Basketball: Der Bosnier scheint endlich angekommen
Mit vielen Vorschusslorbeeren war Neu-Tiger Adnan Hodzic empfangen worden, nach den ersten Saisonspielen galt der Bosnier schon als Fehlbesetzung. Nach zwei überzeugenden Partien jedoch ist Hodzic in Tübingen angekommen, hat auf dem Spielfeld seine Rolle und auch gewichtsmäßig seine Mitte gefunden.
Anzeige
bernhard schmidt
Tübingen. Das war das erste Missverständnis: Die Tigers hatten mit Adnan Hodzic eigentlich einen Center verpflichtet, in Tübingen landete aber letztlich ein Spieler, der im Vergleich zu seinen besten College-Zeiten 15 Kilogramm abgenommen hatte und auf der Position des großen Flügels deutlich besser aufgehoben schien. Satte 118 Kilogramm hatte Hodzic auf die Waage gebracht, als er für die Lipscomb Bisons in der amerikanischen NCAA auf Korbjagd ging.
Seine Agenten in den USA hatten ihm jedoch vor dem Wechsel über den großen Teich nahe gelegt, das Gewicht zu reduzieren. Als Hodzic, dem auch Angebote aus der ersten und zweiten spanischen Liga vorlagen, zur EM-Qualifikation mit der Nationalmannschaft von Bosnien/Herzegowina nach Europa kam, wog er gerade noch 102 Kilogramm.
Fünf Kilo hat er mittlerweile wieder zugelegt – und fühlt sich nun besser denn je. Mit seinem US-Kampfgewicht hätte Hodzic in der Basketball-Bundesliga auf Dauer Probleme bekommen. Denn im Gegensatz zum College-Liga mit einer Angriffszeit von 35 Sekunden müssen die Bundesliga-Profis ihre Angriffe schon nach 24 Sekunden abgeschlossen haben – womit hierzulande der Spieler deutlich häufiger das Spielfeld rauf und runter rennen muss.
Mit reduziertem Kampfgewicht geht Hodzic nicht mehr so schnell die Puste aus. Nicht zuletzt das Verdienst seines Trainers Igor Perovic, der seinen Schützling mittlerweile auf dem besten Weg sieht: „Adnan trainiert sehr hart und hat viel an Athletik und Ausdauer zugelegt.“ Außerdem habe er sich defensiv wie offensiv immer besser auf die Basketball-Allzweckwaffe Pick and Roll (Blocken und Abrollen) eingestellt.
Perovic hat den veränderten Bedingungen längst Rechnung getragen und setzt den 23-Jährigen sowohl als Center wie als Power-Forward ein. Und auch in diesem Wechselspiel, sagt sein Trainer, habe er viel dazu gelernt: „Unter den Körben arbeitet er jetzt besser, reagiert schneller und holt mehr Rebounds.“
„Mit den ersten Saisonspielen war ich natürlich überhaupt nicht zufrieden“, räumt Hodzic selbstkritisch ein, „vieles war für mich noch total neu.“ Dass man sich im Kampf um den knappen Raum unterm Korb in der Bundesliga im Gegensatz zum College den Gegenspieler auch mit ausgefahrenem Unterarm vom Leib halten darf beispielsweise. Besonders unangenehme Erfahrungen sammelte er da im Zweikampf mit dem 127-Kilogramm-Brocken John Briant aus Ulm.
Mittlerweile gehe er viel gelassener an die Sache ran, sagt Hodzic, der überzeugte Christ: „Das Selbstvertrauen wächst stetig, Gott weist mir den Weg.“ Die guten Spiele gegen Trier und Ludwigsburg seien nicht der Wendepunkt, sondern das Ergebnis eines Prozesses: „Es geht Schritt für Schritt: Ich habe mich in der Offensive verbessert, jetzt muss ich noch weiter an meinem Defensivverhalten arbeiten.“
Gegen Würzburg wird’s laut in der Paul-Horn-Arena
Adnan Hodzic ist voll des Lobes über die Tigers-Anhänger: „Wir haben tolle Fans, die Stimmung in Tübingen ist toll. Auch in der Zeit, als es nicht so gut lief, sind die Zuschauer hinter uns gestanden.“ Am Sonntag (17 Uhr) müssen sich die Tübinger Fans in Bestform präsentieren, denn die Würzburger werden mit einer 250-köpfigen Fangemeinde anrücken und ihre Mannschaft lautstark anfeuern. „Jeder Einzelne ist daher gefragt. Wir brauchen die Unterstützung unserer Fans wie in den vergangenen Heimspielen auch“, sagt Tigers-Manager Robert Wintermantel, der eine ausverkaufte Arena erwartet. Das Wechselspiel zwischen Zuschauer und Spielern funktioniere bestens: „Den Effekt sieht man sofort auf dem Spielfeld.“