Not gegen Elend: Walter Tigers besiegen TBB Trier 65:54
Obwohl die Tübinger Bundesliga-Basketballer ihre wohl schlechteste Saisonleistung ablieferten, gewannen sie gegen den Abstiegskandidaten TBB Trier dank eines starken letzten Viertels noch 65:54 (25:34).
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bernhard schmidt
Tigers-Heimsieg auf den letzten Drücker - 65:54 gegen Trier
Tübingen. Vielleicht lag's an der für ein Basketball-Spiel ungewöhnlich frühen Stunde, vielleicht auch am live übertragenden Fernsehen: Die Walter Tigers fanden bis acht Minuten vor dem Ende nicht ins Spiel. Und hätten die Tübinger gegen einen Gegner aus der oberen Tabellenhälfte und nicht gegen ein nach zehn Niederlagen gänzlich verunsichertes Team gespielt, wären sie am Samstag wohl mit mindestens 30 Punkten Unterschied abserviert worden. Hallensprecher Jurij Suchowerskyj, sonst eher ein Freund moderater Töne, verteilte miserable Zensuren: Die ersten 20 Minuten nannte er „eine Katastrophenhälfte“, nach dem Spiel attestierte der Lehrer der Tübinger Mannschaft, „wahrlich keinen Schönheitspreis gewonnen“ zu haben.
32 Minuten lang quälten die Tigers die große Mehrzahl der insgesamt 2400 Zuschauer mit Basketball zum Abgewöhnen: Abspielfehler waren eher die Regel als die Ausnahme, die Tigers, in der Defense noch einigermaßen auf der Höhe, schlossen ihre Angriffe viel zu früh ab und trafen fast immer die falschen Entscheidungen. „Ich weiß gar nicht, was mit denen los war“, bilanzierte Tigers-Co-Trainer Radisa Zdravkovic kopfschüttelnd, „die waren doch noch gar nicht richtig auf dem Spielfeld“, ergänzte Lothar Bösing, mitleidender Tübinger und Vize-Präsident des Deutschen Basketball Bundes.
Nach miserablen 32 Minuten richteten sich die Tigers einmal mehr an ihrem Spielmacher Branislav Ratkovica auf, der mehrfach mit schöner Finte und schnellem Antritt in die gegnerische Zone eindrang und sicher vollendete. Bild: Ulmer
Romeo Travis, mit 15 Punkten noch einer der bissigsten Tiger, sah sich von aufopferungsvoll kämpfenden Gegenern überrascht: „Die Trierer spielten sehr hart und aggressiv. Sie wollten mehr als wir und waren besser aufs Spiel fokussiert.“ Über eine starke Defense sei man am Ende gerade noch rechtzeitig in der Offensive wieder in die Spur gekommen. Hauptsache gewonnen, sagte Travis: „Gegen andere Teams haben wir auch schon viel besser gespielt – und am Ende dann doch verloren.“
Mit wenig Beifall, aber auch wenig Pfiffen wurde Triers Trainer Aaron McCarthy, der mit den Tübinger Fans nie richtig warm geworden war, an seiner einstigen Wirkungsstätte begrüßt. Braun gebrannt wie eh und je, im seriösen grauen Anzug, dirigierte er gestenreich das Spiel seiner Trierer, die er erst vor wenigen Tagen übernommen hatte. Er habe noch zu wenige Zeit gehabt, räumte er in der Pressekonferenz ein, der verunsicherten Mannschaft wieder eine Siegermentalität einzuimpfen. „Wir brauchen noch ein paar Tage harter Arbeit, dann wird es besser werden“, ist sich der 48-jährige Kalifornier sicher.
Gerade einmal zehn Punkte hatten die Tübinger nach zwölf Minuten erzielt – Minusrekord für diese Saison. 17:10 führte Trier nach dem ersten Viertel – aber nicht, weil sie besonders zwingend gespielt hätten, sondern weil die Tigers Fehlpässe und Fehlwürfe aneinander reihten. Allein Travis hielt mit acht Punkten die Tigers einigermaßen im Spiel. Kaum besser spielten die Tigers im zweiten Durchgang, in dem wenigstens der miserabel gestartete Branislav Ratkovica endlich in die Gänge kam. Als Georg Evans nach einem Fehlpass von Ratkovica einen Fastbreak mit einem krachenden Dunk abschloss, war die Stimmung unter den Tigers-Fans auf dem Tiefpunkt.
Die Pausenansprache von Coach Igor Perovic wirkte nicht lange: Seine Tigers verkürzten zwar zwischenzeitlich auf 36:38, ließen die Trierer bis zur letzten Viertelpause aber wieder auf 40:47 davonziehen. Ein Jenkins-Dreier zum 48:49-Anschluss brachte dann doch das Tübinger Publikum wieder zurück, das ob des beiderseitig miserablen Spiels ziemlich ruhig geworden war. Für McCarthy brachen nun „die grausamen letzten acht Minuten“ an. Die erste Tübinger Führung überhaupt erzielte Jenkins per Freiwurf zum 50:49. Der Widerstand der verunsicherten Trierer war danach überraschend schnell gebrochen, spätestens jedoch als Drew Neitzel und Chris Copeland mit je fünf Fouls auf die Bank mussten. Nach einem 17:0-Lauf der Tigers war das Spiel gedreht.
Igor Perovic erwartet mehr Leidenschaft und Einsatz
Tigers-Coach Igor Perovic war nach dem Spiel sichtlich angefressen: „Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft überhaupt nicht zufrieden. Wir haben viel falsch gemacht. Es reicht normalerweise nicht, nur ein Viertel gut zu spielen. So können wir die nächsten fünf Spiele nicht bestehen, da müssen wir uns steigern. Heute haben mich nur zwei Spieler überzeugt. Ich erwarte von den Spielern mehr Leidenschaft und Einsatz. Das sind Profis, bei mir dürfen sie Fehler machen, aber der Einsatz muss stimmen. Von Johannes Herber erwarte ich neue Impulse fürs Team. Er wird am Montag ins Training einstiegen und voraussichtlich am 17. April gegen Oldenburg erstmals spielen.“