Am Nachmittag zogen 500 Demonstranten durch die Altstadt
Die in der Frühe geräumten Besetzer forderten eine bessere Bildungspolitik
Tübingen. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“ Gleich zweimal waren gestern Sprechchöre von Studierenden in der Tübinger Altstadt zu hören. Am Morgen kurz vor 8 Uhr war eine Spontandemo vom Kupferbau in Richtung Marktplatz unterwegs, nachdem 200 Besetzer unter dem Eindruck eines starken Polizeiaufgebots freiwillig den Kupferbau verlassen hatten. Vor dem Rathaus löste sich die Demonstration wieder auf.
Für die Demonstration am Nachmittag war schon seit einigen Tagen mobilisiert worden. Dieses Mal beteiligten sich etwa 500 Studierende, die vor der Neuen Aula einen ersten Halt einlegten.
Dort wurden Solidaritätsadressen zweier Landtagsabgeordneten verlesen. Rita Haller-Haidt (SPD) versicherte, dass sie sich den Forderungen nach Verbesserung der Studienbedingungen anschließe. Konkret kündigte sie dazu eine Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion an die Landesregierung an. Heike Hänsel (Linke) wandte sich „gegen die Ignoranz und Arroganz der Landes- und Bundesregierung“ in Fragen der Bildungspolitik. Dem Universitätsrektor warf sie wegen der angeforderten Polizeikräfte „mangelndes Demokratie- und Dialogverständnis“ vor.
Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Ilka Neuenhaus, war persönlich anwesend, forderte eine „Kehrtwende in der Bildungspolitik“ und lobte alle Beteiligten für den friedlichen Verlauf. Am Marktplatz wandte sich ein weiterer Abgeordneter persönlich an die Studierenden: Jörg Tauss, 38 Jahre lang bei der SPD und nun bei der Piratenpartei, fand „nicht in Ordnung“, dass „nach der Polizei gerufen wird, wenn man was für die Bildung tut“.
jol/Bild: Metz