Stroh-Schlachten, laute Karaoke, vergnügte Musiker und begeisterte Fans beim Mini-Rock-Festival in Ihlingen
Einen eher kühlen, aber glücklicherweise trockenen Sommerabend haben Tausende Besucher am Freitag beim Mini-Rock-Festival in Ihlingen verlebt. Acht Bands haben die Zuhörer ordentlich zum Rocken gebracht.
Ihlingen. Mit Franz Keßler als kommunalpolitischem Headliner ist am Freitag das Mini-Rock-Festival in Horb gestartet. Bei einem „herrlichen Rockwetter“ hat Ihlingens Ortsvorsteher die „lieben Rockfestival-Besucher“ am Neckarufer begrüßt. „Die Horber Jugendkultur hat ein neues Zuhause“, sagte Keßler und bedankte sich bei den Landwirten, dem Ihlinger Ortschaftsrat und der Stadtverwaltung für ihre Unterstützung.
Auf den Schlamm vor der Bühne hatten die Mini-Rocker mehrere Wagenladungen Stroh gelegt, so dass man sich problemlos auf den Boden setzen konnte. Manche Zuhörer machten es sich sogar liegend gemütlich, andere nutzten die Gelegenheit für eine ausgiebige Stroh-Schlacht. Wegen der Stroh-Vorarbeiten startete die Horber Band „Accused Drug“ ihre Show mit einer Viertelstunde Verspätung. „Das ist der größte Hasenstall Süddeutschlands“, rief Sänger Florian Pappler in Richtung Publikum. Unter seinem silberfarbenen Hemd blitzte der Bauch, als der Frontman zur lauten und extra-rockigen Musik von „Accused Drug“ über die Bühne hüpfte.
Mit ihrem melodiösen Rock haben „The Jerks“ aus Stuttgart das Mini-Rock-Publikum begeistert.Bilder: Kuball
Danach waren „Troelf“ an der Reihe. Die Herrenberger Band ist für die krankheitsbedingt verhinderten „Genepool“ eingesprungen und hat das Horber Publikum mit ihren pfiffigen deutschen Texten zu eingängigem Indie-Rock begeistert. Eingefleischte Troelf-Fans tanzten vor der Bühne, während sich der Gitarrist beim Lied „Willst du mit mir spazieren gehen?“ in rekordverdächtige Tonhöhen kreischte. Die vier Jungs aus Herrenberg hatten sichtlich Spaß an ihrem Auftritt – und auch einen Plan für die Zeit danach: „Wir werden heute tierisch abstürzen.“
Mit „The Jerks“ kamen dann drei Musiker auf die Bühne, die mit akzentuierten Rhythmen und klarer Instrumentierung begeisterten. Die Stuttgarter klangen mal nach balladeskem Brit-Pop, mal nach schnellem Grunge-Rock und brachten nicht zuletzt dank ihrer mitunter wilden Bühnenshow das Publikum zum Mitmachen: Pogen und Crowdsurfen waren angesagt. Beim viel zu schnellen Abschied huldigten „The Jerks“ einem ihrer musikalischen Vorbilder – zu „Perfect Day“ von Lou Reed verließen sie die Bühne und bedankten sich bei den Zuhörern und Organisatoren für einen perfekten Auftritt.
Kurzfristig (ein-)gesprungen sind „Troelf“ aus Herrenberg.
Der Altersdurchschnitt auf der Bühne stieg etwas an, als danach „Scumbucket“ aus Koblenz loslegten – und zwar so richtig loslegten: Ein voller, wummernder Rock-Klang mit so manchen musikalischen Raffinessen hallte über die Ihlinger Neckarwiesen. Nach einer längeren Pause hatte die seit 1997 bestehende Band um Frontman Kurt Ebelhäuser 2009 und 2010 jeweils ein Album veröffentlicht und ist in diesem Sommer viel unterwegs: „Scumbucket“ spielen auf fünf Festivals.
Zu kämpfen hatten mehrere Bands am Nachmittag mit einer Karaoke-Bühne des Zigarettenherstellers John Player: Sie stand zwar am anderen Ende des Festivalgeländes, war aber nicht zu überhören. Talentierte und weniger talentierte Nachwuchssänger konnten sich – mit einer gefakten Gitarre in der Hand – am Lied ihrer Wahl versuchen und wurden mit allerlei Werbegeschenken belohnt.
Während „Accused Drug“ nur wenige Zuhörer hatten, füllte sich der Platz vor der Hauptbühne im Laufe des Nachmittages: Es kamen eben erst angereiste Festivalbesucher aufs Gelände, andere krochen nach und nach verschlafen aus ihren Zelten. Mit „The Black Box Revelation“, „Caliban“, „Life of Agony“ und „The Sounds“ haben am Abend Tausende Fans gefeiert.
Unterdessen mussten die Mini-Rock-Organisatoren bekannt geben, dass der Auftritt der schwedischen Akustik-Band „Hellsongs“ am Samstag aus Krankheitsgründen ausfallen muss. Deshalb beginnt der zweite und letzte Festival-Nachmittag erst um 13.50 Uhr mit „The Haverbrook Disaster“. Als letzte betreten „Fettes Brot“ gegen 22.30 Uhr die Bühne.