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Die Band „Blueskraft“ hat längst ihren Groove gefunden und feiert nächstes Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum

Es geht um die Musik, nicht um den Ruhm

REUTLINGEN. Seit 1980 ist „Blueskraft“ nicht nur in der Region Reutlingen/Tübingen ein Begriff. Die vier Musiker von der Achalm haben sich mit ihrem Blues in die Spitze der deutschen Bluesszene gespielt. Mit Eric Burdon, Louisiana Red und Joanna Connor standen sie gemeinsam auf der Bühne. Nächstes Jahr feiern Werner Schulz (drums), Wolfgang Theurer (bass, vocals), Jimmi Braun (git, harp, vocals) und Andreas Fischer (piano) ihr 25-jähriges Jubiläum.

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Hier "Restless Hobo" von Blueskraft
Seit 24 Jahren spielt ihr Blues. Wie hält man das so lange aus?
JIMMI: N’en guten Blues kannst du nur spielen, wenn du n’en guten Blues hast. Das macht den guten Musiker aus. Das muss ’rauskommen aus dir. Wenn du auf der Bühne spielst, kommt das von ganz alleine. Unsere Shows sind ja immer ein Stück anders, immer wieder improvisiert. Das ist das Schöne, deshalb bleibst du auch dabei.
WOLFGANG: Blues ist zwar vom musiktheoretischen Anspruch her einfach, aber sehr meditativ und erfüllend, weil’s auf dem Prinzip „weniger ist mehr“ basiert. Ich habe schon viele Musikrichtungen gemacht und habe dann über das lange Bluesspielen festgestellt, wie sich das vom Kopf mehr und mehr in den Körper verlagert. Es ist einfach weniger kopflastiger und viel emotionaler.
Wie kriegt ihr die häufigen Konzerte eigentlich mit eurem Privatleben auf die Reihe?
WERNER: Es ist schon eine Gratwanderung. Wir haben etwa 30 bis 35 Auftritte im Jahr. Letztens waren wir in Köln, dann in Koblenz. Einmal sind wir zweieinhalb Wochen lang getourt, das war in unserem Urlaub. Es darf halt nicht zuviel werden, sonst leidet die Familie drunter. Aber ich merke zum Beispiel, wenn ich von einem Konzert zurückkomme und gut drauf bin, dann kommt es auch der gesamten Familie zugute.
JIMMI: Ja, es ist ein Ausgleich. Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir Partner haben, die das mitmachen. Ich habe vor 25 Jahren angefangen, Musik zu machen. Dann habe ich den Damen immer gesagt: „Stellt mich nie vor die Frage, Musik zu machen oder die Familie. Denn dann würde ich sagen: Ich mach’ die Musik weiter.“
Wie war das am Beginn eurer Musikerkarriere? Stellt man sich da vor, einmal „ganz groß herauszukommen“?
WOLFGANG: ich wollt nie groß herauskommen, das war immer so’n Hobby und eher ein soziales Ereignis, zusammen Musik zu machen. Wichtiges tragendes Element ist ja, dass man füreinander in der Band Musik macht. Dann funktioniert es.
ANDREAS: Also ich hab den Traum mit 14, 15 schon gehabt. Das verändert sich dann aber. Dann geht es darum, Musik zu machen und das zu leben. Mit Mitte/Ende 20, wenn du zehn, 15 Jahre Musik gemacht hast, verändert sich der Wert. Vielleicht auch dadurch, dass man es nicht ganz geschafft hat, es kann damit einhergehen. Aber ich bin froh drum, dass es mir um die Musik geht und nicht um den Ruhm. Wir haben auch in Klitschen gespielt, wo nicht viel Leute waren. Aber wir haben einfach gut miteinander Musik gemacht. Das gibt dann brutal viel, selbst, wenn man nur vor zehn Leuten spielt.
JIMMI: Und da ist auch die Anerkennung von den Leuten, selbst, wenn es nur wenige sind. Die geben dir was zurück, das ist eigentlich wichtiger als alles andere. Mit dem Blues ist es sowieso schwierig, er ist immer eine Nische. Das ist nie eine Musik, mit der du Geld verdienen kannst oder nach oben kommen kannst. Wenn du deinen Anspruch zurückdrehst und vom Kopf her weg bist und eigentlich nur noch wegen deines Gefühls das Ding machst, dann läuft das von allein. Wir haben ja mittlerweile eine gute Reputation, das macht uns ja auch zufrieden. Wir haben viele Profimusiker kennen gelernt, die spielen in den gleichen Clubs, machen die gleiche Musik und müssen davon leben. Aber die leben schlechter als wir. Und die spielen oftmals mit n’em unzufriedenen Gesicht auf der Bühne.
Gab es in den 24 Jahren mal Auflösungsgedanken?
WERNER: Eigentlich nicht. Eine Sollbruchstelle war damals der Gitarrist, der stilprägend für die Band war. Er hat aufgehört. Wir aber haben gesagt, es wird weitergemacht. Und es blieb dabei.
Nächstes Jahr habt ihr Jubiläum. Was habt ihr vor?
WERNER: Vielleicht machen wir eine kleine Jubiläumstour. Wir wollen die ganz alten Clubs ausgraben, wo wir vor 24 Jahren gespielt haben. Das sind Clubs, in denen nur noch ganz selten Bluesmusik gespielt wird. Denn in den Jugendzentren kannst du denen keinen Blues mehr verkaufen. Vielleicht fahren wir nach Wendlingen oder nach Mehrstetten auf die Alb, wo wir unser erstes Konzert hatten. Und in Reutlingen wollen wir beim Echazfestival einen speziellen Abend machen: 25 Jahre Blueskraft. Da wollen wir mit möglichst vielen Musikern, mit denen wir was gemacht haben, auf die Bühne kommen.
Gibt es eine neue CD?
WERNER: Da überlegen wir noch. Ich hab’ mal so alte Bänder durchgehört und festgestellt, dass da gutes Material drauf ist. Hat zwar nicht diese CD-Reife, wäre aber für viele hinnehmbar. Vom Groove und von der Spielfreude her sind da tolle Sachen drauf. Muss man aber finanziert kriegen.
Was hören eure Kinder eigentlich?
WERNER: Meine beiden Mädels sind die größten Fans. Sie sagen immer, meine Lieblingsband ist Blueskraft. Sie sind 6 und 8 Jahre alt.
Ihr als „alte Hasen“ habt bestimmt einen Rat für junge Bands ...
JIMMI: ... Ach, die Alten mit ihren Ratschlägen... Da spielen so viele verschiedene Faktoren eine Rolle...
WERNER: ... Aufs Gefühl verlassen. Das machen, wo man sein Herzblut wiederfindet und nicht irgendwelcher Mode hinterher rennen.
JIMMI: Man muss versuchen, seinen eigenen Drive zu finden, seinen eigenen Stil, nicht ständig nacheifern. Mehr Power in den eigenen Ton legen. Einfach einen fantastischen Groove finden. Das merken die Leute, und das springt auf sie über. Es gibt kein Rezept dafür.
Die Fragen stellte Manfred Hantke
Zur Web-Site von Blueskraft

26.12.2004 - 14:59 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 20:08 Uhr

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