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Unmut bei der SSV-Versammlung

Fans rechnen mit Trainer und Sportleiter ab

Der SSV Reutlingen hat bei seiner Informationsveranstaltung am Montagabend kaum Informationen zum Insolvenzantrag geben können – denn er hat den Antrag am Montag gar nicht wie geplant gestellt.

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Thomas de Marco

Reutlingen/Tübingen. Als SSV-Präsident Fritjof Eisenlohr und der kommissarische Geschäftsführer Michael Geckeler am Montag zum Tübinger Amtsgericht gingen, um Insolvenz zu beantragen, mussten sie unverrichteter Dinge wieder gehen. Denn sie hatten nicht das entsprechende Formular für Vereine dabei, bekamen dies erst in Tübingen ausgehändigt. Da alle Präsidiumsmitglieder diesen Antrag unterschreiben müssen, kann er erst am Dienstag eingereicht werden.

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Erstaunt zeigte sich Pressesprecher Karl-Josef Binz, als er im TAGBLATT gelesen hatte, dass der SSV das Insolvenzverfahren nach dem letzten Spieltag dieser Saison eröffnet haben will. „Das hängt nicht vom Verein, sondern vom Insolvenzverwalter ab“, sagte er am Montag, „der Schuldner ist nicht Herr des Verfahrens. Der Verein hat sich die Sache wohl etwas einfach vorgestellt.“

Wenn der Insolvenzantrag gestellt ist, werde vorermittelt, ob das Verfahren überhaupt eröffnet wird. Dazu muss der Verein finanzielle Masse vorweisen sowie die Gläubiger nennen. Bei ausreichender Masse werde ein Gutachten erstellt. Wobei es für den Wunsch des SSV, künftig in der Oberliga anzutreten, unerheblich sei, ob das Insolvenzverfahren erst nach der Runde oder während der Saison eröffnet wird, sagt Thomas Proksch, beim Württembergischen Fußball-Verband (WFV) für den Spielbetrieb zuständig. Sollte das Verfahren allerdings während der Saison beginnen, dann werden sämtliche Reutlinger Spiele nicht gewertet. „Das wäre für den Wettbewerb schlecht, für den SSV aber letztlich egal“, sagt Proksch.

Ziehe der Verein allerdings seine Mannschaft während der laufenden Saison noch zurück (was der SSV nicht vorhat), dann habe er keinen Anspruch mehr auf die nächstuntere Klasse, erklärt Proksch. Werde der Verein zerschlagen, weil kein Insolvenzverfahren möglich ist, dann muss ein Nachfolgeklub ganz unten in der C-Liga beginnen.

„Aber so etwas habe ich in den vergangenen Jahren nicht gehört“, sagt Proksch, es sei immer versucht worden, die Vereine zu retten. „Jeder WFV-Verein, der in so eine Lage kommt, schockt uns“, erklärt er, „wir hoffen, dass der SSV als einer unserer Traditionsvereine eine Zukunft hat.“ Wobei dem Verband klar sei, dass es in der Regionalliga viele Wackelkandidaten gebe, da die Finanzierung sehr schwierig sei.

Großen Andrang gab es am Montagabend im Reutlinger Kreuzeichestadion: 200 Fans und Interessierte waren zur Informationsveranstaltung gekommen. „Es ist für mich eine schwierige Situation“, sagte der sichtlich angeschlagene, immer wieder nervös mit den Augen zuckende SSV-Präsident Eisenlohr, „denn weil der Antrag noch nicht gestellt ist und deshalb noch kein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt ist, können wir gar nichts sagen.“ Nur so viel: „Die Mittel für den Spielbetrieb sind freigegeben“, sagte Eisenlohr mit müder Stimme. Am Freitag wird also gekickt.

Der SSV habe bis zum Schluss gekämpft, betonten Eisenlohr sowie Harald Spohn vom Verwaltungsrat immer wieder. So habe der Verein Zusagen von Geldgebern in Höhe von 300 000 Euro und ein Darlehen einer Bank gehabt, doch dann seien einige der potenziellen Sponsoren abgesprungen. „Das war ein großer Schlag, dann gab es keine Chance mehr“, sagte Spohn, der mehrfach Solidarität und Fairness der Mitglieder anmahnte. „Ich glaube, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt. Doch dazu müssen wir fair miteinander umgehen“, betonte Spohn und erntete verhaltenen Applaus.

Großen Beifall gab es dagegen, als Trainer Roland Seitz (“unfähig, junge Spieler einzubauen!“) oder der Sportliche Leiter Stefan Hack verbal abgewatscht wurden. Hack, der zuvor gesagt hatte, man habe immerhin 35.000 Euro durch Spielertransfers in der Winterpause eingespart, wurde sogar offen zum Rücktritt aufgefordert – dafür gab es Riesenapplaus.

Am Ende versprach Eisenlohr, der SSV werde seine Linie durchziehen, nun in der Oberliga mit jungen Spielern aus der Umgebung neu anzufangen. „Wenn die Masse für das Insolvenzverfahren fehlen sollte, kann man nachschießen“, betonte Spohn. Ob das schon mal eine Aufforderung an alle sei, wollte einer sarkastisch wissen.

Nach einer guten Stunde war alles vorbei und einige schauten draußen noch den Jugendteams beim Training unter Flutlicht zu. Fußball kann so schön sein.

Einen Video gibt es hier am Dienstagnachmittag. Wie die Stadt Reutlingen mit der SSV-Pleite umgeht, lesen Sie in der Dienstagausgabe des TAGBLATTs.

23.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 24.03.2010 - 08:47 Uhr

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