Kritik wegen geringen Interesses an der Mitgliederversammlung
Zu Beginn der Mitgliederversammlung des Stadtverbands für Sport brachte eine Übungsleiterin des SV Pfrondorf die Teilnehmer mit Gymnastik in Bewegung, am Ende bekam das Gremium schwere Erschütterungen zu spüren: Ob der Stadtverband überhaupt noch zeitgemäß sei, fragten Vereinsvertreter.
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Thomas de Marco
Ob es um Gebühren für die Hallen wie die Paul-Horn-Arena geht oder um Zuschüsse – der Sport brauche eine starke Stimme, fordert Tübingens Bürgermeister Michael Lucke bei der Mitgliederversammlung des Stadtverbands für Sport.Bild: Metz
Pfrondorf. Der Tübinger Stadtverband für Sport vertritt als Dachverband die Interessen von 68 Vereinen im Gemeinderat sowie gegenüber der Stadtverwaltung und verteilt auf Antrag Fahrtkosten- und Veranstaltungszuschüsse. Im Sportheim des SV Pfrondorf waren am Mittwochabend allerdings lediglich 18 Klubs vertreten – weshalb der Verband nicht einmal beschlussfähig war.
„Wir müssen diskutieren, welche Bedeutung der Stadtverband überhaupt noch hat, wenn hier so wenige Vereine vertreten sind“, fragte deshalb Hanns-Peter Krafft, der Vorsitzende der TSG Tübingen, der sich bei den vorangegangenen Vorstandswahlen (siehe Extra-Artikel) demonstrativ enthalten hatte. Er hätte bei dieser Versammlung mehr Protest erwartet. Zudem würden die Zuschüsse verteilt, egal ob die Vereine bei den Versammlungen vertreten seien oder nicht. „Warum eigentlich?“, fragte Krafft.
„Ist es noch zeitgemäß, was wir hier machen“, wollte auch Albert Füger, der Erste Vorsitzende des TSV Lustnau, wissen. Die Vereine sollten sich mal zusammensetzen und gezielt in Workshops arbeiten anstatt öde Regularien bei einer Mitgliederversammlung durchzuführen, schlug er vor.
Der Gedanke, „was macht der Stadtverband“, sei nicht neu, sagte Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke in seiner Stellungnahme zu aktuellen Fragen des Tübinger Sports (siehe Lokalseite eins und nebenstehenden Artikel). „Die Stadtverwaltung ist gerne bereit, die Diskussion zu unterstützen. Ich erneuere das Angebot noch einmal, einen Workshop einzurichten – die Kosten übernehmen wir und bieten uns auch als Moderator an“, sagte Lucke.
Ein solcher Workshop mache nur Sinn, wenn die Vereine dieses Angebot auch annähmen, sagte Michael Görke, der Zweite Vorsitzende des Stadtverbands, „und da habe ich meine Zweifel“. Das stieß auf Widerspruch vieler Vereinsvertreter, die vehement forderten, das Angebot der Stadt anzunehmen.
Dass am Ende die große Sinnfrage für den Stadtverband für Sport gestellt wurde, habe ihn nicht sehr überrascht, sagte Görke hinterher, „wir haben uns schon vor drei Jahren hinterfragt.“
Er wundere sich mit seinen Vorstandskollegen allerdings etwas darüber, dass diese Kritik nun so stark aufkomme, nachdem sich der Verband bei der Spardiskussion mit eigenen Vorschlägen eingebracht und durchgesetzt habe. „Wir sind politischer geworden, aber offenbar gibt es den Wunsch, dass wir die Interessen der Vereine noch stärker bündeln. Aber das setzt mehr Mitarbeit und Engagement von den Vereinen voraus“, fordert Görke.
Als existenzielle Bedrohung des Verbands sieht er die Kritik nicht. „Wir gehen davon aus, dass einige große Vereine unzufrieden sind, aber nicht die Mehrzahl“, sagt der Zweite Vorsitzende. So erklärte etwa Wolfgang Amann, der Vorsitzende des Post-SV Tübingen, „wir brauchen den Stadtverband.“
Görke ist aber klar, dass sich der Verband überlegen müsse, wohin er künftig gehen werde. „Das wollten wir schon seit geraumer Zeit tun, waren dazu aber personell nicht in der Lage“, betont der Zweite Vorsitzende. Mittelfristig werde der Stadtverband das Workshop-Angebot der Stadt annehmen. Er wünsche sich eine starke Stimme des Sports, gab Bürgermeister Lucke dem Verband – auch im Hinblick auf die geringe Anzahl vertretener Vereine – mit auf den Weg, „dann wird man auch den Sport besser wahrnehmen. Der Ball liegt bei ihnen.“