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DAS MAGISCHE PFERD Folge 3

Ein Kahn treibt flussaufwärts

Böse trommelte der Regen gegen die Fensterscheibe, als Joscha am nächsten Morgen sein Müsli löffelte. War es nicht komisch, dass es immer zum Ferienbeginn zu regnen anfing?

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Marlene Staib
Artikelbild: Ein Kahn treibt flussaufwärts Kannst du Melanie und Joscha helfen? Auf diesem Bild hat sich ein seltsames Wesen versteckt. Aber wo? Wenn du es entdeckst, weißt du, in welchem Gebäude du heute das nächste Rätsel lösen musst. Wenn du das Gebäude zwischen 14 und 17 Uhr betrittst, erfährst du, was es dort zu tun gibt.

Doch im Augenblick beschäftigte ihn anderes als der Regen. Zum Beispiel, was es mit dem Ereignis gestern auf dem Marktplatz auf sich hatte. Vielleicht hatte Mel eine Idee?
Joscha überlegte kurz, ob er seine kleine Schwester nach ihrer Meinung fragen konnte. Würde er dann nicht sein Gesicht verlieren? Egal. Er ging los und fand Melanie im Arbeitszimmer der Eltern. Am Computer.
Joscha war verblüfft, als er seiner Schwester über die Schulter schaute und die große Männerstatue mit dem Dreizack erblickte.
„Was hast du vor?“, fragte er unsicher. „Ich recherchiere“, erklärte Melanie. Sie war stolz, ein solches Wort benutzen zu können. Ihr Bruder schien beeindruckt.
„Das hier ist ziemlich uninteressant“, sagte sie, „spannend ist aber, was ich über den Tübinger Spuk herausgefunden habe. Anscheinend soll im Schlosskeller ein Geist hausen. Von toten Dichtern, die Kinder zum Tee einladen steht hier aber nichts“, klärte sie Joscha so schnell wie möglich auf.
Wenn er sie gefragt hätte, hätte sie womöglich auch erzählt, dass sie seit ihrem Abenteuer letzte Nacht kein Auge zugetan hatte.
„Was ist das da unten?“ Joscha war auf etwas aufmerksam geworden und griff nach der Maus. Unter der Überschrift „Buchtipps zum Thema: Neptun“ klickte er den vielversprechenden Titel „Wenn Neptun nachts vom Brunnen steigt“ an.
Das Buch war 1994 in Tübingen erschienen und kostete sechs Euro fünfundneunzig. „Das muss ich mir ansehen“, entschied er, und so machten sie sich die beiden nach dem Mittagessen (Rosenkohl – warum musste es an Regentagen immer Rosenkohl geben?) auf den Weg.
Melanie war ein wenig beleidigt, dass Joscha das Recherchieren in die Hand nahm. Gedankenverloren spielte sie auf dem Weg zur Bücherei mit dem Pferdchen und hoffte, dass wieder etwas Aufregendes geschah.
Sie hoffte vergebens. Hatte das Pferdchen am Ende doch nichts mit den merkwürdigen Ereignissen um sie herum zu tun? Gerade wollte sie es zurück in ihre Tasche stecken, als sie plötzlich einen Stocherkahn sah, der mitten im Regen scheinbar ohne Steuermann auf dem Neckar trieb. Das Seltsamste jedoch war, dass er sich gegen die Strömung bewegte.
„Mel, beeil dich, oder willst du im Regen verrosten?“, drängelte Joscha.

„Geh schon mal vor“, rief sie ihm zu, bevor sie die Stufen zur Neckarinsel hinunterstürzte. Bald hatte sie den Kahn eingeholt, und erkannte nun ein kleines, altes Männlein, das munter auf dem Boot herumtanzte und sang:

„Bin zwar klein, doch nicht dumm,
Mach vorm Herzog mich nicht krumm,
Ich werde bald Herrscher sein,
Fehlt mir nur das Elfenbein!“

Melanie konnte nicht anders: Mit einem Satz sprang sie auf den Kahn und war im nächsten Moment schon sicher, etwas Dummes getan zu haben.
Das Männlein bemerkte sie sofort und kam gierig schnüffelnd auf sie zu. Offenbar hatte es ebenso großes Interesse an ihr wie sie an ihm. „Schönes Mägdlein“, murmelte es. „Aber hat es auch das Elfenbein?“
„Was wollen Sie? Was ist das für ein Elfenbein, von dem Sie da singen?“ Melanie versuchte, ruhig zu wirken, doch ihre Stimme spielte nicht mit.

„Ein mächtiges Elfenbein, ein Schatz, der mir lebenslanges Glück bescheren soll!“, schrie das Männchen wild. Melanie umklammerte das Pferdchen in ihrer Hosentasche. Das Männchen kam näher: „Na los, zeig, was in deiner Tasche ist!“ Verängstigt zog Melanie das Pferdchen hervor. „Da ist es ja – Elfenbein!“, rief das Männchen verzückt. „Nun bist du mein!“ Es zerrte an dem kleinen Gegenstand, Melanie zerrte ebenfalls, der Kahn fuhr immer schneller flussaufwärts und der Himmel wurde finsterer. Endlich ließ das Männchen los und Melanie fiel rückwärts in den Neckar.
Fortsetzung folgt.

Lust zum Mitmachen?
Kannst du Joscha und Melanie helfen, das Rätsel zu lösen? Dazu musst du Joscha in das Haus der Bücher folgen.

04.08.2010 - 07:46 Uhr

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