Bühler Viertklässler interviewen ausländische Mitbürger im Tübinger Rathaus
„Welches Verhalten der Menschen war Ihnen anfangs fremd?“ Viertklässler staunen über so manche Antwort und finden die Interviewpartner „sehr nett“.
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Tübingen. Im Bus von Bühl nach Tübingen waren wir, die vierte Klasse aus Bühl, ziemlich aufgedreht. Erst nachdem das Interview mit fünf wirklich netten Frauen aus Kirgistan, Kolumbien, der Türkei, Venezuela und einem ebenso freundlichen Mann aus der Türkei vorüber war, konnten wir zugeben, dass wir doch einigen Bammel davor gehabt hatten.
Berührungsängste schnell abgebaut
Jessica Speidel meinte: „Ich hatte Angst, dass die Leute nicht nett zu uns sind.“ Sarah Maier dagegen befürchtete: „Was, wenn die jetzt unsere vorbereiteten Fragen blöd finden? Und wenn wir nicht so schnell mitschreiben können?“ „Vielleicht wird das eher langweilig!“, sorgte sich Max Fiege insgeheim vor dem Rathaus. Vorab können wir versichern, dass alle Bedenken unnötig gewesen waren.
Im kleinen Sitzungssaal begrüßte Dr. Susanne Omran, die Leiterin der Stabsstelle für Gleichstellung und Integration, unsere Interviewpartner und uns. Wir waren in Kleingruppen eingeteilt und total gespannt, wen wir wohl interviewen dürfen. Endlich ging es los. Sofia Theodorakeli beschreibt das so: „Am Anfang war ich nervös. Als wir anfingen, Fragen zu stellen, ging es mir gleich besser.“
Warum also verlassen Menschen ihre Heimat? Sina Myitanova wollte in Deutschland studieren. Fylia Okur und Vedi Okur erhofften sich ein besseres und freieres Leben. Für Elsi Echavarria-Stösser bedeutete es mehr Sicherheit. Außerdem war sie in einen deutschen Mann verliebt. Aynur Soylemez, so berichtete Tim Krauß begeistert, kam „nur wegen der Liebe“. Ana Mejias kam mit ihrem Mann. Er wollte hier studieren.
Unseren Gesprächspartnern gefällt an den Deutschen, dass sie „sehr zielorientiert und diszipliniert, ordentlich, ehrlich und pünktlich“ sind, dass man „die Menschenrechte achtet“.
Manches Verhalten war ihnen fremd: „Die Leute reden nicht miteinander. An einer Bushaltestelle ist es ganz still!“ Zoi Polimenopoulos war überrascht, das zu hören: „Ich könnte nicht so gut mit Leuten reden, die ich nicht kenne“, meinte sie nachdenklich. Lars Mang fand es „interessant, dass man anderswo keinen Termin ausmacht, um sich zu besuchen“, sondern einfach spontan vorbeikommt. Die meisten unserer Gesprächspartner vermissten das, als sie nach Deutschland kamen.
Wie Fylia Okur, so berichteten auch alle anderen, dass sie Heimweh haben. Sie vermissen Freunde und Familie, das warme Klima, das Meer und das Essen. Aber alle beteuerten auch, gern in Tübingen zu leben. Sei es wegen der Freizeitmöglichkeiten, den Kinos, den Ausstellungen, den vielen Festen, weil sie viele Leute kennen, die Kinder allein unterwegs sein können, weil es „ruhig wie im Paradies ist“ und die Stadt mit den Studenten jung bleibt.
Lustige Anekdoten werden erzählt
Immer wieder gab es auch lustige Anekdoten zu hören. So erntete Echavarria-Stösser großes Gelächter, als sie einmal in einer Runde mit einem fröhlichen „Prostata!“ anstoßen wollte.
Madeline Räthel fasste unser Treffen im Rathaus so zusammen: „Ich finde es cool, dass wir uns getraut haben, das Interview zu machen!“ Lara Fux glaubt, dass sie viel Neues gelernt hat und freute sich wie alle über das Hanuta, das wir am Schluss von Susanne Omran bekamen.
Die Klasse 4 aus Bühl bedankt sich ganz herzlich bei allen, die uns diese interessanten Begegnungen möglich gemacht haben.