26.02.2013 Drucken Empfehlen
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Nur noch Ratten an Bord

Geisterschiff: Alter Urlaubsliner treibt im Atlantik - Umweltschützer warnen

Was wird aus der "Lyubow Orlowa"? Das ehemalige Kreuzfahrtschiff sollte verschrottet werden. Doch jetzt treibt es schon seit Wochen ohne Besatzung im Atlantik, 2400 Kilometer vor der irischen Westküste.

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SANDRA FERRER, AFP AFP

Brest - Nur mit Ratten als Passagieren an Bord treibt die "Lyubow Orlowa", ein schrottreifes russisches Kreuzfahrtschiff, seit einem Monat im Nordatlantik. Kein Staat fühlt sich für den Kahn verantwortlich. Ohne Kapitän, Mannschaft und Warnlichter nähert sich der einstige Luxusliner Europa. Nun schlägt die französische Umweltschutzorganisation "Robin des Bois" Alarm: Das Schiff sei eine "akute Gefahr". Im Falle einer Kollision oder eines Zerbrechens des Wracks würden große Mengen an Treibstoff, giftigen Chemikalien, Asbest und anderen Giftstoffen ins Meer gelangen.

Artikelbild: Geisterschiff: Alter Urlaubsliner treibt im Atlantik - Umweltschützer warnen Das ehemalige Kreuzfahrtschiff "Lyubow Orlowa" treibt seit Wochen ohne Crew und voller Ratten im Atlantik herum. Kein Staat fühlt sich zuständig dafür. Foto: dpa

Eigentlich sollte die 1976 gebaute "Lyubow Orlowa" in der Dominikanischen Republik in der Karibik von ihrem Eigentümer, einer Schrotthandelsfirma, in ihre Einzelteile zerlegt werden. Dahin sollte sie von einem Schlepper gebracht werden. Doch schon einen Tag nach der Abfahrt von der kanadischen Insel Neufundland am 23. Januar riss das Abschleppkabel. Der Schlepper, der offenbar auch nicht gerade im besten Zustand war, wurde daraufhin von den kanadischen Behörden für eine Inspektion zurückbeordert. Und das Schrottschiff? Es wurde einfach seinem Schicksal überlassen.

Lange wussten die Behörden nicht einmal, wo sich das Geisterschiff befindet, weil es an Bord auch kein Ortungsgerät gibt. Nach US-Angaben soll es sich derzeit rund 2400 Kilometer westlich von Irland befinden. Klar ist jedenfalls, dass das rund 100 Meter lange und 4251 Bruttoregistertonnen verdrängende Schiff in internationalen Gewässern treibt - und sich somit kein Staat dafür verantwortlich fühlt.

Das Schiff habe auch keine Warnlichter, sagt Jacky Bonnemain, Sprecher von Robin des Bois. Es treibe in internationalen Gewässern, in einem gesetzlosen Raum. Für Schiffe mit Passagieren gebe es ein internationales Abkommen zur Rettung von Menschen auf offener See, erläutert er. Doch keine Übereinkunft schreibe vor, wer für ein leeres Schiff zuständig sei. Das sei umso alarmierender, als der Geisterpott bald in eine Gegend mit hohem Verkehrsaufkommen treiben könne, warnt der Umweltschützer. Er fordert eine internationale Aktion zur Bergung der "Lyubow Orlowa".

Das Schiff müsse von jenen geborgen werden, die für sein Umhertreiben verantwortlich seien, meint Michel Quimbert, ein auf Seerecht spezialisierter Anwalt. Allerdings könne niemand die Gesellschaft, der der Schlepper gehört, zu einer Intervention zwingen. Ein Eingreifen sei allerdings in ihrem Interesse, weil sie im Falle eines Unfalls strafrechtlich verfolgt würde.

In internationalen Gewässern gebe es keine Autorität, die die Gefahr beenden könnte, bestätigt Sébastien Lootgieter, Mitglied der französischen Gesellschaft für Seerecht. Zuständig sei der Staat, unter dessen Flagge ein Schiff fährt. Die "Lyubow Orlowa" fuhr zuletzt unter der Flagge der Cook-Inseln.

Falls das ehemalige Kreuzfahrtschiff nicht durch einen Unfall gestoppt wird, dürfte es also weiter unkontrolliert vor sich hin treiben - zumindest, bis es in die Hoheitsgewässer eines Staates gelangt. Dieser könnte dann auf der Grundlage der UN-Seerechtsübereinkommen intervenieren. Aber wo wird das Geisterschiff landen? Das lässt sich laut Experten nur schwer voraussagen.

Das Schiff sei leer und liege daher nicht sehr tief im Wasser, sagt Christophe Maisondieu vom französischen Schifffahrtsforschungsinstitut Ifremer. Es sei somit Winden und Wellen mehr ausgesetzt als Strömungen. Er gehe aber davon aus, dass die "Lyubow Orlowa" am ehesten in Richtung Irland drifte. Wann sie vor der irischen Küste auftauche, sei nicht vorherzusagen.

Einem für die Sicherheit auf See zuständigen französischen Beamten zufolge gab es bisher keine Warnungen an Schiffe, denen die "Lyubow Orlowa" in die Quere kommen könnte. Denn es sei schwer zu sagen, wo genau das Wrack zur Zeit herumgeistere.

Das Schiff war vor einem Jahr von einer iranisch-karibischen Gesellschaft zum Schrottpreis von 275 000 US-Dollar (207 000 Euro) gekauft worden. Der kanadische Sender CBC zitierte den Eigner mit den Worten: "Ich versuche mein Bestes." Das war am 13. Februar.

26.02.2013 - 07:30 Uhr | geändert: 26.02.2013 - 07:55 Uhr

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