Mit ihrer Bürgermeisterwahl am kommenden Sonntag eröffnet die Gemeinde Neustetten das Wahljährchen im Landkreis Tübingen. Eine Woche später ist Starzach dran, im April folgt Gomaringen. Das war’s dann schon für 2012 mit dem Wählengehen – wenn nicht noch anderswo überraschend ein Bürgermeister zurücktritt, eine Koalition platzt oder ein Volksentscheid blüht. Für Außenstehende ist der Neustetter Auftakt am Sonntag denkbar langweilig.
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michael hahn
Denn das Ergebnis steht schon vorher fest: Amtsinhaber Gunter Schmid wird wieder gewählt werden. Der 42-jährige Bürgermeister ist der einzige Kandidat auf den Wahlzetteln – anders als etwa in Starzach, wo Amtsinhaber Thomas Noé einer ernst zu nehmenden Opposition gegenüber steht.
Schmid dagegen regiert seit acht Jahren unangefochten im Neustetter Rathaus. Er hat seine Verwaltung und seinen Gemeinderat voll hinter sich. 2004 war er sozusagen als Kronprinz des langjährigen Bürgermeisters Rudi Maier angetreten. Er setzte dessen extrem sparsame Amtsführung fort. Denn Neustetten ist arm (wenig Gewerbe) – und trotzdem schuldenfrei (sogar mit fetten Rücklagen).
Gleichzeitig ist Schmid längst aus dem Schatten seines legendären Vorgängers getreten. Die Gemeinde investiert nun auch kräftig in weiche Standortfaktoren wie die Kinderbetreuung. Hier bietet das kleine Neustetten mittlerweile ein städtisches Niveau an. Und nach jahrzehntelanger Zersiedelung (davon zeugen die vielen Baulücken) steuert die Gemeinde neuerdings ihre Baulandpolitik.
Als Dorf-Schultes kümmert sich Schmid immer auch um die Details. „Ich will nicht repräsentieren, sondern arbeiten“, sagt er. „Ich will wissen, was läuft.“
Tatsächlich stellt er sich selbst selten in den Vordergrund. Wie hemdsärmelig er mit anpackt, konnte man vor wenigen Monaten beim grandiosen 900-Jahre-Jubiläum der drei Stäble-Dörfer sehen. Spätestens da lieferte der Bürgermeister sein Meisterstück. Schmid sorgte dafür, dass viele Rädchen reibungslos ineinander griffen. Dabei konnte er sich auf mehrere hundert freiwillige Helfer stützen – ein Zeichen dafür, wie gut das bürgerschaftliche Klima in den drei Dörfern ist.
So steht Neustetten heute derart gut da, und Schmid ist derart unumstritten, dass nicht einmal einer der berüchtigten Dauerkandidaten den Amtsinhaber herausfordern wollte. Daher bleibt am Sonntag die Höhe der Wahlbeteiligung die einzig brauchbare Messlatte.
Drei Vergleichszahlen aus dem vergangenen Jahr bieten sich an: Die stolzen 45 Prozent Wahlbeteiligung, die der Neuling Egon Betz im Januar bei der Bürgermeisterwahl in Nehren erreichte, die 34 Prozent, auf die im Mai dessen Dusslinger Kollege Thomas Hölsch kam, und die 27 Prozent des Gäufeldener Bürgermeisters Johannes Buchter im November (alle drei hatten allenfalls symbolische Gegenkandidaten). Wenn Gunter Schmid am Sonntag die Betzsche Marke noch überspringen würde, dann wäre sogar im chronisch sparsamen Stäble ein Fässle örtlich gebrautes Freibier fällig.