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Kommentar

Kirche fern von den Menschen

Die von vielen Gläubigen herbeigesehnte Debatte um den Weggang von Achille Mutombo, dem langjährigen Pliezhäuser Pfarrer mit kongolesischen Wurzeln, brachte Licht und Schatten zutage. Erstmals äußerten Gemeindemitglieder öffentlich Kritik an dessen Umgang mit Gremien und Ehrenamtlichen (siehe nebenstehenden Artikel). Die Evangelische Brunhilde Schad, zehn Jahre war sie Bezirksbürgermeisterin in Mittelstadt, hielt dagegen: „Sie haben in jedem Gremium einen, der gegen Sie arbeitet – nicht offen und ehrlich, sondern hintenrum“. Das war gegen Ursula Schäfer gerichtet.

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Wie diese zugab, war sie mit weiteren Mutombo-Kritiker/innen seinerzeit in Rottenburg – angeblich nur, um fehlendes pastorales Personal für die Seelsorgeeinheit anzumahnen, wie sie anschließend klarstellte.

Die Gräben in der Gemeinde sind tief, wie die Versammlung am Dienstag zeigte. Hintergrund ist die schlichte Personalnot der Diözese. Weil es an Pfarrern fehlt, ist sie gezwungen, mehrere Pfarreien zu größeren Seelsorgeeinheiten zusammenzulegen. Wenn an einem der Orte ein Pfarrer lange Jahre gewirkt hat, tut er sich schwer, in dem erweiterten Zuständigkeitsbereich Fuß zu fassen – mit diesem Argument hat Paul Hildebrand von der Diözese sicher nicht unrecht.

Sprecher der Orschel-Hagener Kirchengemeinde St. Andreas wünschten sich einen Neuanfang mit den Pliezhäuser Amtskollegen. Dazu brauche es einen neuen Pfarrer, fand auch der dortige Kirchengemeinderat Christian Gröbe – seines Zeichens beruflich Konfliktschlichter. „Der Kirchengemeinderat darf nicht in Fraktionen zerfallen. Er muss handlungsfähig bleiben“, forderte Dekan Robert Widmann, der die Gemeinden seither als Administrator mitbetreut.

Freilich bleibt ein Geschmäckle. Der frühere Orschel-Hagener Pfarrer Richard Kappler wirkte dort mehr als 40 Jahre lang, während Mutombo nach 18 Jahren zum Weggang gedrängt wurde. Und nach dem Wirbel traue sich wohl so schnell niemand, sich als Pfarrer in Pliezhausen und Orschel-Hagen zu bewerben, befürchteten viele Zuhörer eine längere Vakanz. Immerhin gibt es jetzt einen Diakon und eine Gemeindereferentin für die Übergangszeit, die je eine Hundert-Prozent-Stelle bekommen haben, verkündete Hildebrand.

Er entschuldigte Bischof Gebhard Fürst, von dem sich viele Gläubigen eine persönliche Reaktion im Pliezhäuser Pfarrerstreit gewünscht hatten. Der Bischof delegiere eben – Hildebrand verglich die Diözese mit einer Regierung, er sei so etwas wie der zuständige Minister. Doch damit waren viele Zuhörer so wenig zufrieden wie mit seinen Äußerungen zum halb erzwungenen, halb freiwilligen Rückzug Mutombos. Auch, dass dieser nicht selbst seinen Standpunkt darlegte (darlegen durfte?), stieß einigen sauer auf.

Dass es in der Amtsführung von Mutombo Licht und Schatten gab, ist normal – jede/r hat Stärken und Schwächen. Bei Mutombo liegen die Stärken ganz offensichtlich in der Seelsorge, wie viele Anwesende bekundeten. Die neue Seelsorgeeinheit lag ihm dagegen offenbar weniger am Herzen – so sah sich die Diözese wohl gezwungen, die Notbremse zu ziehen.

Ihren Sprechern ist es indes nicht gelungen, die Sachzwänge zu vermitteln, die sie antrieben. Die Diözese hat sich mit ihrem langen Schweigen und ihrer basisfernen Personalpolitik einen Bärendienst erwiesen. Kritik wurde laut „an der Art und Weise, wie man mit den Leuten umgeht“, so Rätin Monika Koch. Es bleibt tiefe Enttäuschung – bei einem Teil der Gläubigen. „Die Kirche interessiert mich nicht mehr“, äußerte ein älterer Zuhörer am Ende. Eine schmerzliche Botschaft in Zeiten, in denen den großen Kirchen ohnehin die Basis in den Gemeinden wegzubrechen droht. Matthias Reichert

18.10.2012 - 08:30 Uhr

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