Die Band Schlagerfeuer will beim Grand Prix der Volksmusik vorne dabei sein
Im Norden schon kultig
Im Norden sind sie Kult, in hiesigen Gefilden weitgehend unbekannt. Doch das dürfte sich ändern, wenn die Band Schlagerfeuer am Vatertag im ZDF beim Grand Prix der Volksmusik auftritt. Frontmann Klaus Jakob aus Rübgarten hofft auf Unterstützung, auch aus der Heimat.
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Thea Koss
Zeichen setzen und die Menschen in bisschen wachrütteln: Die Band Schlagerfeuer setzt dabei auf das jüngere Publikum. Privatbild
Rübgarten. Klaus Jakob ist, wie die Band-Mitglieder Rüdiger Gerndt, Zoran Stipic und Enrico Falcone auch, zwar auf sein Äußeres bedacht. Damit hat es sich aber auch schon mit dem Klischee vom Schlagersänger. Der Gründer und Sänger des Quartetts macht schnell klar, dass Schlagerfeuer Botschaften vermitteln will, die mit Herz-Schmerz-Geträller wenig zu tun haben – auch musikalisch.
Thematisch ist das eine Neuausrichtung, zumindest eine Erweiterung, denn bekannt wurde die Band vor allem durch den Song „Russische Puppen“. So heißt auch das letztes Jahr im Juli von EMI produzierte erste Album. Bis dahin war der Weg allerdings lang. Die Musiker spielten in unterschiedlichen Bands. 2003 tat sich Klaus mit Zoran (Geige, Gitarre) zusammen, 2005 folgte Gitarrist und Bassist Rüdiger, 2007 stieß Keyboarder Rico hinzu. Anfangs wurde noch gecovert, dann machten die Musiker eine Russland-Reise.
Rüdiger und Klaus beobachteten einen Vater, der seinen Kindern eine kleine Matroschka-Puppe zum Spielen gab – und die Idee für „Russische Puppen“ war geboren. Es war nicht der erste Songtitel, den Klaus Jakob textete. An die 300, sagt er im Gespräch mit dem TAGBLATT habe er in der Schublade – Texte, die keiner haben wollte. „Dann mach ich‘s eben selber“, beschloss er. Der „Kult-Hit aus dem Norden“, wie „Russische Puppen“ im Radiosender NDR 1 angekündigt wird, entstand im Biergarten des Rübgartener Sportheims. In den Tonstudios von Rüdiger und Rico wurden weitere Reiseeindrücke vertont.
Die Sender, sagt Klaus, habe er mit Demos regelrecht „zugeballert“, bis er sich eines Tages zufällig selbst im Radio hörte: „Ein tolles Gefühl!“ Und dann ging‘s los: Hunderte von E-mails erreichten die Band, der Plattenvertrag kam und NDR 1-Chef Lutz Ackermann lud Schlagerfeuer zur Tournee „Traummelodien der Volksmusik“ ein. Fünf Wochen lang tourten sie im März und April zusammen mit Bata Illic und dem Schäfer Heinrich überwiegend durch Mittel- und Norddeutschland.
Einfach etwas anderes
auf den Markt bringen
2003 hatte Klaus seiner Frau Petra eröffnet: „In einigen Jahren bin ich im Fernsehen!“ Petra, lacht er, bedachte diese Äußerung mit einer wenig charmanten Geste. Heute häufen sich die Auftritte: „So langsam kommt es in Fahrt.“ Große Hoffnungen setzt die Band nun auf ihre Teilnahme am Grand Prix, denn unter rund 2000 Bewerbern wurden nur 15 ausgewählt. Die Komposition von Schlagerfeuer ist mit dabei. Mit Russland hat der Song aber nichts mehr zu tun. „Wir wollten uns abnabeln, sonst denkt das Publikum noch, wir seien Russen“, erklärt Klaus. Doch das ist nicht alles: Der Titel „Unsere Erde“ ist für die Macher auch Programm. Rico ist Veganer, Klaus hat es ihm seit einiger Zeit nachgetan. Erdverschmutzung, Massentierhaltung, Naturkatastrophen – das sind Themen, die die Band bewegen. „Unsere Erde“ sei der Versuch, „kleine Zeichen in Liedform zu setzen. Ein Ansatz, die Menschen ein bisschen wachzurütteln“, erklärt der Sänger.
Natürlich, sagt er, müsse man die Texte dezent halten, dürfe nicht holzhackerbuammäßig Propaganda treiben. Mit ihrem Engagement wollen sie aber ein jüngeres Publikum ansprechen, den Schlager wieder interessant machen, auch mit neuen Klangfarben – „einfach etwas anderes bringen, als der deutsche Markt bisher hergibt.“ Die Chance dazu eröffnet sich am morgigen Donnerstag. Unter die ersten vier möchte Schlagerfeuer es beim deutschen Vorentscheid schaffen. Dann könnten sie im großen Finale am 29. August gegen die Gewinner aus Österreich, der Schweiz und Südtirol antreten. Die Wahl liegt bei den Zuschauern, die für ihre Lieblinge anrufen können.