Ute Schmitt hat den Kampf gegen den Krebs gewonnen
Diese Frau macht Mut: Obwohl Ärzte bei Ute Schmitt Brustkrebs diagnostizierten, stellte sie sich der Krankheit entschlossen entgegen. Und die Tübingerin hat allen Grund zum Aufatmen: Ihr Krebs ist besiegt.
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Birgit Vey
Ute Schmitt ist offen mit ihrem Brustkrebs umgegangen. Bild: Vey
Tübingen. „Sie hatten Krebs, aber sie haben keinen mehr.“ Diesen Ärzte-Worten wollte Ute Schmitt anfangs gar nicht glauben. Mehrfach fragte sie nach, ließ es sich bei jeder Visite in der Tübinger Frauenklinik bestätigen. Schließlich kämpfte die 60-Jährige seit einem Jahr mit der Krankheit. Damals zeigten sich nach einer Röntgenuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs, die Frauen ab 50 Jahren empfohlen wird, die ersten Anzeichen. Die folgende Gewebeuntersuchung ergab: Es ist Krebs und zwar die Gruppe drei, die aggressivste Stufe.
„Ich habe sofort gehandelt und Ärzte aufgesucht, die mir zur Tübinger Klinik rieten“, erzählt Ute Schmitt. Über die schlimme Nachricht geweint haben andere: der Ehemann und die beiden Töchter. Die beiden Frauen, die in Tübingen studierten, und mittlerweile in anderen Städten leben, „sind noch am gleichen Abend zu mir gekommen und haben sich die ganze Zeit um mich gekümmert“, sagt Ute Schmitt und man spürt, wie sehr ihr das geholfen hat.
Denn obwohl Ute Schmitt ruhig und sachlich über ihren Brustkrebs redet, weiß sie: „Allmählich kommt die Angst – und sie bleibt.“ Trotzdem sei sie offen mit der Krankheit umgegangen, spricht mit Freunden, Nachbarn und früheren Arbeitskollegen darüber. In ein Schneckenhaus verkriechen will sich die gelernte Empfangsdame nicht. Und so berichtet sie von der mit einer radiologischen Substanz gefüllten Spritze, die in die Brustwarze gespritzt und dem Stück Brust, das entfernt wurde. Nun wiegt diese linke Brust 80 Gramm weniger. Die rechte Brust wurde angepasst: 60 Gramm sind weg, damit beide Brüste gleich aussehen.
Auch die dadurch entstehenden Narben versteckt Schmitt nicht, ebenso wenig spart sie die sechs Chemotherapien aus. Die Therapien, die zur körperlichen Erschöpfung führen, dauerten ein halbes Jahr. Aber Ute Schmitt wäre nicht Ute Schmitt, wenn sie nicht auch in dieser Phase noch Aufmunterndes parat hätte. „Drei bis vier Wimpern sind mir ja geblieben“, meint sie halb scherzhaft, „außerdem fand ich den Haarausfall nie so schlimm, weil ich auch sonst sehr kurze Haare trage.“ Und: „Die Haare kommen ja wieder.“ Obwohl Ute Schmitt in der ersten Woche der Chemotherapie nichts essen und trinken konnte, hatte sie in der dritten Woche wieder ihr normales Gewicht. „Das hat mich beruhigt. So wusste ich, dass ich auf dem Gesundungsweg bin.“
Dieser Fortschritt glaubt Ute Schmitt, hat viele Gründe. Dass sie vor der Krankheit viel Sport getrieben habe, sei wichtig gewesen, versichern die Ärzte. Sie selbst denkt, dass auch die gelöste, oft heitere Stimmung unter den Patienten dazu beigetragen habe. Und ganz besonders: „Ich habe mich beim Personal und den Ärzten in guten Händen gefühlt.“
Mittlerweile macht die 60-Jährige eine Reha-Kur. Drei Mal in der Woche Sport gehören ebenso dazu wie Lymphdrainagen, um die Gifte der Chemotherapie zu entfernen, und Ernährungstipps. Nur die angebotene Selbsthilfegruppe lehnt Schmitt ab. „Da erzählt jeder von seinen Leiden. Ich will mich doch nicht schon wieder krank fühlen“, wehrt sie ab. Denn lebensfroh ist sie, aber: „Ich taste meine Brust häufig ab und prüfe, ob sich etwas ändert. Ich denke, es dauert noch Jahre, bis ich genügend Abstand habe.“ Auch deshalb geht Ute Schmitt regelmäßig zum Hausarzt, der die Blutwerte überprüft. Sein Ergebnis: „Sie sind gut.“