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100 Euro verlangt

Klage-Androhung eines Anwalts war gefälscht

Das Büro „Urmann und Collegen“ aus Regensburg ist in der Anwaltsszene bekannt für Abmahnungen aus dem Bereich illegale Up- und Downloads. Jetzt hat ein bislang Unbekannter im Namen von Anwalt Thomas Urmann gefälschte Abmahnschreiben verschickt.

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Da kann man sich nur aufregen:  Web-Abzocke  ist nicht zu stoppen, neue Tricks holen Usern das Geld ... Da kann man sich nur aufregen: Web-Abzocke ist nicht zu stoppen, neue Tricks holen Usern das Geld aus der Tasche. Bild: Fotolia

An einem Freitagabend erhielt ein Kreis-Tübinger gleich zwei Emails von einer gewissen „Kanzlei Knil und Partner“. Die „KUW Rechtsanwälte Thomas Urmann und Christopher Lihl“ drohten dem jungen Mann mit einer „Klage wegen Urheberrechtsverletzung“. Für den Anschluss des Nutzers seien „mehrere Downloads von pornografischen Videomaterials und musikalischen Werken dokumentiert worden“, heißt es.

„Starker Tobak“, dachte sich der User. War er sich doch keiner Schuld bewusst. Weder hatte er sich Pornos aus dem Web heruntergeladen noch illegal Musik aus dem Netz gezogen. Der Mann war verwirrt. Doch nur kurze Zeit. Denn was die Anwälte ihm anboten, roch doch stark nach Abzocke.

Angeblich sei am Sitz der Firma „Videorama“ in Essen Anzeige gegen ihn erstattet worden, so die Email weiter. Um weitere Ermittlungen sowie Hausdurchsuchungen oder Gerichtsterminen aus dem Weg zu gehen, „gestattete“ das Anwaltsbüro dem Manne, den Schadensersatzanspruch „vollständig anonym zu bezahlen“.

Der Kreis-Tübinger sollte sich noch am Wochenende bei einer Tankstelle oder am Kiosk eine „Paysafecard“ für 100 Euro besorgen und die 16-stellige PIN bis zum Montag an das Büro übermitteln. Sollte der User nicht zahlen, werde ein „Ermittlungsverfahren mit allen Konsequenzen“ eingeleitet. Dem Web-Nutzer war jetzt vollends klar, dass da Web-Gangster am Werk sind. Die schickten ihm die Klageandrohung per Email vor dem Wochenende, um ihn unter Zeitdruck zu setzen.

Ein Blick ins weltweite Netz lenkte ihn auf die Webseite www.ratgeberrecht.eu. Die dortigen Anwälte wussten bereits von den fingierten Abmahn-Emails und warnten die User. Die Rechtsanwaltskanzlei habe sich bereits zum 1. Juli 2008 in eigenständige Kanzleien aufgeteilt. Außerdem beinhalte das Schreiben zahlreiche inhaltliche Fehler und juristischen Nonsens.

Beim Regensburger Anwalt Thomas Urmann, Nachfolger von „KUW Rechtsanwälte“ und in der Branche als Abmahner bekannt, gingen in den vergangenen Wochen massenweise Anrufe von aufgebrachten Nutzern ein. Er hat inzwischen einen Hinweis auf seiner Homepage: Die gefälschten Email-Schreiben seien in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Belgien und in den Niederlanden aufgetaucht und stammten nicht von ihm. Die Polizei sei verständigt. Wer derartige Emails erhalte, solle sich an die nächste Polizeidienststelle wenden. Manfred Hantke

17.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 27.04.2010 - 15:59 Uhr
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