macht die Szenerie auch nicht viel einladender. Doch Hannes Bäuerle zieht seine Runden. „Wenn Training ist, ist Training“, sagt der 17-Jährige. Und irgendwie sorgen diese sibirischen Verhältnisse ja auch für einen „extra Kick“.
Die Mittelstrecke ist Bäuerles Disziplin. 800 Meter Vollgas, das bietet dem Wendelsheimer einen „Spaßfaktor“. Da stoppt ihn kein Schnee, kein Eis, wie auch die übrigen Läufer, die Mittwoch zum Lauftraining kommen. Dort trainiert LAV-Trainer Uli Böckle. Und einige Lauf-Schützlinge des TVR-Trainers Rainer Grimm schließen sich dem Training an, darunter Bäuerle.
Große Schwester als
Leistungs-Ansporn
Er hat sich mit zwölf Jahren vom Fußballspielen verabschiedet und sich voll der Mittelstrecke verschrieben. Dabei spielte mit eine Rolle, dass seine zwei Jahre ältere Schwester Sarah Bäuerle 2007 in den Förderkader des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes kam. „Da war natürlich der Ansporn groß nachzuziehen“, sagt Bäuerle, der als Achtjähriger mit dem Laufen angefangen hat.
Er mag den Kampf auf der Bahn gegen sich selber: „Leichtathletik bietet mir mehr Herausforderung als ein Teamsport.“ An der Mittellage schätzt er die Spritzigkeit, Bäuerle ist weniger Ausdauerläufer. „Ich bin schnell vom Start weg und gut für kurze wie lange Sprints.“ Das hatte er 2011 erst bei den Landesmeisterschaften in Karlsruhe, dann bei der Süddeutschen Hallenmeisterschaft in Sindelfingen bewiesen. Im Glaspalast legte er einen Start-Zielsieg mit 1:56,51 Minuten hin, bei dem er den Zweitplatzierten um zweieinhalb Sekunden abhängte.
„Mental ist er unglaublich stark“, sagt Trainer Grimm. Zudem habe Bäuerle eine „kräftige und gut ausgebildete Statur“. Das probiere man dieses Jahr zu nutzen, um den 17-Jährigen zusätzlich für die 400-Meter-Distanz aufzubauen. Ansonsten stehen dieses Jahr zwei Wettkämpfe im Fokus von Läufer und Trainer: Zunächst übernächstes Wochenende die Deutschen Hallen-Jugendmeisterschaften (U 20) in Sindelfingen. „Da peile ich den Endlauf an“, sagt Bäuerle. Saisonhöhepunkt ist im Juli die Deutsche Jugendmeisterschaft (U 18) in Mönchengladbach. Da wolle er hinsichtlich der Leistung noch eine Schippe drauflegen.
Konkrete Ziele steckt er sich vorerst nicht. „Es kommt in den nächsten Jahren viel Unvorhersehbares auf mich zu“, sagt Bäuerle. Derzeit trainiert er fünf Mal die Woche in Rottenburg und Tübingen.
Unter Zeitdruck beim Lernen besser
Nebenher besucht er die 11. Klasse der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule. In einem Jahr steht das Abi an. „Das läuft bislang nebenher – und unter Zeitdruck lerne ich besser“, sagt Bäuerle. Der Sportschwerpunkt der Schule kommt ihm entgegen. Zum Glück sei er ein guter Schüler, ergänzt Grimm.
Nach dem Abi ist alles offen: Bäuerle interessiert sich für ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik. Wie sich das mit Leistungssport verbinden lässt, müsse sich zeigen. Für seinen Trainer Grimm ist klar: Bäuerle sei sehr talentiert und habe mental viel Potenzial: „Hannes hat derzeit die größte Perspektive in meiner Trainingsgruppe.“
Vom privaten Nachwuchs-Lauftreff zur Kaderschmiede
Triathlet und Straßenläufer Rainer Grimm wurde Trainer, als er seinen zwölfjährigen Sohn und dessen Freund angefangen hat zu trainieren. Bald wuchs die Schar, die mitlief. „Das hat eine Eigendynamik entwickelt“, sagt Grimm. Ute Bäuerle, die Mutter von Hannes Bäuerle, gewann Grimm für das Lauftraining des TV Rottenburg. Dort betreut Grimm seit nun dreieinhalb Jahren Mittel- und Langstreckler. Bis zu 20 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren laufen in der Gruppe. Fünf davon hält Grimm für „hoch talentiert“. Etwa die 3000-Meter-Läuferin Zoe Weigel: Die 18-Jährige und Bäuerle waren 2011 bei der Deutschen Jugendmeisterschaft in Jena. Grimm ist die Stimmung in der Gruppe wichtig, „auch wenn Laufen eine Einzelsportart ist“. Dafür engagiert sich Grimm drei Mal pro Woche als ehrenamtlicher Trainer. „Ich vermute, ich motiviere gut – und die Jugendlichen ziehen gut mit“, sagt Grimm.