Aufatmen beim SSV Reutlingen: Dank eines genialen Treffers von Julian Grupp – es war gleichzeitig sein erstes Tor – besiegte der SSV an der heimischen Kreuzeiche die Spvgg Neckarelz mit 1:0 (0:0) und stellte damit in der Oberliga-Tabelle den Anschluss zum Mittelfeld her.
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Wolfgang Gattiker
Der Joker stach: Youngster Julian Grupp erzielte gegen Neckarelz das einzige und entscheidende Tor.Bild: Franke
Reutlingen. Für die Spielvereinigung Neckarelz war’s am Ende zum Haare raufen: Sie zeigte ein starkes Kombinationsspiel und war über weite Strecken besser als der SSV. Die Reutlinger bemühten sich zwar redlich, man merkte den jungen Spielern aber die Belastungen der letzten Wochen an – es fehlte an Frische, körperlich und geistig.
SSV-Trainer Lothar Mattner wagte in der Pause einen Dreifach- Wechsel – mit dem Risiko, in Unterzahl spielen zu müssen. Doch der Schachzug ging auf, das Team stabilisierte sich nach dem Kabinengang. Trotzdem erspielte sich Neckarelz weiter Topchancen, verpasste es aber, Tore zu schießen. So holte sich der SSV drei Punkte, und keiner wusste so richtig, wie das eigentlich zustande kam. Ersah Öztürk begann für Eiberger, der mit einem Riss des Innenmeniskus noch einige Zeit ausfallen wird. Außerdem stand Jeffrey Kyei für Julian Grupp in der Startelf.
Nur einmal in der ersten Hälfte hatte der SSV die Gelegenheit in Führung zu gehen, als der Spvgg-Keeper einen Ball nicht festhielt und Andreas Rill fast das1:0 erzielte. Offensiv war ansonsten vom SSV wenig zu sehen, es fehlte die Dynamik und die Power, lediglich Routinier Rill zeigte ein engagiertes Spiel und versuchte, die jungen Spieler mitzureißen.
Nach der Pause erhöhte die Spvgg noch den Druck und erspielte sich innerhalb von 150 Sekunden drei riesengroße Torchancen. Erst nach einer Viertelstunde kam wieder etwas mehr Ruhe ins Reutlinger Spiel. In der 59. Minute schickte Rill Julian Grupp auf die Reise – das Talent zog unwiderstehlich davon und jagte den Ball aus 14 Metern ins Netz – der SSV führte überraschend 1:0, hatte eine seiner wenigen Chancen eiskalt ausgenutzt. Von da an spielte der SSV besser mit: Kyei scheiterte in der Folge am Spvgg Keeper, Roberto Forzano kam nach Rill-Pass ein klein bisschen zu spät.
Es war das erste Spiel des SSV ohne Gegentor und so atmete SSV-Keeper Patrick Gühring nach dem Spiel auch erleichtert auf: „Die hatten so viele Chancen und wir machen das Tor.“ Torschütze Julian Grupp lobte den routinierten Teamkollegen Rill: „Das war ein Sahnepass.“ Und Manuel Waidmann räumte ein: „Wir hatten schwere Beine, als ob wir Skistiefel an hätten. Nach der Pause wurde es besser, aber das ganze ging an die Substanz. Wir haben schwach gespielt mit vielen Fehlpässen. Aber wir haben den Dreier, unglaublich.“
Spvgg-Trainer Peter Hogen fand nach der unglücklichen Niederlage kaum Worte: „Wir haben unser bestes Auswärtsspiel geboten. Wir haben nur vergessen, das Tor zu machen. Am Ende wäre ich auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Wir wurden für unsere Mühen nicht belohnt.“
SSV-Trainer Lothar Mattner war glücklich über den Sieg, mit der Leistung seiner Mannschaft aber eher unzufrieden: „Ich bin erleichtert, das war ein glücklicher Sieg. Ich bin mit dem Spiel nicht zufrieden, Neckarelz war uns in allen Belangen überlegen. Wir mussten den englischen Wochen Tribut zollen. Am liebsten würde ich den Mantel des Schweigens über das Spiel ausbreiten. Besonders loben will ich Rill, der mit viel Power alle mitriss. Auch Gühring hat sehr gut mitgespielt und Tomasek brachte Stabilität. Grupp kam herein und hat gleich Zug zum Tor bewiesen. Aber eines ist klar: Solche Auftritte darf man sich nicht oft leisten.“