Nikolauslauf: Scherer und Kallenberg eine Klasse für sich
1868 Läufer gingen am Sonntag an den Start des Tübinger Nikolauslaufs. Bei den Männern hieß der Gewinner nach 21 Kilometern am Schönbuchrand entlang Eduard Scherer vom LAV Asics Tübingen; Mitfavorit Dieter Baumann wurde Vierter. Bei den Frauen siegte mit großem Vorsprung Friederike Kallenberg vom LAC Pliezhausen.
Anzeige
bs
In der Nacht zum Sonntag hatte es noch heftig geregnet, pünktlich zum Start des Nikolauslaufes klarte es auf. Auch der Wind, der in den vergangenen Tagen zeitweise heftig blies, war abgeflaut – fast ideale Bedingungen. Nur einige klitschige Stellen machten den Läufern zu schaffen. Zu spüren bekam das der mehrfache deutsche Senioren-Meister Werner Bauknecht. Der sah nach 13 Kilometern aus, als habe ihn im Schönbuch eine Sau gerammt.
Auf Höhe der Waldorfschule, erzählte der 55-jährige nach dem Zieldurchlauf, war er auf schmalem Pfad beim Überholen ins Schleudern geraten und mit voller Breitseite auf den Boden geknallt. Die Folge: Schürfwunden vom Knöchel bis zu den Schultern und eine schmerzendes Hüftgelenk. „Es tat zunächst ganz schön weh, außerdem war mein Rhythmus war dahin“, sagte Bauknecht, der in 1:19:56 Stunden aber immer noch Bester seiner Altersklasse M 55 war. Ansonsten verbrachten die Mediziner und Rot-Kreuz-Helfer entlang der Strecke einen stressfreien Vormittag.
Bittere Tränen vergoss Sabine Österle, eine, wenn nicht die Favoritin auf den Gesamtsieg bei den Frauen. Die Läuferin der LAV Asics Tübingen hatte sich am Samstag noch bei bester Gesundheit ihre Startnummer abgeholt, dann rebellierten Darm und Magen, an einen Start war nicht mehr zu denken. „Ich war gut vorbereitet und habe mich so aufs Rennen gefreut“, sagte die enttäuschte 26-Jährige, die sich, wie zuletzt schon häufiger geschehen, auf einen Zweikampf mit ihrer Trainingskollegin Friederike Kallenberg (LAC Pliezhausen) eingestellt hatte.
So kam Kallenberg bei ihrem zweiten Halbmarathon und ihrem ersten Nikolauslauf zu einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg in 1:23:47 Stunden. Österles Ausfall schaffte für Ute Philippi Platz auf dem Podium. Die 45-jährige LAV-Athletin, die in dieser Saison viel mit Verletzungen kämpfen musste, wurde hinter Julia Wagner (1:26:23) Dritte in 1:28:17 Stunden. „Das hat richtig Spaß gemacht. Letztes Jahr musste ich mich viel mehr schinden“, zog Philippi positive Bilanz.
Die ausgebremste Favoritin stellte sich in den Dienst der Veranstalter vom Post SV Tübingen und lief ganz am Schluss des Feldes, quasi als Besenwagen. „So habe ich das Feld mal aus einer anderen Perspektive gesehen“, so Österle. Und sie kam zu der Erkenntnis: „Die wahren Helden laufen ganz vorne und ganz hinten.“ Gelassen nahm Seriensieger Dieter Baumann seinen vierten Platz hin: „Ich bin halt ein Jahr älter und sieben Minuten langsamer.“
Er habe schlichtweg im Sommer zu wenig trainiert, gestand der 5000-Meter-Olympiasieger von Barcelona. Außerdem, so nahm’s der enttrohnte Titelverteidiger mit Humor, wollte er den Kollegen als Motivator dienen. „Ich bin vor ihnen hergelaufen, und die haben sich gesagt, diesen Fußkranken kriegen wir noch.“ Diese These bestätigte auch der Dritte Markus Ruopp (SV Ohmenhausen): „Als ich den Dieter vor mir sah, hat das nochmal Kräfte freigesetzt.“
In der abschließenden Pressekonferenz brach der diesjährige Nikolauslauf-Sieger Eduard Scherer ein Lanze fürs Laufen als Volkssport. „Wer läuft hat ein ganz anderes Lebensgefühl und fühlt sich gleich ein paar Jahre jünger“, sagte der 42-jährige Mediziner.