per eMail empfehlen


   

Kommentar

Die Altstadt auftauen!

Jetzt geht es also doch weiter an der Blauen Brücke. Türmer Ulf Siebert wird seine Musiklounge sogar vergrößern. Es scheint so, als hätten all jene recht, die die jüngste Debatte ums siechende Nachtleben in Tübingen einmal mehr zu einer regelmäßig wiederkehrenden Scheindiskussion erklärten.

Anzeige


Matthias Stelzer

Tatsächlich ist der Erhalt des „Blauen Turms“ für die strauchelnde Ausgehstadt Tübingen nicht mehr und nicht weniger als eine Verschnaufpause. Zeit, um zu überlegen, wie es weitergehen kann mit dem Nachtleben in einer Kommune, die immerhin 27.000 meist junge Studierende hat. Klar ist, wenn Tübingen seinen Ruf als attraktive Uni-Stadt behalten und im Wettstreit um den Gastroumsatz in der Region bestehen will, muss die Suche nach zusätzlichen Clubstandorten und Adressen für modernere Gastronomie-Konzepte in der Altstadt weitergehen.

Warum das so ist, zeigt der Blick nach Stuttgart, nach Reutlingen oder im Uni-Vergleich auch nach Heidelberg und Freiburg. Überall dort ist den Städten gelungen, spezielle Ausgeh-Quartiere zu schaffen, attraktive Anlaufstellen fürs junge Publikum eben. In der Theodor-Heuss-Straße oder am „Hans-im-Glück-Brunnen“ in Stuttgart oder in der Oberamteistraße in Reutlingen trifft man die Tübinger inzwischen in Scharen. Eine Tatsache, die Tübingen viel Gastroumsatz entzieht.

Jetzt lässt sich eine Theodor-Heuss-Straße selbstverständlich nicht einfach gen Süden versetzen. Und selbst wenn man wollte, wäre es nicht einfach, Tübingen eine eigene „Schinkenstraße“ zu verpassen. Aber einzelne Altstadt-Straßenzüge (beispielsweise Kornhausstraße oder Ammergasse), in denen jetzt schon Gastronomie ansässig ist, könnte man durch die Konzessionierung neuer Kneipen stärken.

Auf beschränkte Zeit angelegte Gastronomie statt 99-Cent-Läden und Leerstand – mit diesem Konzept haben andere Kommunen gute Erfahrungen gemacht. Im Herzen Tübingens vereitelt dies aber die Altstadtsatzung. 1989 als „Bebauungsplan Altstadt“ verabschiedet, soll sie Wohnnutzung im Zentrum der Stadt gewährleisten. Eine „Neuerrichtung und Erweiterung von Schank- und Speisewirtschaften sowie die Neuerrichtung von Einrichtungen zur Abgabe von Speisen und Getränken zum Verzehr auf der Straße“ schließt sie in ihrem Geltungsbereich aus.

Das bedeutet, dass das Kneipenangebot in der Altstadt Ende der 80er-Jahre eingefroren wurde. Die Pachtpreise für Gastronomieflächen werden – dank ordentlicher Nachfrage und fehlenden Möglichkeiten – unnatürlich hoch gehalten. Für eine junge Stadt, die gut vom regelmäßigen Wechsel ihrer (Zweitwohnsitz-)Bevölkerung lebt, ist das kein guter Zustand. Tübingen muss trotz der positiven Entwicklung an der Blauen Brücke weiter über seine Rolle als junge (Ausgeh-)Stadt debattieren – Risiken und Nebenwirkungen inklusive. Im Klartext heißt das: Auch wenn es viele Bewohner anders sehen, darf der Bebauungsplan von 1989 dabei kein Tabu sein. Im Zweifel muss man die Altstadt sogar auftauen!

