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Quo vadis TV Rottenburg?

Nach dem Ausstieg des Top-Sponsors ist die Zukunft gefährdet

Der aktuell größte Sponsor der Bundesliga-Volleyballer des TV Rottenburg beendet zum Ende dieser Saison sein Engagement. Nach dem Ausstieg des Kopp-Verlags wird es nun immer enger für die Erstliga-Zukunft des Vereins. Manager Jörg Papenheim schätzt die Chancen auf 50:50 (siehe auch „Anpfiff“).

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Vincent Meissner

Rottenburg. Seine Überstunden zählt Jörg Papenheim schon gar nicht mehr. Der Manager der Rottenburger Erstliga-Volleyballer ist nach dem angekündigten Ausstieg des Kopp-Verlags Ende März unter noch größerem Druck, als er es zuvor ohnehin schon war. „Vom Aufwachen bis zum ins Bett gehen, ist Volleyball das bestimmende Thema“, sagt Papenheim.

Prangt kommende Saison nicht mehr am Netz der Rottenburger Volleyballer: Der Schriftzug des ... Prangt kommende Saison nicht mehr am Netz der Rottenburger Volleyballer: Der Schriftzug des Sponsors, der in der aktuellen Saison am meisten Geld zum Rottenburger Etat beisteuerte. Archivbild: Ulmer

Seit 2007 war der Kopp-Verlag im Rottenburger Sponsoren-Pool, der derzeit 80 Unternehmen umfasst. Der Kopp-Verlag war derjenige, der am meisten zahlte. „Er ist ein sehr, sehr wichtiger Partner für uns gewesen, der sich auch sehr für Kinder und Jugendliche hier engagiert hat“, sagt Papenheim. Bundesliga-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger spricht von einem „Partner, mit dem wir supergut zusammengearbeitet haben.“ Doch über Zahlen sprechen die Rottenburger Verantwortlichen prinzipiell nicht. Auch Verlagsinhaber Jochen Kopp lässt per E-Mail wissen: „Über die Summe wurde vertraglich ein Stillschweigen vereinbart.“ Nach TAGBLATT-Informationen jedenfalls hat der Kopp-Verlag größenordnungsmäßig 30 000 Euro pro Saison gezahlt. Das entspräche in etwa 15 Prozent des geschätzten Saisonetats des Volleyball-Bundesligisten.

Ausstiegs-Motiv: Die Äußerungen Bodenmillers

Doch Rottenburgs Manager Papenheim gibt die Hoffnung nicht auf, dass der Großsponsor wieder zurückkehrt zum TVR: „Wir reden hier von einer Pause“, sagt Papenheim. „Wir hoffen, so kurz wie möglich. Das hängt auch davon ab, wie seine Geschäfte laufen.“

Das Ende seines Engagements begründet Verlagsgründer Kopp mit dem Kampf des Rottenburger BfH/Linke-Stadtrats Albrecht Bodenmillers gegen seinen Verlag und dessen Expansion: „Ursache für den Ausstieg waren die fortgesetzten diffamierenden Äußerungen des Stadtrats Bodenmiller und die regelmäßig damit einhergehende tendenziöse Berichterstattung der regionalen Medien“, schrieb Kopp per E-Mail.

Rottenburgs Trainer Müller-Angstenberger sagt, er sei „schon ein Stück weit konsterniert“ gewesen, als er vom Ausstieg des Verlags gehört habe. „Vor allem geht auch wieder was zu Ende, was wir nicht zu verantworten haben“, sagt er. „Wenn wir schlecht gespielt hätten oder nichts funktionieren würde, dann wären wir schuld. Aber das hier geschieht wegen eines meines Erachtens sehr undemokratischen Handelns und Polarisierens eines Stadtrats.“

