Das Treffen der Tübinger Underground-Bands im Epplehaus hat fast schon Tradition. Am Samstag rockten und headbangten wieder zwölf Bands und 250 Musikfans.
Tübingen. Um elf Uhr ging im Epplehaus nichts mehr: Der Weg zur Bühne war chronisch verstopft, dicht an dicht drängten sich die Underground-Jünger vom Flur in Richtung Bühne. Die Luft war stickig, es roch nach Schweiß und verschüttetem Bier. „Es ist jedes Jahr das Gleiche: Man sagt den Leuten, dass sie früh da sein müssen, und dann kommen doch wieder alle gegen elf“, sagte Jochen Braun, der das Band-Netzwerk „Tübingen Underground“ mitgegründet hat.
Zum vierten Mal feierte die alternative Szene schon den Release eines neuen Samplers des Band-Netzwerks: „Pinx not dead“ heißt die neue Scheibe, deren Songs zwischen Punkrock, Hardcore und Rock’n’Roll am Samstag bis spät in die Nacht auf ihre Bühnen-Tauglichkeit erprobt wurden. Live dabei war auch das freie Radio „Wüste Welle“, das mit einer eigens gecasteten, dreiköpfigen Jury den nicht ganz ernst gemeinten Titel des „Tübingen Underground Allstars“ verlieh. Siegen konnte in diesem Jahr die Künstlerin „Photonia“, die das Publikum mit den hohen Tönen ihrer elektronischen Noise-Pop-Musik gleichermaßen vergraulte wie faszinierte.
Daneben waren auch wieder alte Bekannte aus den Vorjahren mit am Start: „The Savants“ sorgten mit ihrem Backbeat-lastigen Skapunk für Partystimmung, während die „Cyco Sanchez Supergroup“ eher auf rauen, ungekämmten Punkrock setzten. Als Biohazard-Double konnte derweil der Frontmann der Hardcore-Band „Scuffproof“ gelten, dessen grollender Grunz-Gesang über den schnellen Gitarrenriffs allerdings etwas monoton wirkte.
Experimentell und leicht vertrackt spielten dagegen „Marzan“ auf: Durch Dissonanzen und Rhythmusbrüche gingen ihre Lieder nicht sofort ins Ohr. Anders dagegen die Songs der deutschsprachigen Punkrock-Band „Gutmensch“, die mit „Wir sind Papst“ und „Sünder“ zwei der Ohrwürmer des Abends spielten. Und auch ein Klassiker durfte in diesem Jahr nicht fehlen: Das „Erste Tübinger Nasenflötenorchester“ spielte, wie es sich für ein Underground-Orchester gehört, „Nazi Punks Fuck Off“ von den „Dead Kennedys“ und – das ist neu – „The Liberty Bell“ von „Monty Python“. Am Ende des Mini-Festivals blieben den Musikfans Ohrenpfeifen und Genickstarre.