Premiere für die Löschgruppe der Kliniken Berg: Bei der Feuerwehr-Übung im Crona, dem Hauptgebäude der Tübinger Universitätskliniken, hatte die Gruppe am Montag ihren ersten Einsatz.
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Michael Sturm
Tübingen. Was passiert, wenn der Ernstfall eintritt? In einer Klinik müssen die Patienten in Sicherheit gebracht werden, am besten noch ehe die Feuerwehr eintrifft. Im Crona-Klinikum wurde am Montag die Zusammenarbeit von vier verschiedenen Gruppen geübt: Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz, die Löschgruppe der Kliniken Berg sowie die Polizei mussten so miteinander kooperieren, dass ein möglichst reibungsloser Ablauf vonstatten ging.
Für die Übung wurde eine bauliche Besonderheit des Gebäudes genutzt: Im Crona-Klinikum befinden sich 80 Zentimeter hohe Zwischenräume zwischen den Etagen. In diesen wurde ein Schwelbrand simuliert, der von einer Station auf die nächste übergriff. Der Löschgruppe Kliniken Berg kam dabei die besondere Aufgabe zu, erste Maßnahmen einzuleiten.
Die Gruppe wurde im vergangenen Oktober gegründet und setzt sich aus Mitarbeitern der Tübinger Universitätskliniken zusammen. Ihre Mitglieder kommen aus verschiedenen Berufsgruppen. „Eine hauptamtliche Kraft ist rund um die Uhr da. Alle anderen sind ab morgens um sieben Uhr bis um 18 Uhr abends in Bereitschaft“, erklärte Markus Appenzeller, der Brandschutzbeauftragte des UKT. Ihr Auftrag sei es gleichermaßen, den Abtransport von Patienten aus der betroffenen Station zu koordinieren und Entstehungsbrände zu bekämpfen, so Appenzeller.
Wo werden die Patienten hingebracht?
Für die Übung wurden zwei Stationen mit je 20 Patienten als Mimen genutzt. Diese sollten ebenso verschiedene Formen der Mobilität – von bettlägerig bis gehfähig – darstellen, aber auch verschiedene mentale Zustände simulieren. „Die Zustände der Patientenschaft variiert von Tag zu Tag. Davon hängt ab, ob wir es in acht Minuten hinbekommen, die Leute in Sicherheit zu bringen.“ Acht Minuten braucht die Feuerwehr bis zum Klinikum.
Als Alarm ausgelöst wurde, ging alles ganz schnell: Auf Anweisung der erstversorgenden Löschgruppe Kliniken Berg, die gleichzeitig versuchte, den Brandherd zu orten, wurden die Patienten zusammen geholt, aus der Station gebracht und im Korridor versammelt, um auf vertikalen Rettungswegen, den Treppenhäusern und den Aufzügen, in andere Stationen gebracht zu werden. Nach etwa zehn Minuten übergaben sie die Lage.
Denn zu diesem Zeitpunkt waren bereits die Rettungskräfte da. Die Feuerwehr kam durch die außen liegenden Treppenhäuser in die betroffene anästhesiologische Intensivstation. Die Feuerwehrleute mussten keine Schläuche verlegen, sie nutzten eine bereits dort liegende Leitung. Während sich die gleichzeitig eingetroffenen DRK’ler um die Patienten kümmerten, widmeten sich die Feuerwehrleute der Brandbekämpfung. Die wurde erschwert, weil an einer Stelle schadhafte, bis dato nicht ersetzte Rigipsplatten in der Decke fehlten. Diese Öffnung wirkte wie ein Kamin und drückte den Rauch tief in die Station hinein. Dennoch lief der Abtransport der Patienten ebenso wie die ersten Löschmaßnahmen so reibungslos, dass der beobachtende Kreisbrandmeister Karl Hermann lobte: „Das läuft alles schön, schulbuchmäßig.“
Der Brandherd wird abgeschirmt
Die die Übung begleitenden Polizisten hatten den Brandherd und die Patienten nach außen abzuschirmen: Sogar aufdringliche Journalisten wurden einbezogen: „Der TAGBLATT-Mensch soll am Eingang warten“, kakelte es durch die Funkgeräte, beendet von diesem Dialog: „Er beobachtet die Zufahrt von unten hoch.“ – „Das darf er.“
In der Kinderklinik statt in der Chirurgie
Draußen vor dem Gebäude trafen sich derweil die Einsatzleitung der Rettungskräfte mit dem Krisenstab der Klinik um Direktor Michael Bamberg. Um 18.44 Uhr, eine halbe Stunde nach Übungsbeginn war die Station geräumt und waren die letzten bettlägerigen Patienten in Sicherheit gebracht, als gemeldet wurde, der Brand sei auf eine weitere Station übergegangen. Diese sei zwar auch geräumt worden, allerdings wussten die Helfer einige Zeit nicht, wohin diese Patienten gebracht worden waren. Kreisbrandmeister Hermann mahnte in diesem Zusammenhang eine bessere Koordination an. Später stellte sich heraus, dass die Patienten in der Kinderklinik statt in der Chirurgie untergekommen waren.
Erschwert wurde die Koordination der Übung, weil der hausinterne Funkkanal ausfiel und der komplette Funkverkehr über den Kanal der Feuerwehr geführt werden musste. Diese Reibungen im Ablauf seien jedoch „sekundär“, so Kreisbrandmeister Hermann: „Die Patienten sind draußen.“
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