Der Vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Axel Kulas hat gestern seine Arbeit beim SSV Reutlingen aufgenommen. Seine wichtigste Botschaft an den Verein: „Planen sie für die Oberliga!“
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Thomas de marco
Signalisieren Aufbruchstimmung: Insolvenzverwalter Axel Kulas (rechts) gestern beim ersten Treffen mit SSV-Präsident Fritjof Eisenlohr in Reutlingen. Bild: Franke
Reutlingen. Gestern morgen um 9.15 Uhr begann die Mission von Axel Kulas (44) beim SSV Reutlingen, die am Ende zu einem soliden Neustart in der Oberliga führen soll. „Ich will zeigen, dass eine Insolvenz nicht den Tod des Vereins bedeutet, sondern dass alles versucht wird, den Betrieb aufrecht zu erhalten“, sagt der Vorläufige Insolvenzverwalter, der in Tübingen wohnt.
Seine primäre Aufgabe ist festzustellen, ob genügend Masse da ist, um das Insolvenzverfahren eröffnen zu können. „Ich gehe davon aus, dass es ein geordnetes Verfahren geben kann“, ist Kulas nach seinen ersten Eindrücken überzeugt, „aber letztlich entscheidet darüber das Gericht.“
Er will versuchen, das Verfahren nach dem letzten Regionalliga-Spieltag zu eröffnen, damit die Spiele des SSV nicht aus der Wertung genommen werden und der Wettbewerb nicht verzerrt wird. „Ob das gelingt, ist noch nicht sicher. Aber ich glaube, dass wir das hinkriegen“, erklärt er. Der Insolvenzverwalter traf gestern zunächst mit SSV-Präsident Fitjof Eisenlohr und dem Kommissarischen Geschäftsführer Michael Geckeler zusammen. Anschließend sicherte er Trainer Roland Seitz und den Spielern zu, dass er das Insolvenzgeld vorfinanzieren und Gehaltsrückstände auszahlen werde, damit Ruhe in den Spielbetrieb komme und das Team Gewissheit habe, dass es sein Geld bekomme „Es ist gut, dass der Insolvenzverwalter da ist und uns sagen kann, wie es weitergeht“, betont Seitz. Alle Verträge gelten nur für die Regionalliga. Das ist für den Insolvenzverwalter ein Vorteil, für Trainer und Spieler dagegen ein Schreckensszenario.
„Der Insolvenzverwalter klang sehr positiv“, sagte SSV-Spieler Andreas Rill nach dem Gespräch mit Kulas, „die nächsten drei Monate sind finanziell abgesichert. Aber was danach kommt, weiß noch niemand.“ Auch nicht, ob der Verein die Oberliga angehen könne.
„Ich habe den Verantwortlichen gleich gesagt, dass sie für die Oberliga planen sollen“, sagt dagegen Kulas, „es gibt hier auch viele junge Spieler, die für diese Klasse in Frage kommen.“ Doch dem Juristen der Stuttgarter Kanzlei Brinkmann und Partner, die auf Insolvenzen spezialisiert ist, geht es nicht nur um die Fußballer. „Der SSV ist ein Mehrspartenverein mit guten Schwimmern und Boxern. Deshalb habe ich mich gestern auch mit den Vertretern der anderen Abteilungen getroffen“, erklärte er.
Er versuche, die positive Stimmung, die er beim Verein erlebt habe, nun nach außen zu tragen. „Der SSV ist nicht platt, ganz im Gegenteil. Das Insolvenzverfahren ist eine Phase der Ruhe, in der versucht wird, den Verein zu restrukturieren, eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung zu finden und neu zu beginnen.“
Dazu müssten die Löcher im Eimer gestopft werden. In der Oberliga dürfe dann aber nicht gleich wieder das nächste Loch in den Eimer gebohrt werden, warnt Kulas. Die vielen negativen Schlagzeilen, die der SSV in den vergangenen Jahren auf finanziellem Sektor geschrieben hat, sind ihm bekannt. „Ich verfolge das in Tübingen seit langem“, sagt der 44-Jährige, der ganz früher beim Post-SV Lübeck mal in der B-Jugend gekickt hat. Kulas war vor allem aber ein guter Leichtathlet. Der SSV sei trotz aller Probleme ein gut geführter Verein, sagt er – und stützt sich dabei auch auf Erfahrungswerte in der eigenen Familie: Ein Sohn ist früher für den SSV geschwommen, der andere kickt beim FC Rottenburg in der D-Jugend auch gegen die Reutlinger. „Ich habe hier viele Trainer, Betreuer und Spartenleiter kennengelernt, die mit viel Herzblut dabei sind.
Für den Verein biete sich nun ein Insolvenzplan an, mit dem die Gläubiger letztlich einverstanden sein müssen. „Sonst kommt es zur Liquidation“, sagt der Insolvenzverwalter, „aber das passiert selten.“ Er möchte den Gläubigern eine möglichst hohe Quote anbieten. „Das erreichen wir, wenn wir eine Zukunftsperspektive anbieten“, sagt Kulas, der bemüht ist, großen Optimismus zu verströmen. Dazu gehört auch, dass er die Verantwortlichen lobt: „Ich habe hier sehr kompetente Partner angetroffen. Wir schauen, dass wir gemeinsam aus der Sache rauskommen und hinterher auf gesicherten Beinen stehen.“
Am Freitag wird er erst einmal sitzen – und zwar auf der Tribüne im Reutlinger Stadion beim Regionalligaspiel des SSV gegen Eintracht Frankfurt II. Mit dem Gegner hat Kulas gestern auch schon Kontakt aufgenommen und erklärt, dass die Begegnung ausgetragen wird. „Auch die Frankfurter freuen sich, dass es hier weitergeht“, sagt Kulas und hofft, dass viele Zuschauer kommen. Denn die Einnahmen können ihm die Mission beim SSV Reutlingen erleichtern.