Fußball: Hans Kyei will sich für eine Vertrags-Verlängerung empfehlen
Hans Kyei (23) im Wartestand: Im Sommer hat der Tübinger beim langjährigen Fußball-Bundesligisten VfL Bochum unterschrieben – für die zweite Mannschaft, die in der Regionalliga spielt. Noch wartet er aber auf sein erstes Tor.
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Michael Sturm
Wartet noch auf sein erstes Saisontor: Der gebürtige Tübinger Hans Kyei dribbelt seit Sommer für die Regionalliga-Mannschaft des VfL Bochum.Bild: VfL Bochum
Bochum. Der Wechsel zur zweiten Mannschaft des VfL Bochum war für Hans Kyei ein bedeutender Schritt auf seiner Fußball-Karriereleiter. Doch der gebürtige Tübinger sagt: „Von einer Karriere kann ich noch nicht sprechen. Ich habe mich halt immer bemüht, so hoch wie möglich zu spielen und mehr zu trainieren, als gefordert war.“
Seit einem halben Jahr wohnt Kyei zusammen mit seiner Freundin im Bochumer Osten, in Langendreer. „Ich bin Gott dankbar, dass ich bei einem so großen Verein bin. Für mich ist der VfL immer noch ein Bundesligist.“ Der Verein dümpelt derzeit allerdings in der Zweiten Liga herum. Doch mit Thomas Reis ist einer ganz nah dran am Nachwuchsteam, der mit dem VfL bereits im Europapokal gespielt hat.
Reis ist der Assistent der Nachwuchsleitung. Zu Hans Kyeis Chancen beim VfL sagt er: „Durchbeißen müssen sich alle.“ Die Rückrunde über Zeit hat Kyei dafür noch Zeit. Weil er im Sommer 24 wird, steht er bei der U-23-Mannschaft des VfL aus Altersgründen auf der Kippe – sein Vertrag läuft bis zum Sommer.
Den Transfer, sagt Reis, hat Reserve-Trainer Iraklis Metaxas eingefädelt: „Er hat sich Hans ein paar Mal angesehen. Die Art und Weise, wie er bei Waldhof Mannheim die Tore gemacht hat, die hat uns überzeugt.“ Defizite habe man allerdings auch ausgemacht: Kyei fehlt es im Antritt und an der Sprungkraft. Dafür gibt es nun Individualtraining: Fitnesstrainer Jan Schulte, einstiger Sprinter, war mal Deutscher Meister mit der Staffel.
Es lief nicht gleich alles glatt für Kyei: „Hans hat etwas Zeit gebraucht, um sich hier im Ruhrgebiet einzuleben“, sagt Reis. Die Strecke nach Tübingen ist nun länger als zu Waldhof-Zeiten. Doch Trainer Metaxas zeigt Verständnis. „Er spricht viel mit mir und hat mir erzählt, dass er damals auch allein nach Griechenland gegangen ist“, sagt Kyei. Man hört, dass ihm diese Art von Unterstützung gut tut. Üblich sei das nicht, wenn doch der Vertrag nur noch wenige Monate laufe, sagt er.
Schon früh in der Saison hatte Kyei Probleme mit dem Sprunggelenk. Im Training war er gefoult worden. Nun wünscht sich Reis, dass es besser wird: „Wir hoffen, er bleibt die Rückrunde über verletzungsfrei. In der Hinrunde konnte er kaum Gas geben.“ Kyei fasste nach der Verletzung nicht mehr richtig Fuß: „Vielleicht bin ich auch zu früh wieder ins Training eingestiegen.“
Aber es lockt eben der Traum, einmal in der Bundesliga aufzulaufen. Bei einem Freundschaftsspiel gegen die U 23 der USA stand er bereits im Kader des Zweitligisten. Kyei spielte 30 Minuten. Zwar kamen vor allem Ergänzungsspieler zum Zug, allerdings war die komplette Mannschaft dabei. „Ich bin sehr herzlich aufgenommen worden“, sagt Kyei. Vor allem die erfahrenen Spieler, Kapitän Christoph Dabrowski und Ex-Nationalspieler Lukas Sinkiewicz, fragten den Neuen aus.
Priorität hat für Kyei nun allerdings die Regionalliga-Elf. Bis Mitte Mai entscheidet sich, ob sein Vertrag verlängert wird – zu viele Spieler über 23 darf das Team nicht haben. Immerhin: Beim 4:1-Sieg zum Rückrundenauftakt bei Fortuna Köln stand der gebürtige Tübinger auf dem Platz. Er wurde kurz vor Schluss eingewechselt. Auf sein erstes Saisontor muss er jedoch noch warten.
Vom SV 03 Tübingen über den Waldhof zum VfL Bochum
Mit 17 debütierte Hans Kyei bei den Aktiven des SV 03 Tübingen in der Landesliga. Zwei Jahre später lockte Waldhof Mannheim. Nach wenigen Monaten in der Reserve schaffte Kyei den Sprung ins Regionalliga-Team, ehe ihn eine langwierige Schambeinentzündung für Monate ausbremste. Als die Mannheimer in die Oberliga abgestiegen waren, platzte bei Kyei der Knoten: In 34 Saisonspielen erzielte er 18 Tore und stieg mit dem Team auf. Der VfL Bochum wurde aufmerksam und holte ihn im Sommer für die Regionalliga.