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Fünf Meetingrekorde – mit und ohne Hindernisse

21. Auflage der „Krummen Strecken“ ist eine runde Sache

Die Bestmarken purzelten gestern reihenweise in Pliezhausen: Fünf Meetingrekorde gab es bei der 21. Auflage der „Krummen Strecken“ im Schönbuchstadion. Lokalmatador Arne Gabius wurde allerdings im Endspurt vom Österreicher Andreas Vojta abgefangen.

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Hansjörg Lösel
Gemüse für den Europameister: Marcin Lewandowski (links) siegte in Pliezhausen über 600 Meter, ... Gemüse für den Europameister: Marcin Lewandowski (links) siegte in Pliezhausen über 600 Meter, Bianca Kappler (Mitte) ist auf dem Weg zu alter Form – und der Tübinger Arne Gabius (ganz rechts) musste Andreas Vojta ziehen lassen.Bild: Ulmer

Pliezhausen. Beim letzten Satz über den Wassergraben kam Jacob Araptany ins Stolpern, doch der Mann aus Uganda fing sich gerade noch rechtzeitig – und belohnte sich selbst mit dem neuen Meetingrekord über die 2000 Meter Hindernis in 5:28,48 Minuten. Kurz vor 18 Uhr endeten die „Krummen Strecken“ damit genauso, wie das Meeting begonnen hatte: Morgens um kurz vor elf hatte Lisa Urech aus der Schweiz ebenfalls einen Meeting-Rekord verbessert. Die 100 Meter Hürden lief sie in 12,95 Sekunden – ideale Einstimmung auf ihren nächsten Wettkampf, das internationale Meeting in Rom am Donnerstag.

Artikelbild: 21. Auflage der „Krummen Strecken“ ist eine runde Sache

Für die weiteren Bestmarken sorgten Marion Wagner (USC Mainz) über 80 Meter in 9,43 Sekunden, der Kenianer Benson Seurei (USC Heidelberg) in 2:19,18 Minuten 1000 Meter sowie die Äthiopierin Tsigereda Girma über 3000 Meter in 9:07,20 Minuten. Dabei blieb auch die Zweitplatzierte Hyvin Kiseng (Korea) in 9:07,51 Minuten noch unter der alten Bestmarke, die seit 1994 die Rumänin Christina Misaros gehalten hatte.

Lewandowski: Sieg und Laktat-Test

Seinen Meeting-Rekord über 600 Meter aus dem Vorjahr verfehlte Marcin Lewandowski zwar, doch der polnische Europameister über 800 Meter beeindruckte die Zuschauer gestern dennoch: Unmittelbar nach seinem Sieg über die 600 Meter in 1:16,47 Minuten ließ sich Lewandowski etwas Blut für den Laktat-Test entnehmen – und absolvierte gleich anschließend noch einen 200-Meter-Einlagelauf mit seinem Tempomacher aus Trinidad/Tobago – in handgestoppten 24,5 Sekunden. „Für mich waren das die ersten Läufe des Jahres im Renn-Tempo, ich bin sehr zufrieden“, sagte Lewandowski, der übrigens von seinem Bruder Tomasz trainiert wird. „Wir kommen direkt aus dem Trainingslager in St. Moritz und bleiben diese Woche auch noch dort“, sagte Tomasz Lewandowski, „in diesem Jahr sind wir mit dem gesamten Saison-Ablauf eine Woche später dran, weil die Weltmeisterschaft in Südkorea erst so spät angesetzt ist.“ Das Meeting nächste Woche in Hengelo ist eher ein Test, der eigentliche Saisonauftakt folgt erst Mitte Juni. Marcin Lewandowski selbst richtet den Blick bereits Richtung Olympia 2012 in London, „das ist für mich das Wichtigste!“ Den Sonntag im Schönbuchstadion bewertete der Europameister insgesamt positiv: „Wenn ich eingeladen werde, komme ich gerne wieder!“

Artikelbild: 21. Auflage der „Krummen Strecken“ ist eine runde Sache

Seit Jahren gerne wieder kommt Bianca Kappler – die vierfache deutsche Weitsprung-Meisterin nutzte die 80 und 150 Meter als Standortbestimmung unmittelbar nach dem Trainingslager in Portugal. „Die 150 Meter sind schon verdammt lang für mich“, gestand die 33-Jährige lachend ein, „aber die 9,87 Sekunden über 80 Meter sind meine beste Zeit seit dem Achillessehnenriss.“ Die Olympischen Spiele 2008 hat Kappler wegen dieser Verletzung verpasst, „und ich muss mich damit abfinden, dass der Fuß nie mehr dieselbe Sprungfähigkeit erreichen wird.“ Dennoch arbeitete sie eisern am Comeback, wird am Samstag in Weinheim ihren ersten Weitsprung-Wettkampf der Saison bestreiten. „Da ist Pliezhausen einfach die ideale Vorbereitung“.

Arne Gabius zieht Rivalen zu Bestzeit

Eingangs der Zielgeraden schaute sich Arne Gabius noch über die linke Schulter um – doch auf seiner rechten Seite überholte ihn auf den letzten Metern des 3000-Meter-Rennens noch der Österreicher Andreas Vojta. In 7:58,73 Minuten setzte sich der 21-Jährige knapp vor Gabius (7:59:10) und dem Ex-Tübinger Sebastian Hallmann (8:08,63) durch, steigerte dabei seine persönliche Bestzeit gleich um über zehn Sekunden. „Da hat er sich gefreut, dass der Gabius Tempo für ihn gemacht hat“, sagte der Tübinger mit einem Anflug von Sarkasmus, „aber mir blieb ja gar nichts anderes übrig.“ Gabius hätte sich einen etwas flotteren Tempomacher gewünscht, versuchte das Feld dann selbst von vorne zu kontrollieren – doch Vojta hatte den stärkeren Endspurt. Immerhin blieb Gabius der Trost, dass er gestern so schnell wie noch nie in Pliezhausen unterwegs war.

Am Vormittag stellten sich die Hürdenläufer über 300 Meter dem Leistungstest von Bundestrainer Volker Beck. Dabei überzeugte Silvio Schirrmeister (Chemnitz) – der U 20-Europameister von 2007 siegte in 35,6 Sekunden. Lokalmatador Stephan Stoll aus Weil im Schönbuch verzichtete dagegen wegen einer Oberschenkel-Blessur vorsichtshalber, filmte dafür seine Trainings-Gruppe mit der Video-Kamera. „Das Risiko wäre zu groß gewesen“, sagte Stoll. Starke Frühform bewiesen dafür die Mittelstrecklerinnen: Janin Lindenberg aus Magdeburg, Deutsche Meisterin über 400 Meter, siegte über 300 Meter souverän in 37,25 Sekunden. Die ehemalige Heilbronnerin Denise Krebs, inzwischen TV Wattenscheid, verpasste über 1000 Meter in 2:38,71 Minuten den Meetingrekord nur um sieben Zehntel Sekunden – doch für Bestmarken war gestern ja ohnehin gesorgt.

23.05.2011 - 08:30 Uhr | geändert: 23.05.2011 - 17:13 Uhr

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