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Frustbewältigung gegen Frankfurt

Katerstimmung bei den Tigers nach dem unglücklichen 77:78 gegen Berlin

Wer am Sieg schnuppert und doch verliert, ist tief frustriert. Nach dem 77:78 gegen Alba Berlin wollen die Walter Tigers Tübingen den Frust schnell in positive Energie verwandeln: Am Sonntag (17 Uhr, Paul-Horn-Arena) muss gegen Frankfurt ein Sieg her.

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hansjörg Lösel

Tübingen. Komplimente können manchmal richtig weh tun: Auf der Pressekonferenz nach dem knappen Sieg seiner Albatrosse schimpfte Berlins Trainer Sasa Obradovic über die laxe Einstellung seines Star-Ensembles („wir sind weit entfernt, ein Spitzenteam zu sein“) und gratulierte Igor Perovic zur Leistung der Tigers – dabei hatte Tübingen den Mittwochs-Thriller soeben verloren. Und diese Niederlage tat richtig weh, das war Perovic auch gestern nachmittag beim Pressegespräch noch deutlich anzusehen. „Der Sieg war doch schon da“, sagte der Serbe, aber Berlin hatte das letzte Wort und entschied die Partie durch Nationalspieler Heiko Schaffartzik sieben Sekunden vor Schluss. Tübingen hatte zwar noch eine letzte Chance, doch ausgerechnet dem bis dahin überragenden Redding unterlief ein fataler Lapsus, als er den Einwurf viel zu riskant auf Kenny Frease spielte. „Diesen Ball sollte Vaughn Duggins bekommen“, sagt Perovic, „Frease war nur eine Option, wenn er frei gewesen wäre.“ Diese Konzentrationsschwäche in der Schlussphase führt Perovic auch darauf zurück, dass er seinen Leistungsträgern Redding, Duggins, Nash und Frease praktisch keine Atempause gönnen konnte. „Vier Spieler mit über 30 Minuten Einsatz, das ist nicht gut“, sagte der Trainer. Während Berlin problemlos durchwechselte, ohne dass das Niveau gesunken wäre, spielten die Tigers praktisch nur mit einer Sechs-Mann-Rotation. „Ich habe eben nicht diesen Luxus“, sagte Perovic ein wenig neidisch zu seinem Landsmann Obradovic.

Auf ein Neues: Die Tübinger Basketballer wollen am Sonntag gegen Frankfurt ihr Berlin-Trauma ... Auf ein Neues: Die Tübinger Basketballer wollen am Sonntag gegen Frankfurt ihr Berlin-Trauma abschütteln. Bild: Ulmer

So bitter die Niederlage gegen Berlin auch war, Gelegenheit zur Frustbewältigung haben die Tigers schon am Sonntag: Gegen den Vorletzten Frankfurt lastet allerdings der Druck des Gewinnenmüssens auf dem Team – sollten die Tiger verlieren, wäre Tübingen wieder im Keller angekommen. „Es wird das nächste harte Spiel, aber die Jungs sind in Form, es wird eine mentale Frage“, sagt Perovic. Die Tigers hoffen, dass All-Star Johannes Lischka am Sonntag wieder fit ist. Gegen Berlin hatte sich Lischka eine Beckenprellung zugezogen. Perovic geht aber davon aus, dass Lischka am Sonntag dabei ist.

Der Meister von 2004 rutscht in die Krise

Die Frankfurter Situation ist nicht gerade rosig: Beim Meister von 2004 „gehen die Reserven zur Neige, sportlich, wirtschaftlich, strukturell“, schrieb die FAZ in dieser Woche. Die Skyliners stehen seit dem 102:107 gegen Hagen auf einem Abstiegsplatz, der Zuschauerzuspruch ist so schlecht wie nie zuvor. Vom Bau einer neuen Halle hänge die Zukunft des Vereins ab, so die FAZ weiter. Für den langjährigen Sportdirektor Kamil Novak, der vor wenigen Wochen als Generalsekretär zum Europäischen Verband ging, wurde aus Spargründen kein Ersatz verpflichtet. Im Januar laufen die Verträge von Ted Scott, Jonathon Jones und Dion Dowell aus – das US-Trio spielt am Sonntag in Tübingen auch um seine Zukunft. Was das Team von Trainer Muli Katzurin an guten Tagen zu leisten vermag, haben die Ulmer leidvoll erfahren: Beim 78:62 zeigten die Frankfurter ihre beste Saisonleistung. „Der Glaube an uns selbst ist jetzt das Wichtigste“, sagte Katzurin auf der Skyliners-Homepage – und dürfte damit Perovic aus der Seele gesprochen haben.

Ex-Frankfurter Ruben Spoden akzeptiert seine Rolle
Bei den Skyliners hat Ruben Spoden zwar nie gespielt, in der Jugend war der 23-Jährige aber bei Eintracht Frankfurt aktiv. Doch auch am Sonntag droht Spoden wieder die Bank – erst in sieben Spielen kam er in dieser Saison zum Einsatz. Er akzeptiere die Reservisten-Rolle, beteuert Spoden: „Es ist ja nicht so, dass der Trainer nicht mit mir sprechen würde – auf meiner Position gibt es mit Lischka und Nash eben richtig gute Spieler.“ Perovic macht dem 2,04 Meter großen Flügelspieler Mut: „Er ist ein wichtiger Teil des Teams, und er wird auch seine Chance bekommen – ich weiß, dass diese Situation nicht einfach für ihn ist.“


21.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 21.12.2012 - 10:12 Uhr

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