[X]
 per eMail empfehlen


   

DAS MAGISCHE PFERD Folge 4

Ein nächtlicher Besuch

Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass sowohl Melanie als auch Joscha am nächsten Tag und für den Rest der Woche Hausarrest hatten.

Anzeige


Marlene Staib
Artikelbild: Ein nächtlicher Besuch Ziemlich unheimlich und neblig war es, als der Tagblatt-Fotograf das Haus fotografierte, in dem die Fledermäuse wohnen. Erkennst du das Haus? Wenn du zwischen 14 und 17 Uhr den Hof betrittst, wirst du auf die Spur des magischen Pferdchens stoßen.

Melanie, weil sie triefnass, hustend und ohne eine hinreichende Erklärung zuhause angekommen war („Was soll das heißen, du bist gefallen – Menschen fallen nicht einfach in den Neckar!“, tobte ihre Mutter). Und Joscha, weil er nicht besser auf seine Schwester aufgepasst hatte.

Melanie fand das ziemlich ungerecht, schließlich war es allein ihre Schuld, doch zum ersten Mal war Joscha nicht sauer und interessierte sich brennend für Melanies Geschichte.

Wieder und wieder musste sie ihm von dem komischen Männlein auf dem Stocherkahn erzählen, jedes Mal stockte ihm aufs Neue der Atem, wenn sie zu der Stelle kam, an der das Männlein bedrohlich auf sie zugegangen war.

Verblüfft registrierte Melanie, dass sich ihr Bruder ehrlich um sie zu sorgen schien. Das war neu für sie und einer der Gründe, die ihr die Strafe alles in allem sehr erträglich machten.
Den ganzen Tag überlegten sie fieberhaft, was es mit dem magischen Pferdchen auf sich hatte, wo es herkam und warum es Neptun und der tanzende Stocherkahnfahrer als „mächtig“ bezeichnet hatten.

Mit ihrer Recherche kamen sie allerdings nicht sehr weit: So vielversprechend die Buchtitel auch klangen, so wenig brauchbare Informationen fanden sich in den dicken Wälzern, die Joscha aus der Stadtbücherei heimgeschleppt hatte.

Prompt  juckte es die beiden schon am Nachmittag wieder in den Fingern. Sie wollten endlich das Haus verlassen und den Dingen eigenhändig auf den Grund gehen.

Sie konnten nicht ahnen, dass schon an diesem Abend die Geschichte einen neuen Höhepunkt erreichen sollte. Gerade waren die Kinder brav ins Bett gehuscht, ganz und gar darauf bedacht, ihre Strafe durch gutes Betragen zu verringern. Da hörten sie plötzlich ein Klopfen an der Fensterscheibe. Etwa ein weiterer Besucher? Melanies Herz pochte wie wild, als sie aufstand und aus dem Fenster sah. Draußen konnte sie niemanden entdecken. Doch das Klopfen begann von Neuem.

Diesmal öffnete sie das Fenster, und nun war auch Joscha auf den Beinen. Gespannt spähten sie in die Nacht hinaus, bis sie plötzlich die Fledermaus bemerkten, die, geblendet von der Deckenlampe, orientierungslos durchs Zimmer schwirrte. Schließlich ließ sie sich flügelschlagend auf Melanies Arm nieder. „Sollten diese Tiere nicht lichtscheu sein?“, fragte Joscha etwas unsicher.

Es gab eigentlich keinen Grund, aber irgendwie hatte er Angst vor diesem kleinen Wesen. Melanie zögerte, dann lief sie zu ihrem Bett und zog das Pferdchen unter ihrem Kopfkissen hervor. Die Fledermaus schien zufrieden, sie griff mit ihren Beinen nach dem Elfenbein-Tierchen in Melanies flacher Hand. Einen Moment lang blieb sie vor den Kindern in der Schwebe, dann flog sie durch das geöffnete Fenster wieder in die Nacht hinaus.

Melanie stand wie erstarrt – ihr gestriges Erlebnis steckte ihr noch immer in den Knochen. Diesmal war es an Joscha, zu handeln: „Auf geht‘s, Mel, hinterher!“, rief er und kletterte auch schon aus dem Fenster. Zum Glück wohnten sie im ersten Stock! „Wir haben Hausarrest“, protestierte seine Schwester leise, obwohl auch sie herausfinden wollte, was die Fledermaus mit ihrem Pferdchen zu tun hatte. „Hausarrest? Hier geht es um mehr als Hausarrest, Mel. Außerdem: Wer soll denn etwas merken?“ Tatsächlich waren ihre Eltern schon eingeschlafen.
Ihr Bruder streckte seine Hand aus und Melanie griff danach. Einen letzten Blick warf sie zurück ins Kinderzimmer, dann liefen beide im Schlafanzug in die Dunkelheit, wo die Fledermaus in einigem Abstand auf sie zu warten schien. Kaum hatten sie das Tier erreicht, flog sie wieder davon.

Auf diese Art bewegten sie sich unaufhaltsam in Richtung Altstadt. Melanie war sich längst gewiss, dass die Fledermaus zu ihnen gekommen war, nicht um sie zu bestehlen, sondern um sie irgendwohin zu führen. Näherten sie sich vielleicht der Lösung des Rätsels um das magische Pferdchen? Würden sie herausfinden, warum es den ganzen Spuk magisch anzuziehen schien?
Fortsetzung folgt.

Lust zum Mitmachen?
Weisst du, wo die Fledermaus die Kinder hinführt? Es ist ein Ort, an dem in Tübingen viele ihrer Artgenossen wohnen - vielleicht kannst du dort der Lösung des Rätsels näher kommen!.

05.08.2010 - 00:57 Uhr | geändert: 05.08.2010 - 01:26 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln (hier klicken)

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Anzeige


Single des Tages