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Würzburger Wirbelsturm

Basketball: Walter Tigers ohne Chance

Das erste Heimspiel des Jahres haben die Walter Tigers Tübingen in der ausverkauften Paul-Horn-Arena gründlich vermasselt: Aufsteiger Würzburg dominierte mit Tempo-Basketball vom Feinsten und siegte 82:60 (37:32).

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Hansjörg lösel

Tübingen. Die letzten Sekunden des dritten Viertels laufen, als Chester Frazier einen Lob-Pass unter den Tübinger Korb spielt, den John Little per Dunk veredelt: Mit dem 38:63 aus Tigers-Sicht hatte der Aufsteiger seine Überlegenheit endgültig demonstriert – der furiose Schlusspunkt nach einem Würzburger Wirbelsturm, der die Tübinger reichlich zerfleddert zurück ließ. Dabei hatten die Tigers einen starken Start erwischt: Igor Perovic kopierte einfach den Stil von Würzburgs Trainer John Patrick, setzte ebenfalls auf hohes Tempo und hatte anfangs auch Erfolg damit. Nach einem Dreier von Louis Campbell führte Tübingen mit 23:13, der fünfte Heimsieg in Serie schien durchaus möglich.

Würzburger Übermacht: Josh Young (Tigers) verliert gegen Oliver Clay und Alex King die Übersicht ... Würzburger Übermacht: Josh Young (Tigers) verliert gegen Oliver Clay und Alex King die Übersicht und den Ball.Bild: Ulmer

Doch der beharrliche Würzburger Guard-Terror mit intensiver Verteidigung übers ganze Feld, den Patrick schon bei seiner Zeit in Göttingen praktiziert hatte, blieb nicht ohne Folgen: Die Tigers, im ersten Viertel komplett ohne Ballverlust, leisteten sich im zweiten Abschnitt gleich sieben Turnover. Dazu kam die Stärke der Würzburger aus der Distanz: Zwar fehlte Würzburgs bester Schütze Harris verletzt, doch John Little und Ben Jacobson verwandelten die Dreier selbst unter Bedrängnis. Beim 28:29 durch Jacobsons Dreier (15. Minute) gerieten die Tigers erstmals seit der Anfangsphase wieder in Rückstand – und daran sollte sich auch nichts mehr ändern.

Beim letzten Angriff vor der Pausen-Sirene hätten die Tübinger nochmals den Anschluss schaffen können, doch die Schiedsrichter sahen bei Youngs Dreierversuch gegen drei Würzburger kein Foul und auch kein Goaltending – Tübingen durfte zum Seitenwechsel beim 32:37 immerhin noch hoffen. Aber nicht mehr lange: Auch im dritten Viertel waren die Würzburger in allen Belangen überlegen. Kraftpaket Jason Boone unterm Korb, auf dem Flügel Sprungwunder Ivan Elliot, dazu die Dreier-Lieferanten Little, Jacobson und Kramer – als Zugabe im Kollektiv gnadenlose Verteidigung übers gesamte Feld: Mit diesen Qualitäten schafften die Würzburger ihren ersten Auswärtssieg seit drei Monaten spielend.

Hinterher waren sich alle einig, dass die größeren Energie-Reserven des offenbar nimmermüden Aufsteigers den Ausschlag gegeben hatte. „Wir waren darauf vorbereitet, wie sie spielen, aber wir konnten es einfach nicht umsetzen“, sagte Tigers-Kapitän Louis Campbell, „das erste Viertel war zwar gut, aber letztlich zählt das nichts – du musst vier Viertel lang gut spielen“. Spielmacher-Kollege Josh Young, der gegen die aggressive Würzburger Defense einen schweren Stand hatte und nie zu seinem Spiel fand, war auch nach dem Duschen noch beeindruckt: „Für mich spielen die Würzburger in dieser Liga die beste Verteidigung gegen den Ball.“ Das einzig Positive an der deutlichen Heimniederlage zum Vorrunden-Abschluss sei, „dass wir Erfahrung gewonnen haben“, so Young.

Nach der Vorrunde haben die Tübinger wie im Vorjahr sechs Siege auf dem Konto – das ist in dieser Saison allerdings kein sanftes Ruhekissen. Denn anders als in den Vorjahren ist der Tabellen-Keller extrem dicht beieinander, nur Schlusslicht Göttingen scheint abgeschlagen. Dem nächsten Auswärtsspiel beim direkten Konkurrenten Gießen kommt deshalb besondere Bedeutung zu, anschließend sorgt das All-Star-Spiel für eine kurze Unterbrechung des Liga-Alltags. „Wir müssen wieder zurück schlagen“, sagte Josh Young gestern. Wie das geht, haben die Würzburger demonstriert, mit Basketball auf Speed.

Perovic: „Wir haben nur 15 Minuten lang mitgehalten.“
Tigers-Trainer Igor Perovic: Wir haben nur 15 Minuten lang mitgehalten mit diesem Tempo und der Aggressivität. Für unsere jungen Spieler war es das erste Mal, dass sie gegen so starke Leute wie Little, Frazier oder Boone spielen mussten, das war eine ganz neue Erfahrung. Wir hatten nicht nur in der Verteidigung Probleme, sondern auch im Angriff. Wir sind nun mal sehr von der Leistung der Guards abhängig, die waren heute vielleicht müde, aber der Spielplan ist für alle Teams derselbe. Ich bin mit der Vorrunde zu 70, 80 Prozent zufrieden. Wir wussten, dass es schwierig werden würde, nachdem uns Kenny Williams verlassen hatte. Wir hatten einen schwierigen Start, aber dann haben wir unser Potenzial angedeutet. Man darf nicht vergessen, dass wir noch nie so ein junges Team hier gehabt haben“.
Würzburgs Trainer John Patrick: Wir wollten heute unbedingt unseren ersten Auswärtssieg seit drei Monaten, haben besser als normal von außen geworfen und in der zweiten Hälfte, besonders im dritten Viertel exzellent verteidigt.


08.01.2012 - 22:30 Uhr | geändert: 09.01.2012 - 15:25 Uhr

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