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München

"Wir gehen hier nicht raus"

Der Protest ist auch in München angekommen. Die Studenten besetzen dort das Audimax der Ludwig-Maximilian-Universität. Ihr Ziel: Druck ausüben.

OLIVER HEIDER

Übernächtigt sieht er aus. Drei Stunden Schlaf habe er abbekommen, unbequem war es noch dazu. Tom Amir hat die Nacht im Audimax, dem größten Hörsaal der Ludwig-Maximilians Universität (LMU) verbracht - im Schlafsack, auf einer Isomatte. Gemeinsam "mit einigen Dutzend Kommilitonen" hat der 19-jährige Philosophie-Student das ehrwürdige "Auditorium Maximum" besetzt. Ihre Ziele: Eine bessere Lehre an der Uni, mehr Mitbestimmung für die Studenten, die Abschaffung der Studiengebühren und weniger Einfluss der Wirtschaft auf die Wissenschaft.

Vergangene Woche hatten Studenten die Akademie der Bildenden Künste in München aus ähnlichen Motiven besetzt. Sie mussten ihre Aktion beenden, die Akademieleitung machte nach sechs Tagen vom Hausrecht Gebrauch. Am Mittwochabend ist der - bisher friedliche - Protest dann an die LMU hinübergeschwappt. "Wir werden hier nicht rausgehen, ehe unsere Forderungen größtenteils erfüllt sind oder sie uns rauswerfen", sagt Tom Amir.

Sie, damit meint er die Uni-Leitung. Im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE erklärt die LMU-Pressesprecherin Luise Dirscherl, es gebe bislang kein Ultimatum. Die Uni plane vorerst nicht, die umstrittene Studentenaktion zu beenden. "Wir haben erste Gespräche mit den Studierenden geführt. Die Atmosphäre war freundlich und gelassen." Konkrete Forderungen gebe es bislang keine. Diese wollen die Streikenden in den nächsten Tagen erarbeiten: in acht Arbeitsgruppen, durchaus kontrovers diskutiert, mit einheitlicher Stoßrichtung. Das Plenum segnet die Beschlüsse abends in basisdemokratischer Manier ab.

Unterstützung für die Besetzer signalisiert indes die Bayern-SPD. Deren Generalsekretärin Natascha Kohnen ist im Audimax freilich auch in Eigenwerbung unterwegs: "Baut nicht auf die Hilfe der Landesregierung, baut auf uns." Vertreter der Landesregierung lassen sich an der LMU nicht blicken, der Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) verspricht schriftlich: "Wir gehen die Probleme zügig an."

So werden Tom Amir und seine Kommilitonen weiter ihre Forderungen ausarbeiten. "Die Bildungspolitik muss jedenfalls auf der Tagesordnung bleiben. Wir müssen den Druck auf die Politik weiter aufrechterhalten." So wie die Studenten in Österreich, die viel erreicht hätten.

13.11.2009 - 08:30 Uhr
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