Basketball: Bayreuth geht mit dünn besetzter Bank ins Spiel
Bei der 53:69-Niederlage gegen Bayreuth am 12. November waren die Tübinger Walter Tigers am Saisontiefpunkt angelangt. Am Samstag treffen sie auf den gleichen Gegner – und wollen Revanche gegen die personell arg gebeutelten BBC Bayreuth.
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bernhard schmidt
Ratlosigkeit herrschte unter den Tübinger Tigern Pavelas Cukinas und Louis Campbell, als sie Ende November gegen Bayreuth gewaltig unter die Räder kamen. In der Oberfrankenhalle ist am Samstag Revanche angesagt. Archivbild: Ulmer
Tübingen. Nach der 53:69-Niederlage vor 2800 enttäuschten Zuschauern in der Paul-Horn-Arena schien der Tiefpunkt erreicht. In Scharen verließen die Zuschauer lange vor dem Abpfiff die Halle. Die Tübinger Basketballer schwebten im trüben Herbst nach sieben Niederlagen und nur einem Sieg als Vorletzter in akuter Abstiegsnot. „Jeder einzelne erinnerte sich noch an das Spiel in Tübingen“, sagt Tigers-Chefcoach Igor Perovic. Die Spieler seien bereit für die Revanche: „Ich bin zufrieden mit den Trainingsleistungen.“ Optimistisch zeigt sich auch Tigers-Center Pavelas Cukinas: „Die Intensität im Training war zuletzt sehr hoch.“
Auf den ersten Blick scheint die Chance auf die Revanche und auf den dritten Auswärtssieg der Tigers am Samstag (19.30 Uhr, Oberfrankenhalle) besonders groß: Die Tübinger fahren nach dem 80:65-Triumph über Bayern München mit viel Selbstvertrauen nach Oberfranken, außerdem beklagt der Gegner viele Ausfälle. Schon ganz früh in der Saison hatte sich Spielmacher Kevin Hamilton einen komplizierten Ermüdungsbruch zugezogen und fällt bis zum Saisonende aus.
Zuletzt trat auch noch Corey Stokes wegen einer Wadenverletzung frühzeitig die Reise in die Heimat an. Und zu allem Bayreuther Unglück verletzten sich dann noch Stefan Schmidt und Simon Schmitz, die im Hinspiel in der Paul-Horn-Arena den Tübingern ganz schön zu schaffen machten, an der Schulter. Die beiden zählen nicht zur Startformation, durch ihren Ausfall haben die Bayreuther das zusätzliche Problem, nicht genug starke Deutsche aufs Feld schicken zu können.
Doch dessen nicht genug. Um die personelle Notlage zu entschärfen, hatten die Bayreuther vergangene Woche den Guard Dave Noel nachverpflichtet. Doch der 26-Jährige, der vor einem Jahr fast von den Tigers verpflichtet worden war, bestand den medizinischen Test nicht. Nachdem ihm die Ärzte einen Teilabriss der Beugemuskulatur im Oberschenkel attestierten, musste er wieder gehen. Vermutlich ist aber Brandon Hunter, der 125 Kilogramm schwere Center-Koloss gegen Tübingen wieder dabei. Der 30-jährige US-Amerikaner hatte gegen Ulm wegen eines Blutergusses aussetzten müssen, wurde aber zwischenzeitlich operiert und ist diese Woche wieder ins Training eingestiegen.
Harte Hinrunde: Die Liga geht am Stock
„Trotz der erheblichen Verletzungssorgen werden wir nicht jammern, sondern versuchen mit dem stark dezimierten Restkader eine erfolgreiche Runde zu spielen“, sagt BBC-Geschäftsführer Manfred Schöttner. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass die Bayreuther kurz vor der Partie gegen Tübingen noch einen neuen Spieler aus dem Hut zaubern.
Von der langen Verletztenliste lässt sich Tigers-Trainer Perovic aber nicht blenden. Denn den heimstarken Bayreuthern wird vielleicht die Hilfe von der Bank fehlen, die Leistungsträger wie die Aufbauspieler Danny Gipson und Osvaldo Jeanty, aber auch die Langen wie Ekene Ibekwe oder Beckham Wyrick, die schon im Hinspiel den Tigers kräftig einschenkten, werden das Niveau hoch halten. „Die Verletztenmisere macht die Bayreuther nur noch unberechenbarer“, warnt Tigers-Presssprecher Tobias Fischer, „eine Achter-Rotation kommt vermutlich immer noch zustande.“
Die gesamte Liga zahlt offensichtlich Tribut für eine harte Hinrunde: Nicht nur die Bayreuther gehen am Stock, in Braunschweig mussten die Offensivkräfte LaMarr Greer, Rich Melzer und Stephen Dennis verletzt das Feld räumen. Und auch für Göttingens Topscorer Raymond Sykes ist nach einem Knöchelbruch die Saison wohl gelaufen. Dass die Tigers in den vergangenen Jahren weitgehend vom Verletzungspech verschon blieben, sei der medizinischen Abteilung zu verdanken, sagt Fischer. Aber nicht zuletzt auch Trainer Perovic, der seine Spieler nicht unnötig belaste. „Als ehemaliger Aktiver weiß er ganz genau, wann er einen Spieler rausnehmen muss“, sagt Fischer – und klopft auf Holz.