28.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 28.12.2012 - 15:02 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Lehrberuf Bootsbauer

Fußball und Feiern in Ergenzingen

Wurmlinger Pfingstritt 2013

42. Internationales U19-Jugendfußballturnier in Ergenzingen

Pfingstritt 2013 in Wurmlingen

Hannesle-Lauf 2013 in Dußlingen

Ausstellung: "Wie Schönes Wissen schafft"

Rundgang durchs Rathaus während der Sanierung

Malteser-Rettungshunde trainieren in Rottenburg

20 Jahre Partnerschaft Starzach - Bocage Gâtinais

Kreisliga A: SV Wurmlingen schlägt SSC Tübingen 3:0

Mössinger Generalstreik-Stück hatte Premiere

Rottenburg feiert kulturelle Vielfalt

Hinter den Kulissen des Circus Probst

Horb feiert den Baden-Württemberg-Tag

SV Nehren - VfL Nagold 0:2 (0:1)

Pfeifkonzert bei der Mai-Kundgebung

Kirchentellinsfurter Maibaumstellen am Faulbaum

Umfrage

Betrunken gefahren - Führerschein weg. Das kann auch Radfahrern passieren, wenn sie mehr als 1,6 Promille Alkohol im Blut haben. Nach dem Willen der Innenminister soll die Promillegrenze für Fahrradfahrer verschärft werden: 1,1 Promille sind angepeilt, für Autofahrer liegt der Grenzwert bei 0,5 Promille. Was halten Sie davon?



Gut so! Wird auch höchste Zeit, dass die Grenze für Radler verschärft wird. 19 14%
 
Quatsch! Besser man fährt Fahrrad statt Auto, wenn man Alkohol getrunken hat. 70 50%
 
0,5 Promille für alle! Warum sollen Radler mehr trinken dürfen als Autofahrer? 26 19%
 
Null Promille für alle! Fahrrad oder Auto - wer fährt, sollte gar keinen Alkohol trinken. 23 17%
 
So funktioniert das mit dem Artikelkauf

Fragen und Antworten zum Online-Bezahlsystem

Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.

Umfrage

Wir filmen, die Fans entscheiden, welches Spiel: Jede Woche schlagen wir Amateur-Partien aus der Region vor. Die Abstimmung läuft jeweils von Freitag, 6 Uhr, bis Dienstag, 14 Uhr. Welcher Kick soll als Video-Zusammenfassung (für 15 Cent) auf www.tagblatt.de zu sehen sein?



Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Sport-Redaktion bloggt
Artikelbild: Wir nehmen Euch in den Schwitzkasten

Wir nehmen Euch in den Schwitzkasten

Es gibt so einiges, was auf dem Notiz-Block steht, aus verschiedensten Gründen aber nicht im Blatt landet. Dafür gibt es jetzt den Schwitzkasten, den ersten Blog zum Regionalsport in Tübingen und Umgebung - mit Videos, Bildern und Euren Kommentaren.

Tagblatt Pocketmagazin

Gesundheitsführer 2013

Blättern Sie durch die neue Ausgabe "Gesundheitsführer 2013".
Mit einem ausführlichen Verzeichnis der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im Landkreis Tübingen.


Link zum Gesundheitsführer 2013

Die Woche im Rückklick
Pfingstritt-Sieger 2013: Matthias Rebmann

Wissen, was war

Pfingstreiter, Pfingstläufer, Pfingstkicker - Die Woche vom 18. bis zum 24. Mai.

Zeitzeugnisse
Der TSV Lustnau feierte 1952 seinen neuen Sportplatz vor der Egeria (im Hintergrund). Wenige Jahre ...

Ein Reck auf der Wiese - 125 Jahre SV Lustnau

Heutzutage wäre es kaum denkbar, dass jemand einen Barren mitten auf die Wiese stellt und damit die Leute begeistert. Im Jahr 1888 ist aber genau das in Lustnau geschehen. Es war der Anfang des Turn- und Sportvereins Lustnau. Am Montag feiert er seinen 125. Geburtstag.

Anzeige


Anzeige


Single des Tages