Für die Trendsportart Slacklining gibt es jetzt in Tübingen den deutschlandweit ersten Trainingsplatz
Seiltanz über Schluchten: Bilder und ein Video vom "Slacklining"
TÜBINGEN. Patrick Engel hat ein außergewöhnliches Hobby. In seiner Freizeit spannt er hin und wieder ein Seil zwischen zwei Pfählen oder Bäumen und läuft darauf herum. Der Sportstudent ist aber keine Primaballerina, sondern liegt voll im Trend: Slacklining heißt die Sportart, die Konzentration, Koordination und Balance trainiert.
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Den ersten Slacklining-Park Deutschlands gibt es nun in Tübingen. Auf dem Gelände des sportwissenschaftlichen Instituts befindet er sich, acht Stämme im Boden, darunter weiches Gras. zwölf bis dreizehn „lines“– so werden die Seile genannt – lassen sich im dort gleichzeitig spannen. Eine Art Freestyle-Seiltanz kann man dann bestaunen, während Slackliner wie der Sportwissenschaftler Patrick Engel dort ihrem Hobby nachgehen.
"Slacklining": Seiltanz über Schluchten
Ihren Ursprung hat die Trendsportart Mitte der 80er Jahre in den USA. „Damals gab es aber noch keinen Namen dafür“, sagt Patrick Engel. Kletterer im Yosemite Valley in Kalifornien balancierten auf Absperrungsketten, um so ihren Gleichgewichtssinn zu trainieren. „Irgendwann fingen sie dann an, ihre eigenen Seile zu benutzen“, sagt Engel. Nach und nach habe sich aus der Übung für zwischendurch ein ernsthaftes Balancetraining entwickelt.
Um die Jahrtausendwende brachte der Extremkletterer Heinz Zak den Sport nach Europa. Bis es über die Klettererszene hinaus bekannt und beliebt wurde, verging noch einige Zeit. „Erst in den letzten paar Jahren haben mehr und mehr Nicht-Kletterer mit Slacklining angefangen“, sagt Patrick Engel.
Er selbst trainiert in Tübingen Slackline-Neulinge. Im Wintersemester beginnt im Hochschulsport der nächste Kurs für jeden, der am Slacken interessiert ist. Das Verb „Slacken“ wird nur in der deutschen Szene gebraucht. Für den Sport selbst gibt es nur die englische Bezeichnung. Übersetzt bedeutet „Slackline“ so viel wie „loses Band“.
Diese Beschreibung erklärt den Sport ziemlich genau: Ein Band von etwa 30 Millimeter Breite wird lose zwischen zwei Pfähle oder Bäume gespannt. „Dass es so locker ist, ist einer der Unterschiede zum klassischen Drahtseiltanz im Zirkus“, sagt Engel.Einfach ist es nicht, die Balance auf dem Band zu halten. Die Muskeln können mit dem lose hängendes Seil anfangs nicht umgehen und beginnen zu zittern, sobald man versucht, sich auf dem Band zu bewegen.
Daher braucht man anfangs auch meistens fremde Hilfe, jemanden, an dessen Schulter man sich festhalten kann. „Normalerweise hat man sich aber nach einer halben Stunde an das neue Gefühl gewöhnt“, sagt Patrick Engel. „Anfänger können sich dann meistens schon alleine ein bisschen auf der line hin und her bewegen.“
Eigentlich kann man den Sport überall ausüben. „Rein theoretisch kann man auch zwischen zwei Laternenpfählen eine line aufziehen“, sagt Patrick Engel. Bevor es den Slackline Park beim Sportinstitut gab, hat Engel unter anderem im Botanischen Garten seine Seile gespannt. Dann kam es auch mal vor, dass interessierte Fußgänger stehenblieben, deren Fragen der Sportler dann gerne beantwortete. „Wer will, kann das dann auch einfach mal spontan probieren“, so Engel.
Besonders kräftig oder ausdauernd muss man nicht sein, wenn man sich am Slacken versuchen will. „Das wichtigste ist nur, dass man den Kopf frei hat.“ Schweift man mit den Gedanken ab oder ist allgemein gestresst, dann ist es auch schwierig, sich auf dem Seil zu halten. „Hast du Stress, fällst du“, fasst Patrick Engel zusammen.Es gibt verschiedene Arten, eine Slackline zu spannen. Es gibt „longlines“, „highlines“, „lowlines“.
Anfänger beginnen auf der lowline, die in Absprunghöhe, etwa einen Meter über dem Boden, gespannt wird. Sie wird auch „trickline“ genannt, weil Profis auf ihr Kunststücke einüben können. Wen der Nervenkitzel reizt, der kann sich irgendwann auf einer highline versuchen. Profis spannen dabei eine Slackline über tiefe Schluchten oder zwischen Hochhäusern.
Die höchste Slackline, an die Patrick Engel sich herangewagt hat, war über eine 30 Meter tiefe Schlucht gespannt. „Das ist schon ein überwältigendes Gefühl, aber auch eine große psychische Anstrengung“, so Engel. Bewegungen, die einen Meter über dem Boden einfach sind, seien in so großer Höhe schwer zu bewältigen.
Ein Sport für jedermann
Slacken kann jeder lernen. Kraft oder Ausdauer sind längst nicht so wichtig wie innere Ruhe, die durch den Sport auch trainiert wird. Gefährlich ist es nicht. „Ich habe noch nie gehört, dass sich dabei jemand ernsthaft verletzt hat“, sagt Patrick Engel. Eine Slacklining-Ausrüstung (Bänder und Haken für die Befestigung) kostet etwa 50 Euro.