Schon während sich der einstige Namenssponsor EnBW noch in Rottenburg engagierte, war Papenheim auf der Suche nach einem zweiten Hauptsponsor. Vergeblich. Seit dem Ausstieg des Energie-Unternehmens vor der Saison – und der damit verbundenen Reduzierung des Etats um etwa ein Drittel – intensivierte Papenheim die Sponsoren-Suche nochmals. Wieder vergeblich. Doch andere Möglichkeiten gibt es nicht mehr: „Das Einsparpotenzial bei der Mannschaft und den Trainern ist ausgereizt“, sagt TVR-Geschäftsführer Norbert Vollmer. „An der Schraube kann man nicht mehr drehen.“

Nach dem Ausstieg des bislang größten Geldgebers wird die Lage bedrohlich: Auf „50:50“ schätzt Manager Papenheim die Chancen, dass es auch kommende Saison noch Erstliga-Volleyball mit dem TV Rottenburg gibt. „Wir sind händeringend auf der Suche nach neuen Sponsoren und da muss uns was gelingen zum 1. April hin.“ An diesem Datum müssen die Lizenz-Unterlagen für die kommende Saison bei der Liga eingereicht werden.

Doch es bleibt ein beschwerliches Unterfangen für Papenheim: „Das kann entweder damit zusammenhängen, dass ich eine Flasche bin oder dass es eben verdammt schwierig ist, für Volleyball in unserer Region Geld aufzutreiben“, sagt er. Momentan verhandeln die Rottenburger: „Wir sind in Gesprächen mit zwei größeren Firmen“, sagt Papenheim. Zudem gab es ein Treffen mit einem größeren Kreis von Unternehmen.

Beschäftigte Spieler bleiben beim Verlag

Das Management informierte die Rottenburger Spieler jüngst über den Ausstieg. Inwiefern die schwierige finanzielle Lage ein Thema innerhalb der Mannschaft ist und diese in der Vorbereitung auf die kommende Woche beginnenden Pre-Playoffspiele beeinflusst, sagt Rottenburgs Kapitän René Bahlburg: „Gar nicht. Das ist ja nicht unsere Aufgabe. Wir sind fürs Sportliche da und das andere macht das Management.“

Die Planung für die kommende Saison ist für Bahlburg derzeit ebenfalls noch kein Thema. „Da haben wir noch genug Zeit. Die anderen Vereine müssen ja auch noch schauen, wie sie die Saison in den Playoffs abschließen“, sagt Bahlburg. „Das geht erst nach Ende der Saison los.“ Bahlburg hat jedenfalls noch keine Anfragen bekommen.

Rottenburgs Routinier Tibor Filo arbeitet beim Kopp-Verlag als Lagerist. Seine Arbeitsstelle ist jedoch nicht gefährdet: „Das betrifft mich nicht“, sagt Filo. Allerdings ist sowieso unklar, ob Filo im Sommer nicht mit der slowakischen Nationalmannschaft unterwegs ist. „Aber ich bleibe hier bei meiner Freundin und ich bleibe beim Kopp-Verlag.“ Das bestätigt auch Jochen Kopp: „Auf die Arbeitsverhältnisse der Spieler, die bei uns beschäftigt sind, hat der Ausstieg in keiner Weise einen Einfluss.“

Vorverkauf für die Pre-Playoffs läuft schleppend
Während am Samstag Haching und Moers um den deutschen Pokal schmettern, ist der TV Rottenburg bereits auf das erste Pre-Playoffspiel kommenden Mittwoch (20 Uhr) in Tübingen fokussiert. Dann geht es gegen die Netzhoppers KW-Bestensee um einen der letzten beiden Plätze für die Endrunde um den Titel. „Wir sind gut drauf“, sagt Rottenburgs Routinier Tibor Filo. Aktuell steht unter anderem intensives Video-Studium des Gegners auf dem Programm. Mit dem bisherigen Ticket-Vorverkauf ist Rottenburgs Manager Jörg Papenheim allerdings unzufrieden: „Das läuft leider noch sehr übersichtlich. Die Brisanz ist wohl noch nicht angekommen bei den Leuten.“


03.03.2013 - 08:30 Uhr | geändert: 18.04.2013 - 14:26 Uhr

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